354 Die Geologie.
dere Entwickelung der Menschheit, für die Form und Verthcilung ihrer Ansiedelun-gen — eine Menge Ursachen können sich vereinigen oder durchkreuzen: aber er bildeteine nicht ganz unwichtige, und man kann wol behaupten, daß seine Besonderheitfast überall etwas mitwirkte. Auch das kleinste Dorf entsteht nicht ganz unabhän-gig von der Natur des Bodens an seinem bestimmten Örter Das Streben nach z
gleichmäßiger Verthcilung reicht selbst in den obersten Gegenden nicht allein hin, umden localen Anbau zu erklären. Irgend eine, wenn auch noch so unscheinbare Ur-sache besonderer Bodengestaltung wird allemal dabei mitwirken und gleichsam denspeciellsten Anstoß zur localen Krystallisation geben, sei eS nun eine Quelle, einBach, eine Flußmündung, ein sanfter Abhang, ein kleiner Felsvorsprung, ein Stein-bruch, ein trockener Untergrund, eine besonders fruchtbare nächste Umgebung, einLehm- oder Kalktufflager, oder sonst eine unscheinbare Ursache. Es würde kaum zulehrreichen Resultaten führen, wenn man in unzähligen Fällen alle diese kleinen undkleinsten Ursachen aufspüren, mit Sorgfalt verzeichnen, analysiren und classificirenwollte; aber gewiß nicht unwichtig ist es, durch einzelne hervorragende Beispiele denAnbau in seiner allgemeinen Abhängigkeit vom Bau des Bodens nachzuweisen.Doch es kann nicht unsere Absicht sein, diesen verhältnißmäßig neuen Gegenstandhier specieller zu besprechen.
Versteinerungen.
Noch bleibt uns nun ein sehr wichtiger Theil der Geologie übrig: es ist dasdie Entwickelungsgeschichte des organischen Lebens auf der Erde, die so innig ver-flochten ist mit den Umgestaltungen mechanischer, physikalischer und chemischer Natur,daß stets eine gegenseitige Beziehung erschlossen werden kann.
Schon den alten griechischen Naturbeobachtern war die Existenz fossiler Meeres- smuscheln auf dem Lande nicht ganz fremd, und sie hielten dieselben ganz einfach fürÜberreste früherer Meeresbedeckung. Später erkannte man, daß ihre Formen zumTheil sehr abweichen von denen der Thiere, die jetzt im Meere leben. Dazu lernte
man auch ähnliche Landgcschopfe abweichender Form, von Gestein umschlossen, kennen. !
Hierdurch kamen einige Gelehrte der letzten Jahrhunderte auf die Idee, es seien dies
bloße Naturspiele (Iu--us naturse), gleichsam mislungene Versuche der schöpferischen '
Kraft, Thiere und Pflanzen zu erzeugen, die aber nie wirklich zum Leben gekommenwären. Überhaupt aber wurden die Versteinerungen bis in den Anfang dieses Jahr-hunderts nur sehr wenig beachtet und mehr als Curiositäten wie als wirklich wich-tige Erscheinungen betrachtet. Die Erkenntniß, daß es wirklich Überreste von Orga- ^nismen sind, die früher unsere Erde bewohnt haben, aber ihrer Natur nach etwas landere Organismen als die gegenwärtigen: diese Erkenntniß führte zu der Idee einerauch organisch in sich abgeschlossenen sogenannten Vvrwclt vor Erschaffung des Men-.sehen und der jetzt existirenden Thiere und Pflanze». In dieser Vorwelt, meinteman, sei überhaupt Alles anders gewesen als gegenwärtig, und bei ihrer Deutungkümmerte man sich wenig um die jetzt wirkenden Naturgesetze. Ein englischer Civil-ingenicur, William Smith, war es, welcher am Ende des 18. Jahrhunderts zuersterkannte, daß diese Neste von untergegangenen Thier- und Pflanzenschöpfungen i» >den verschiedenen Eebirgsschichtcn keineswegs zufällig vertheilt sind, sondern daß ge'wisse Formen stets nur in bestimmten Schichten unabänderlich wiederkehren, und daßeine jede Species ihre feste Stellung behauptet, weshalb ihr Vorkommen in vcrschi*'denen Theilen von England zu Jdcntisicirung der Schichten, in welchen sie gesunde»werden, benutzt werden können. Diese Beobachtung wurde später durch unzählig*Thatsachen fast überall bestätigt, und hat den außerordentlichen Rang begründet, wel-chen die Versteinerungskundc gegenwärtig im Gebiete der Geognosie und Geologienimmt; denn sie ist dadurch nicht nur das beste und sicherste Hülfsmittel zur Be-stimmung des relativen Alters der Flöhformationcn, sondern auch die reichhaltigst*Quelle für die Entwickelungsgeschichte der klimatischen Verhältnisse und des orga>»'schen Lebens auf der Erde geworden.