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Die deutsche Nationalversammlung.
unter den Ausruf geschrieben; und jetzt war keine Möglichkeit mehr geboten, dieUnterschrift vor aller Welt als eine unbefugte zu erklären. Da entschloß sich nochin der letzten Stunde der Vorsitzende des Vereins, der Arzt Behaghel, aus demunwiderruflich Geschehenen den möglichsten Erfolg zur Erhaltung des öffentlichenFriedens zu gewinnen, und sich lieber an der Versammlung zu betheiligen, als sieden entfesselten Leidenschaften allein zu überlassen. Er nahm den angebotenen Vorsitzder Volksversammlung an, und unter seiner Leitung wurde von dem Anwälte Rein»ganum eine Zuschrift an das Parlament vorgeschlagen, welche die Abstimmung vom
16. Sept. mißbilligte. Aber solche Mäßigung dünkte den fünf Tausenden, die ausder Pfingstweide zusammengeströmt waren, nicht mehr an der Zeit. Unter verwor-renem Geschrei ward die Zuschrift abgewiesen, und Behaghel übergab den VorsitzEinem aus der zu Gewalt und Umsturz drängenden Partei. Jetzt vernahm manReden, die lebhaft an die heftigsten Auftritte im Club der Jakobiner erinnerten.Die Abgeordneten Schlöffet, Simon aus Trier, Zitz, sprachen Worte, die von solche»Zuhörern als Auffoderung zum offenen Kampfe gedeutet werden mußten; gemessenerredete Wesendonck; nur Hentges aus Heilbronn ließ, aber vergebens, Mahnung zurGesetzlichkeit ergehen. Zitz erklärte, „man müsse jetzt Fractur schreiben". Und sogeschrieben war auch die Eingabe an das Parlament, die aiun beschlossen wurde.Die Volksversammlung, hieß es, aus mindestens 20000 Bürgern bestehend, erkläredie 258 Abgeordneten, die den schmählichen Waffenstillstand angenommen, für Ver-räther des deutschen Volks, der deutschen Freiheit und Ehre. Was aber geschehensolle, um dieser Erklärung die angemessene That folgen zu lassen, wurde mehrangedeutet als ausdrücklich gesagt; doch konnte darüber nicht leicht ein Zweifelbestehen.
Schon am Abende des 16. Sept. waren die Abgeordneten der Linken imDeutschen Hofe von einzelnen demokratisch gesinnten, aber der Gewaltthat abgeneig-ten Bürgern der Stadt aufgefodert worden, zur Besänftigung der Massen wirksamzu sein. Aber sie vermochten es nicht; denn nicht in ihrer Hand lagen die Fädender Bewegung. Die Haufen, die vor dem Deutschen Hofe wogten, geleitet vondem Mainzer Germain Mettcrnich, wollten sich von der Partei Blum's und Vogt'snicht leiten lassen, sondern sie mit fortreißen. Völlig eingeweiht in die Plane desAufstandes, soweit von einem geregelten Plane die Rede sein konnte, waren nurEinige der äußersten Linken, vielleicht auch nur Zitz allein, in dessen Wohnung dieFührer des Kampfes aus- und eingingen.
Gegen die herannahende Gefahr bot sich in Frankfurt nur unzureichenderSchutz. Bisher hatte die Bürgerwehr, im Vereine mit freiwillig zusammengetretenenSchutzwachcn, »»ermüdet die öffentliche Ordnung aufrecht gehalten. Die Truppen-macht bestand aus einem kurhessischen Bataillon, das an der Stelle der nach Schles-wig ausgerückten frankfurter Linientruppen die Besatzung bildete, und von dem diePartei deß Aufstandes eine nachdrückliche Abwehr nicht voraussetzte. Unter solchenUmständen wollte der Senat der freien Stadt nicht länger die schwere Verantwort-lichkeit für Schutz und Sicherheit des Parlaments tragen. Noch in der Nacht des
17. Sept. erklärte er in einem Schreiben an Herrn von Schmerling, diese Fürsorgemüsse er fortan als die Pflicht des Reichsministcriums betrachten. Aber schon eineStunde vorher hatte der Senat, eine Ermächtigung des Ministeriums benutzend/mittelst des elektrischen Telegraphen Truppen aus Mainz herbeigerufen. Es warhohe Zeit gewesen; denn wenige Minuten später waren die Drähte durchschnitten.
Um 3 Uhr Morgens brachte die Eisenbahn zwei Bataillone -dstreicher undPreußen nach Frankfurt. Als die Abgeordneten zur Sitzung des 18. Sept. ginge«/sahen sie, die Einen mit Befremden, die Andern mit großer Befriedigung, dirBayonnete im Umkreise der Paulskirche glänzen. Aber auch an Hausen Volksfehlte es nicht, noch an Drohworten der handgreiflichsten Art, die sich ungescheutan den Eingängen des Parlaments hören ließen. Kaum war die Sitzung eröffnet/so stellte Berger au- Wien, der äußersten Partei dcS Donnersberg angehörig, ^