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Siebenter Band.
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390 Das russische Staatslebcn.

baren Besitzungen des russischen Reichs, wie sie es bis zum Tode Friedrich's 0. ge-Wesen waren. Preußen mußte also jedenfalls erhalten werden, allein eben nur einschwaches Preußen.

Diese von einer Vorschauenden Politik dictirtcn Berechnungen wurden indessennoch durch die bereits vorhandenen Thatsachen an einer andern Stelle bestärkt.Bevor Preußen den Feldzug von 1806 unternahm, hatte der französische GesandteSebastian, beim Divan den vollständigsten Sieg errungen. Dies fiel noch in die-selbe Zeit, wo die pariser Friedenskonferenzen Hoffnung gaben, daß Napoleon „einerErweiterung des russischen Gebiets in Polen keine Schwierigkeiten in den Weg legenwerde", fiel in die Zeit des Beginns des preußisch-französischen Kampfes. Darumalso versagte man Preußen die gewünschte Unterstützung; denn man hoffte die Ge-fälligkeit gegen Napoleon an dieser Stelle durch Nachgiebigkeit der französischen Po-litik auf dem viel wichtigern Punkte Konstantinopel ausgewogen zn sehe». Erst alsder Sieger rücksichtslos durch Preußen auf Polen losmarschirte und dem französischenHeere die polnische und lithauische Insurrektion entgegenjubelte — erkannte man sichbitter getäuscht. Und gleichermaßen, wie hier die Waffen, drangen in Konstantinopeldie französischen Diplomaten rücksichtslos und siegreich vor. Jetzt mußte Rußlandwählen, welcher Punkt ihm wichtiger. Es entschied sich für eine bloße Defensivein seinen Westprovinzcn, und ergriff die Offensive in der Türkei. Der lange gepflegteserbische Aufstand, Ägyptens und Arabiens Erhebung, die Bewegungen der alttürkischenBevölkerung in Numelien und Bulgarien, die Unabhängigkeitserklärung des Pascha vonMacedonien schienen hier die Sicherheit des vollständigen Siegs zu verheißen, währenddie europäischen Großmächte jetzt im Westen und Süden des Cvntinents zn beschäf-tigt waren, um der Pforte sofortige Hülfe zu bringen. Unter dem Eindrucke dessiegreichen russischen Einfalls in die Donaufürstenthümer (sogar die türkischen Rü-stungen folgten erst der durch den russischen Friedensbruch erzwungenen türkischenKriegserklärung) ward der Tilsiter Frieden abgeschlossen, Preußen in der gewünschtenSchwachheit und Unbedeutendheit erhalten, durch die Gewilmung des bialystokerKreises für Rußland eine dauernde Existenz des Herzogthums Warschau unmöglich igemacht, und die Theilung Mitteleuropas zu französisch-russischem Besitze vollendet. !

Unter dem Händedruck zwischen der absoluten Eroberungslust und dem ero- ^

bernden Absolutismus zersplitterte der letzte Rest des öffentlichen Rechts, der Hei-ligkeit eines Bündnisses, der Achtung vor dem Bestehenden. Rußland war damitan dem Ziele angelangt, wohin die Consequenz seiner Politik seit Katharina l>.drängte und die Wahllosigkeit hinsichtlich der Mittel ihrer Verfolgung führen mußte.Über jenen Dynastien, welche Rußland für das Princip der historischen Basis undder Unversehrtheit der SouveränctätSrechte zuerst zum Offensivkampfc selbst gegen dieberechtigte Reform des innern Staatslebcns getrieben, die es dann in einen Aufopfe-rungskampf für die Fiktion des europäischen Gleichgewichts gestürzt hatte, sraternisirtenun Rußland mit der radikalste» Revolution, weil sie ein allgemeines Militärregimcntverhieß, weil.sie alle Frage» des öffentlichen Lebens auf die Entscheidung der Bayo»-»ete setzte. Ostreich und Preußen erschienen jetzt noch als unregulirte Grenzbreitc»,auf denen etwaiger Nachbarzwist der Gewaltigen vollkommen rücksichtslos ausgefoch'ten werden konnte. Die Wahrheit des „europäischen Gleichgewichts" war jetztallerdings hergestellt; denn Europa war in zwei Hälften getheilt und Deutschland«xistirte nicht mehr. Preußen wie Östreich, konnten über die Bedeutung deS A"^drucks „gemeinschaftliches Interesse" nachdenken, womit sie seit etwa einem Jahrh"""dert in russischer Abhängigkeit erhalten worden waren.

Die beiden deutschen Großstaaten waren also jetzt dahin gebracht, sich h^widerwillig, halb furchtsam, der eine als Frankreichs, der andere als Rußlands V"'fall behandelt zu sehen. War nun eine feste Position der beiden europäischen He^'scherstaaten zueinander Rußlands Absicht? Oder hoffte es schon damals, auch d>eVerfügung über die Politik des französischen Reichs und somit die kontinentale A'leinherrschaft zu gewinnen? Anstatt weitausgeführter Erörterungen kann uns da