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Siebenter Band.
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Die Geologie auf ihrem gegenwärtigen Standpunkte.

Äls dunkle Mythe, innigst verbunden mit religiösen Traditionen, tritt die Geologiein ihrem Kindesalter auf. Ihrer ganzen Natur nach der Hypothese einen weitenSpielraum bietend, war sie dann Jahrhunderte lang nur aus Hypothesen gebaut,keine Wissenschaft, sondern ein Conglomerat von zum Theil sehr wunderlichen Mei-nungen. Durch Werner ward sie zur Wissenschaft, blieb aber lange noch gänzlichbeherrscht von der menschlichen Vorliebe für Systeme, obwol man die früher ver-nachlässigte Kenntniß von dem innern Bau der festen Erdkruste, die Geognosie, schonals ihre wahre Grundlage erkannte. Erst die neueste Zeit ließ die Irrthümer desblos konsequenten Systematisirens erkennen und die Geologie als einen Theil wahrerempirischer Naturforschung aus ihrer eigenen Geschichte hervorgehen. Sehen wir zu,wie sie in den letzten Jahrzehnden sich gestaltet hat.

Aus einer wunderbaren Vorwelt und dunkeln Unterwelt, in die man sich nurallzu lange und allzu sehr versenkt hatte, ist man wieder hervorgesticgen an die son-nenhelle Oberfläche und an die beobachtbare Gegenwart. Man hat erkannt, daß dieGegenwart nur eine Fortsetzung der Vorwelt, ihr Resultat, der Schlüssel ihrer Ge-heimnisse ist; daß sie ihre Räthsel lost, daß die Gesetze der Natur seit Anbeginn un-veränderlich dieselben geblieben sind. Daß man das erkannt hat, ist am meiste» ei»Verdienst Sir Charles Lycll's. Er war es, der zuerst die Spukgeister einer abge-sonderten Vorwelt aus den Köpfen der Geologen verscheuchte. Bei aller Anerkennungdieses großen Verdienstes dürfen wir jedoch nicht verschweigen, daß auch er in seinenConsequenzen weiter geht, als wir ihm folgen mögen.

Die einseitigen Lehren der Neptunisten wie die der Vulkanistcu sind verlassenworden. Man forscht überall den gegenwärtigen Änderungen der Erdoberfläche undihren Ursachen nach: diese sind mannichfaltige, obwol die Wirkungen des Wassers (dieneptunischen) und die der vulkanischen Thätigkeit jedenfalls als die hervorragendstenangesehen werden müssen. Außer ihnen wirken noch die Luft, das organische Lebenund mancherlei physikalische oder chemische Kräfte. Hat man auch noch lange nichtalle geologischen Erscheinungen erkannt, und noch viel weniger alles Näthselhafte indem Bau der festen Erdkruste gelöst, so ist doch ein sicherer Standpunkt für die Be-urtheilung gewonnen, ein Standpunkt für alle Zeiten, von dem Die, die ihn kennen,niemals weichen werden. Um die Leistungen der Neuzeit aus dem Gebiete der Geo-logie zu überblicken, wird es nöthig sein, dessen verschiedene Regionen nacheinanderzu durchwandern.

Äußere Formen der Erdoberfläche und Wirkungen des Wassers auf dieselben.

Wir wollen uus bei den äußern Formen der Erdoberfläche nicht lange aufhal-ten und nur bemerken, daß sie alle ihrer Entstehung nach erklärbar sind durch vul-kanische Hebungen, Senkungen und Aufschüttungen, durch die zerstörende und bil-dende Thätigkeit des Wassers, und durch die Wirkungen der Verwitterung, der Luft-strömungen oder deS organischen Lebens.

Ebenso wollen wir nicht lange verweilen bei den gegenwärtigen geologische".Wirkungen des Wassers: wir können sie in ihrer Allgemeinheit als bekannt voraus-sehen. Man weiß, daß das Wasser in seinem ewigen Kreisläufe von der Quellezum Meere, und vom Meere durch die Lüfte zur Quellt, einen steten Nivellirungs-proceß ausübt. Stets trägt es Theilchen für Theilchen, chemisch gelöst, als niecha*nische Trübung oder als rollendes Geschiebe von den Höhen nach der Tiefe. Und bleibtauch das Resultat dieses allgemeinen Nivellirungsprocesses in menschlichen Beobach-tungszeflräumen an jedem einzelnen Orte so klein, daß es nur ausnahmsweise deut-lich bemerkbar wird, so ist doch die Summe dieser Wirkung nothwendig eine fth^bedeutende, da Pr zu allen Zeiten ununterbrochen und an unzähligen Punkten der