326 Die deutsche Nationalversammlung.
die nothwendigen Abänderungen des Vertrags vorn 26. Aug. 1848 baldigst eineVerständigung eintrete; 3) die Provisorische Ccntralgewalt aufzufodern, wegen schleu-niger Einleitung von Friedensverhandlungen das Erfodcrliche wahrzunehmen." Da-für stimmten 257, dagegen 256 Abgeordnete. Die Mehrheit war unverändertgeblieben. >
Hierauf fiel der erste Antrag der Ausschußminderheit weg, der auf einfacheGenehmigung oder vielmehr „Nichtbeanstandung" des Vertrags gelautet hatte. Eswar aber noch ein zweiter Antrag übrig, der vielleicht hauptsächlich darauf berechnetwar, dem ersten glücklich über die Klippen hinwegzuhelfen. Er bezweckte, den Aus-schuß für die Centralgewalt, nach Einsicht der Verhandlungen vom 2. April biszum 26. Aug., zu beauftragen, daß er über das Verfahren der preußischen Regie-rung gegenüber der Centralgewalt einen Bericht erstatte. Die linke Seite, die un-ter andern Umständen eine solche Untersuchung bereitwilligst begrüßt hätte, mußtejetzt mit Recht in diesem Antrage eine leere Spiegelfechterei erkennen, deren Zweckhöchstens sein konnte, den Groll vieler Deutschen seitwärts abzuleiten und da- öffent-liche Urtheil irre zu führen. Die meisten ihrer Mitglieder entfernten sich oderstimmten gegen den Antrag, der denn auch mit 205 Stimmen gegen 165 verwor-fen wurde.
Der Septemberaufstand.
Die neunte Stunde (16. Sept.) war inzwischen hereingebrochen, und draußenauf den Straßen wogte eS unheimlich umher. Die Kunde des Beschlusses, der >so viele Erwartungen täuschte, hatte sich rasch in der Stadt verbreitet. Vonnah und fern waren Viele gekommen, die auf die Entscheidung warteten. Dieletzten Tage über hatten schon Ingrimm und entschlossener Trotz in der stets >anschwellenden Menge gewechselt, und überall konnte man Drohungen laut genughören. ES war in dem Volke jene Stimmung bis aufs höchste gesteigert, dieseit dem Ende des März sich auf Straßen und Plätzen auSsprach. Denn gleichmit dem ersten Erscheinen eines parlamentarischen Lebens hatte die Menge, wieder' Chor auf der Bühne der Griechen, wenn auch nicht immer in so würdigerHaltung, vielfach eingegriffen in die Schauspielsrollen der Volksvertreter und aufsie zu wirken gestrebt, sei es unmittelbar durch Beifall oder Zischen von den tGalerien herab, sei eS mittelbar von außen her durch Andrängen und Auffode- ,rung und Abschreckung. Fortwährend tagten neben der Versammlung in St.'Paul die Gassenparlamente. Eine Versammlung von Abgeordneten demokratischerVereine hatte vor nicht langer Zeit in Frankfurt Beschlüsse gefaßt, in denen dirMehrheit der Nationalversammlung öffentlich an den Pranger gestellt wurde;andern Vereinen und in Volksversammlungen stritt man unaufhörlich um Republikund Monarchie, und die demokratischen Bestrebungen gewannen zusehends das Über'gewicht. Es fehlte an keinem Mittel, die Bewegung im lebendigen Flusse zu er'halten; wem die Caricaturen nicht deutlich genug sprachen, dem sagten die Anschlägtan Mauern und Straßenecken von dem täglichen Kampfe der Parteien, und vo" jdem Ziele, auf das hinzuarbeiten sei. In allen Schichten des Volks pulsirte t>a< >Blut mit lauten Schlagen, wie im Frühling die kräftigern Säfte eine- Baun"/auf- und niedereilen; überall war jene fiebernde Gährung, die beim Einzelnen n>"bei der Masse den raschen Eintritt eines neuen Lebenspunktes bezeichnet, und da°frische Bewußtsein der Kraft mußte um so ungestümer sich äußern, je weniger n>a"zu einer regelmäßig freien Bewegung gewöhnt worden.
Die schleswig-holsteinische Angelegenheit hatte einen seltenen Anlaß geboten, d"demokratischen^ Zwecke an eine Sache zu lehnen, die weitaus die Mehrheit, selbst uAter den Gemäßigten, für sich gewonnen hatte, und in deren Würdigung namentu^der Süden Deutschlands, am wenigsten von dem Unheile deS Kriegs berührt, aw ^meisten mit den heftigern Parteien übereinstimmte. Wenn jemals ein AusbruchdWahrscheinlichkeit deö Erfolgs für sich hatte, so war da- jetzt der Fall, wo die