Die deutsche Nationalversammlung. 331
steriums im Taxis'schen Palaste, eingenommen hatten. Gewehr im Arm mußtensie dem Bau der Barrikade in der Schnurgasse zuschauen. Daher der Vor-Wurf, der seitdem gegen Schmerling oft genug laut wurde: er habe absichtlich denAufstand erst eine gewisse Stärke gewinnen lassen, um dann zu dessen Unterdrückungeine größere Kraft zu entfalten und als Sieger über eine Revolution mit entschei-dender Bedeutung in die Geschicke Deutschlands einzugreifen. Was dieser Behaup-tung einige Wahrscheinlichkeit verlieh, war der Umstand, daß unter Denen, die dasVolk am heftigsten zum rasche» Kampfe stachelten, Solche waren, die bald nach demoffenen Ausbruch verschwanden, und die, allen Andern unbekannt, nachher für poli--etliche >Sendlinge galten. Allein Das konnte nicht weggeleugnet werden, daß derGedanke des Ausstandes im Kopfe demokratischer Führer entsprungen war und alledie vorbereitenden Anstalten keine Sache des Zufalls sein konnten.
Erst nach beendigter Sitzung wurden die Barrikaden angegriffen. Die Preu-ßen stürmten die in der Schnurgasse und die hochgelegene auf der Altgasse, imNordosten der Stadt, wo zwei Offiziere fielen; die Ostreicher griffen die Dönges-Sasse und die Allerheiligengasse an. Von Darmstadt waren mittelst der EisenbahnHülfttruppen gekommen; sie zogen das Mainufer hinauf bis an die alte Brücke,^°gen dann im Sturmschritt links nach der Fahrgasse um, und nahmen mit kühnemN^utho, nicht ohne Opfer, eine Reihe von Barrikaden hintereinander, bis sie, an der,*uzung der Allerheiligengasse anlangend, den Östreichern und Preußen die HandAchten. Die Kurhcssen, die an diesem Punkte die Constablerwgche besetzt hieltenund die man am Morgen besonders gegen die Preußen aufzuregen gesucht, hattenoem Triebe deS Kriegers mehr gefolgt und sich tapfer gegen den Aufstand gehalten.
Die drei Hauptbarrikaden waren bis gegen 5 Uhr Mittags noch nicht genom-wen. Hätten die Führer der Truppen die Ortlichkeiten besser gekannt, so mußte es'huen nicht schwer fallen, alle drei zu umgehen und vom Rücken her die Vcrtheidi-Ser zu fassen. Mein der Tapferkeit der Soldaten entsprach keineswegs eine ein-m "sch entschlossene Leitung; was auch immer die Schuld daran tragen
, . Ma» bedurfte der Geschütze, um Barrikaden einzunehmen, hinter denen sich
kaum e,n.ge Kämpfer zeigten.»)
Sck hatten Abgeordnete der Linken bei dem Reich-verweser und bei
tymerung Versuche gemacht, eine friedliche Ausgleichung herbeizuführen, und beiZenem dazu einige Bereitwilligkeit gefunden. Es ward Waffenruhe auf eine Stunde-"gestanden. Die Abgeordneten Boddien und Dectz mit Simon aus Trier brachtendie Kunde zu den Aufständischen, und diese sandten eine Abordnung an ErzherzogJohann. Allein Schmerling und Peucker lehnten jede Nachgiebigkeit um so bestimm-ter ab, als mittlerweile die aus Darmstadt herbeigerufenen reitenden Geschütze ange-langt waren.
... ..Noch wußte man nicht, ob der Aufstand durch eine versöhnliche Handlung ge-.sanfttgt werden könne, oder ob die äußerste Waffengewalt zur Anwendung kommennie n erfuhr, daß bereits draußen vor den Thoren ein entsetzliches Ereig-
Licknow«»» L*""' baß LichnowSky und Auerswald von Mörderhand gefallen seien.Landstraße Reichsverweser besuchen wollen, der auf der Bockenheimer
aeritten und ^°"""°^°hnung bezogen. Er war am Taxis'schen Palaste vorüber-schlossenbeit freundli^m- ^ der Straße dem Minister Schmerling ob seiner Ent-läßt ssck von Licknow«?^"* gesagt: da begegnet ihm der General Auerswald undlaßt sich von LichnowSky bereden, ein Pferd aus dem Marstalle Peucker's zu entleh.
sie ' düe Als sie vor das Eschenheimer Thor gelangten, erfuhren
wandten ^B^!?E?."bstraße durch umherstreifende Haufen unsicher sei) sieda an ? "7 Weg, der an das Friedberger Thor führt. - Von
an geht eine Heerstraße aufwärts, und theilt sich dann gabelförmig, indem der
Frankfurter Septemberereigniss- auch den Artikel „Staat und Stadt Frank->m fünften Bande der „Gegenwart", von S. 391—395. D. Red.