Die Geologie. 335
Landoberfläche zugleich stattfindet. Sehr gering dagegen sind die Unebenheiten, welchedas Wasser in seinem Laufe durch Einschneiden von Flußbetten oder Thälern verursacht.
Wirkungen deß Wassers als Eis.
Auch da« Eis, sein Bilden, Bewegen und Vergehen ist als wichtig in dasGebiet der neuern Geologie hereingezogen worden. Man hat den Eisschichten imBoden Sibiriens und in den unzugängliche» Eisfeldern beider Pole einige Aufmerksam-keit zugewendet. Man hat die Treibeismassen beobachtet, welche von jenen großenEisgebieten losgerissen oder von bis zum Meere reichenden Gletschern in dieses hin-ausgestoßen, oft mit Schutt und mächtigen Felsblöcken beladen, durch Strömungenoder durch Winde in wärmere Regionen getrieben werden, wo sie aufthaucnd sichihrer Steinbürde entladen, die nun, weit von ihrem Ursprung entfernt, an den Ufernaber auf dem Boden des Meeres liegen bleibt. Man hat erkannt, daß dieser gegen-wärtige Vorgang auch jene erratische» Fclsblöcke erklärt, die man in der europäischenNiederung nordische Geschiebe nennt, weil sie aus Skandinavien und Finnland ab-stammen, und die sich ganz analog auf dem Festlande Nordamerikas wiederholen,wo Lycll aus dem langsamen Fortrücken des Niagarafalls berechnete, daß sie ihregegenwärtige Lage seit länger als 30000 Jahren eingenommen haben müssen. Mand?lt sich endlich aus diesen Thatsachen zu dem Schluß berechtigt, daß die frühern^.rdperiodcn, vor der sogenannten Diluvialzeit, frei von aller Eiswirkung geweseni^'En, da sich i„ keiner ältern Formation bis jetzt Spuren eines solchen Steintrans-ports durch EiS oder überhaupt Spuren von Eiswirkung gefunden haben. Diesermstand steht aber wieder in trefflichem Einklänge mit der aus sehr vielen Gründenwahrscheinliche Ansicht, daß die Erde in ihrer Totalität nach und nach immer kal-ker geworden ist. Die Vermuthung, daß die Eisbildung auf unserer Erde erst einerverhaltnißmäßig neuen Periode angehöre, wird auch durch den gänzlichen Mangelvon Spuren alter Glctscherwirkung, aus vordiluvialen Zeiten herrührend, bestätigt.
Die Gletscher, diese riesigen Eiszapfen an den Schneskächern der hohen Ge-beinak "euester Zeit ganz besonders sorgfältig beobachtet worden. Als Venetztiscken gezeigt hatte, daß die aus den Ccntralalpen herrührenden crra-
durck f-t'k ° Abhängen des Jura und an manchen Verbergen der Alpen
sein n * bwl größere Ausdehnung der Gletscher als Moräncnblöcke dahingetragen. - ^ "w» ein, daß die Erklärung, welche Saussurc von der unzweifel»
naslen Thalabwärtsbewegung dieser Eisströme (durch Gleiten auf geneigter Boden»flache) gegeben hatte, nicht ausreichend sei. Man suchte nun nach einer andernDeutung dieses Phänomens und Charpenticr glaubte es durch immer wiederholtesGefrieren von Wasser in den feinen sogenannten Haarspalten des Gletschereises er-klären zu können. Diese Hypothese ward von Agassiz, der den Unteraargletschermehre Jahre lang sehr genau beobachtete, weiter ausgebildet, dann aber in Folge^"bachteler Thatsachen von ihm selbst aufgegeben. Ungefähr gleichzeitig be-^aftigtc sich der schottische Physiker Forbes mit Untersuchung der Gletscher desauck"Aaa?s-^^ "nd durch ihn ist nun so ziemlich festgestellt, was später theilwcisedie Beweau„n">!' dw Gebrüder Schlagintweit aus Tirol bestätigt gefunden haben, daßder flüssiger ^"scher einem langsamen Fließen gleicht.*) Sie entspricht ganzBodenflache, sowie" abhängig ist von der Neigung und Gestalt der
Starrheit des Eises ru der Masse- Der Widerspruch, welcher m der
Durchdrunaensein des MleN.' dürfte seine Lösung finden in dem allseitigen
weiter» Svalten- es aleiebe^"^ von Wasser in unzähligen feinen oder einzelnend-s, w-L^ ' 'sL Vwe» Wissen' Grade dem Zustande nassen Tau-
eher ebenfalls aus wenig geneigtem Boden langsam abfließt.
^ ^ Artikel: „Die Gletscher, ihre Verbreitung und"Gegenwart", ^rer Struktur und Bewegung", im sechsten Landender