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Siebenter Band.
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Die deutsche Nationalversammlung.

Weg rechts nach Friedbcrg zieht, der zur Linken aber eine mit vorstädtischen Häusernbesetzte Straße bildet, die den Namen „An der eisernen Hand" trägt.

Beide ritten die Heerstraße hinauf bis zur Theilung des Wegs. Warumsie diese Richtung gewählt, und welche Absicht sie geleitet, ist unerforscht geblieben.Man hat behauptet, sie hätten sich von dem Herannahen würtembcrgischer Truppenüberzeugen wollen, die Tags zuvor durch Frankfurt nach der Elbe gezogen, und dieeben wieder eilfertig zurückberufen worden. Andere meinten, sie hätten die Gegenddurchforschen wollen, ob sie wirklich von Zuzügen aufständischer Haufen besetzt sei.Weder für Dies noch Jenes spricht eine größere Wahrscheinlichkeit.

In dieser Gegend war eine Schar Bewaffneter, die meist aus den nahen kur-hessischen Ortschaften gekommen, gerade um dieselbe Zeit umhergcstreist, und hattesich auf das Gerücht hin, es seien Preußen im Anzug, in die umliegenden Gärtenzerstreut. Von da aus erblickten diese Zuzügler die beiden Reiter, erkannten in demEinen derselben Lichnowsky, der sich durch seine keck herausfodcrnde Haltung inder Paulskirche am meisten verhaßt gemacht, gegen den hundert Zeitungsartikel getobt,und der durch unzählige Zerrbilder allgemein bekannt geworden. Sie greifen mitStöcken und Steinen die Reiter an, und einer der ersten Würfe trifft Aucrswaldam Arm und macht ihm eine sichere Leitung seines Pferdes unmöglich. Plötzlichfanden sich die Reiter getrennt. Lichnowsky, nachdem er den nächsten der Angreiferin den Graben der Landstraße gedrängt, reitet den Weg zur Rechten weiter hinauf,wo die Felder, frei und fernhin ausgebreitet, ihm den Blick aus zahlreiche Feindeeröffnen. Er schlägt mannichfachc Kreuz- und Querwegc ein, und trifft auf einemschmalen Gange, der sich zwischen Gartenwänden krümmt, wieder mit Aucrswaldzusammen, der an weitere Flucht zu Roß nicht mehr denken kann. Sie steigen ab,um sich in dem Gartenhause des Lehrers Schmidt zu verbergen. Lichnowsky hättesich wol in die Stadt retten können, wenn er es über sich gewann, seinen Gefährtenallein zu lassen; vielleicht hätte rasche Besonnenheit auch Beiden noch Hülfe ge-schafft. Aber Lichnowsky, der sich an diesem Tage unwohl fühlte, war zur unselig-sten Stunde nicht im Besitze seiner vollen Geistesgegenwart.

Die Hufspur der Pferde leitete die Verfolger nach dem Schmidt'schen Hause.Aucrswald ward auf dem Speicher gefunden, vor den Garten geschleppt, niederge-schlagen, erschossen, ohne daß die Mörder nur den Namen des Schlachtopfers wuß-ten; sein Verbrechen war, daß er in Begleitung Lichnowsky's gesehen worden. Zu-fällig war ein sittenloses Weib des Wegs gekommen, Zobel hieß sie, die sich in denSitzungen des Parlaments zum wüthenden Haß gegen die Mehrheit berauscht; siehatte den unglücklichen Mann mishandeln helfen und hatte zum Morde gerathenund gereizt.

Gleich daraus ward auch im Keller des Schmidt'schen Hauses der VersteckLichnowsky's aufgefunden. Man schleppte ihn hinaus auf die Haidc, die an derVorderseite jenes Hauses hin bis an den kaum fünf Minuten entfernten FleckenBornheim sich erstreckt. Ein dort wohnender Arzt, Namens Hodes, der dem to-benden Haufen begegnete, versuchte Lichnowsky durch die Vorstellung zu retten,daß eS am vortheilhaftesten sei, ihn als Geißel zu bewahren. Das leuchtet denMördern ein; sie führen ihn den Pappelgang hin, der von dem Hause an sich schräggegen Bornheim richtet. Aber einer aus der Schar will einen Fetzen von Lich-nowsky's Rock zum Andenken an diesen Tag; er zerrt an dem Kleide. Da wendetsich der unglückliche Fürst, und in der Meinung, man wolle ihm ans Leben, greifter nach dem Gewehr eines der gefährlichen Begleiter. Sogleich fallen Schüsse aufihn; er stürzt zum Tode verletzt, und am Fuße einer Pappel hingekauert, dasAuge nach den blauen Bergen des Taunus gewendet, verblutet er langsam undschmerzvoll. Die neunzehnte Pappel auf der linken Seite des Baumgangs war es,die ihm ein hartes Sterbekissen bot, und wochenlang sah man an ihren Wurzelndas Erdreich noch tiefblutig gefärbt.

Zwischen Tod und Leben ringend, ward Lichnowsky von preußischen Soldaten,