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Siebenter Band.
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330 Die deutsche Nationalversammlung.

lassen wir das den Behörden!" Und die Berathung ward in Nuhe fortgesetzt.Allein nach wenigen Minuten erhob sich draußen wiederholtes Getümmel; die Zuhö-rer klommen a» die Fenster. Robert Blum rief in die Verwirrung hinein: „KeineKomödie hier!" und von der Rechten antwortete eine Stimme: „Keine Komödiedraußen!"

Der Lärm um die Kirche her schwieg. Preußische Soldaten hatten die Ein-dringlinge zurückgetrieben und dabei war einer der Letztem mit dem Bayonnet ver-wundet worden. Sogleich durchlief die ganze Stadt das Gerücht, die Preußenhätten einen alten Mann, einen Unschuldigen — möglich, daß er es war! — nieder-gestoßen. Die Erbitterung wurde ämsig genährt. An einzelnen Orten begann manalsbald mit dem Bau von Barrikaden; Eermain Metternich, der als Vertrautervon Zitz bekannt war, ging mit einem Plane der Stadt umher und bestimmte die'Punkte, wo sie zu errichten waren. Als Gagern gegen 2 Uhr die Sitzung aufhob,ssahen die Abgeordneten in der nächsten Umgebung der Paulskirche, auf dem Römer-berge, aus den Bretcru der Meßbudcn hohe Brustwehren aufgeschichtet. PreußischeSoldaten zerstörten sie auf der Stelle, ohne Mühe, ohne Gegenwehr.

Aber an andern Stellen waren die Barrikaden stärker angelegt. Die Altstadtmit engen und winkeligen Gassen bot alle Erfodernisse zu einer vollständig in sichabgeschlossenen Festung; und die Wohlgelegenen Punkte, von denen aus eine Ver-theidigung sich mit Vortheil und Sicherheit führen ließ, waren mit dem Scharfblickdes erfahrenen Soldaten ausgesucht worden. Die drei Hauptbarrikaden standen inder Mitte der Döngesgasse, in der Schnurgasse und am Eingänge der Allerheili-gengasse; die andern waren ringshcr ungelegt, theils als Vorwerke, theils um dieVerbindung zu unterhalten. Das Hauptquartier des Aufstandcs war im Gräber'-schen Wirth-hause nahe bei der ersten jener drei Barrikaden, die mit besondererSorgfalt aus Steinen, Balken und Eisenstäben aufgeschichtet worden.

Der Stadtbefehlshaber, Oberst Hofmann, hatte schon früh in den Straßenkleine Posten aufgestellt; allein sie wurden sogleich wieder eingezogen, als der östrei-chische General Nobili im Laufe des Morgens die Leitung der Truppen übernahm.Denn es war zu besorgen, jene Posten möchten in ihrer Vereinzelung entwaffnetoder auf die Seite deS Aufstandes hinübergerissen werden. So konnte der Barri-kadenbau ungehindert von statten gehen; er war vollendet, als die Sitzung desParlament- schloß.

Erstaunt fragten sich die Abgeordneten, warum diese Anstalten zum Straßen-kampfe nicht gleich in der Entstehung unterdrückt wurden; und ohne Zweifel hätteDa- geschehen können, wenn man in jenem Augenblicke die Zahl der Aufständischenund die Stimmung der Bürger so genau zu erkennen vermocht hätte, wie eS spä-terhin leicht war. Allein über Beides täuschte man sich damals. Man wußte nicht,wie Viele oder Wenige von den Tausenden auf der Pfingstweide in der Stadt ge-blieben; Niemand gab Auskunft, ob die erwarteten Zuzüge nicht schon zahlreich vorden Thoren angekommen. Die Gesinnung der frankfurter Bürgerwehr erschien min-desten- nicht günstig; denn nur Einzelne hatten sich aus den Ruf der Lärmtrommclgesammelt. Man konnte nicht entscheiden, ob die Wehrmänner deshalb zu Hausegeblieben, weil die Trommelschläger in die meisten Straßen nicht mehr gelangenkonnten und der Weg zu den Sammelplätzen nicht mehr frei war, oder ob sie eSgethan, weil sie an der Beschützung des Parlaments sich nicht betheiligen wollten.Man vermuthete sogar, sie würden sich den Aufständischen anschließen, weil manEinzelne in Stadtwehrtracht am Bau der Barrikaden helfen sah. Unter solchenUmstanden konnt« es nicht rathsam erscheinen, durch Entsendung in enge und ent-legene Gaffen die Truppen zu schwächen, denen der Schutz der Paulskirche alserste und hauptsächlichste Pflicht oblag, und welche jeden Augenblick die Wiederho-lung eine- schon versuchten Angriff- auf die Versammlung erwarten mußten.

Daher erhielten die Truppen Befehl, unter keiner Bedingung au- den Stellun-gen zu weichen, die sie zur Sicherung, hier des Parlaments, dort des Reich-mini-