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Siebenter Band.
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Das russische Staatsleben.

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deutsche» Grenzen enthalte. Diese Demonstration sollte beide deutsche Großstaatenzum russischen Bündniß treiben. Aber Preußen, welche« bereits mit England übereine europäische Coalition gegen Napoleon verhandelte, that keinen annähernden Schritt,und Östreich, welches die östreichische Kaiserwürde errichten wollte und sich darummit Napoleon nicht wol überwerfen konnte, glaubte sich bei einem etwaigen Kriegegesichert. Die südwcstdeutschen Fürsten endlich, in Napoleon ihre einzige Rettung er-blickend, sormulirtcn den Rheinbundsplan. Die Cvnstellationcn in Mitteleuropa hattensich also durch Rußlands eigene Schuld so ungünstig als möglich gestellt; gleichzeitigschien der Sieg des französischen Einflusses bei der Pforte kaum mehr auszuhalten.

Man weiß, was aus diesem Stande der Dinge hervorging. Ostreich versuchtedurch den (loup äv nmin von 1805 die abtrünnigen Gebiete des Reichs zu ostrei-chischen Provinzen zu machen; Preußen schwankte hin und her, ja ghig sogar aufden östreichischen Gedanken einer Zwcitheilung Deutschlands ein. Ostreich warddurch Rußlands zweifelhaftes Benehmen an den Rand des Verderbens gebracht,Preußen durch Alcxander's persönliche Bemühungen von einer Vereinigung mit Ost-reich zur Abwehr der französischen Vergewaltigung abgehalten und zu der verderbli-chen Occupation Hannovers getrieben, wahrend die Herstellung des Rheinbundesauch die letzte ideelle Gemeinsamkeit der deutschen Angelegenheiten vollends vernich-tete. Die Lossagung Östreichs von der deutschen Kaiserwürde und vom intendirtendeutschen Bunde mußte eine natürliche Folge sein, ebenso daß Preußen, welchesallein dem Anschlüsse an den Rheinbund widerstand, in eine demüthigende Abhän-gigkeit von der Übermacht herabsank. Wir wissen weiter, wie Preußen endlich, imentscheidenden Augenblicke abermals von Rußland verlassen, den Krieg von 1806ganz allein gegen Napoleon beginnen mußte, wie es durch russische VerheißungenVon einem günstigen Friedensschlüsse abgehalten, und wie es endlich auf dem Riemenvon Alexander thatsächlich preisgegeben wurde.

Der Tilsiter Friede ist in seinen Bedingungen wie in seinen Präccdcntien zucharakteristisch für den Charakter der auswärtigen russischen Politik, um nicht we-nigstens mit einigen Worten dabei zu verweilen. Man hat das Preisgeben Preu-ßens im Feldzugr von 1806 einfach für ein Geschchcnlassen der Sclbstvernichtung,die Erhaltung des Restes des Königreichs für einen persönlichen Frcundschaftserweisdes Zaren für Friedrich Wilhelm, für einen Act achtungsvoller Inkonsequenz oderkaiserlicher Privatmoral erklärt. Unsers Trachtens ist mit beiden Behauptungennichts erklärt. An einer gänzlichen Vernichtung Preußens konnte Rußland so langenichts gelegen sein, als ihm der Besitz ganz Polens nicht gesichert war. DiesesZugeständniß konnte vom siegreichen Nevolulionskaiser ebenso wenig erwartet wer-den, als die sturmgleiche Bewältigung Preußens, wie sie aus der Untüchtigkeit derpreußischen Generale hervorging. Was aber leitendes Motiv war, Das erhelltenach dem Tilsiter Frieden aus einer Äußerung Alexander'« gegen seinen Ministervon Budberg. Er sagte: ein von Frankreich zusammengepreßtes Preußen werde einbesserer und stärkerer Alliirter Rußlands sein als das Preußen von 1805. Diesmag unverständlich klingen, wenn man blos an die Allianz Preußens mit Rußlandden Westen denkt; es wird aber sofort verständlich, sowie mau sich Polensq """'«t. So lange Preuße» stark genug blieb, eine selbständige

Mitik zu verfolgen, mußte es sogar mit eigenen Verlusten die Ncst.tmrung cmesPolen eher zugestehen als die Wcnerausdehnung der russischen Herrschaft in dieserRichtung. Ja, es konnte selbst ein von Frankreich abhängiges Polen eher ertragen;denn wie sich auch die Dinge stellten, so blieb dieses inimerhin sein natürlicher Bun-desgenosse gegen Rußland, ein natürlicher Schutz des prekären preußischen Terri-toriums. Ein geschwächtes Preußen konnte hingegen Rußlands Ausgriffe nicht""yr hindern, mußte sich an Rußland gegen Frankreich lehnen. Ein gänzlichesVerschwinden Preußens endlich hätte Frankreich zum unmittelbaren Nachbar Ruß-lands gemacht und durch die Wucht seiner Macht Polen, Lithauen, die Ostseepro.wzen, die gesamniten Ufer der Ostsee wieder ebenso und noch weit mehr zu unhalt-