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Das russische Staatsleben.
das einzige Verbrechen begangen hatte, die frühere gegenfranzösische Allianz Rußlandsfür eine Wahrheit zu halten, und' die Ungeschicklichkeit, noch in demselben Momentsiegreiche Gefechte fortzuführen, als die beiden Monarchen auf dem Riemen Europabereits theilten. Derselbe Alexander ferner, welcher nur im Interesse der Wieder-herstellung des europäischen Föderativsystems handelte, blieb Jahre lang taub undblind gegen die Klagen Preußens über Nichterfüllung jener tilsiter Stipulation, wo-nach Frankreichs Truppen- das preußische Gebiet bis auf bestimmte Punkte sofortzu räumen hatten. Und warum? Weil die lchte Absicht der tilsiter Demüthi-gung, Preußens russische Abhängigkeit, nicht eintrat, vielmehr ihr Gegentheil: derSturz des Ministeriums zagender Schwäche und die nationale Reorganisation desHeeres durch Scharnhorst und Eneiscnau. Dieser innern Erstarkung hemmend ent-gegenzutreten, schien allerdings der Übcrmuth französischer Besatzungen, vereint mitdem materiellen Drucke auf die geistige Erhebung der Nation, vollkommen geeignet.Erst als Rußland befürchten mußte, durch eine gänzliche Vernachlässigung Preu-ßens den in der Türkei bedenklichen Zorn Englands herauszusodern — da ver-wendete es sich diplomatisch (und natürlich erfolglos) für Preußen bei Napoleon,dem man Hoffnung auf die Hand einer Großfürstin vorspiegelte. Dann folgte derErfurter Congreß, welchen der für das europäische Föderativsystem und die Glcichge-wichtsidee so sehr besorgte Zar dazu benutzte, um Finnlands ungestörten Besitz unddie Donaufürstenthümer sich zusprechen zu lassen — „ls ?>nl<mäs, I» Vulaolüs vt
la Lloläavis, connno taisant partio äs l'empirs äs Ku8sis", wie es im fünften ,
Artikel der erfurter Convention lautet. Denn jetzt schien die Zeit gekommen, den !
Napoleon'schen Antrag von Tjlsit nicht mehr zurückzuweisen. Alexander hatte seineReue über diesen ehemaligen Edelmuts, sogar schon im verflossenen Jahre dem Her-zog von Caulaincourt mit den Worten erklärt: „()ue Lonstantinopls »v soi-ait >,»»rla kussie gn'une vills äs prsvinos s I'sxlrvmits äs iempirs, hus I» gsograplunlui äonnait, tju'il eut la elsk äs I-> portv äs sa maison, gus 8i un aulro1'avait il ns 8srait p»8 maitrs cllsr lui." Allerdings erzwäng Alexander jetzt aucheinen Erlaß an der Contribution sowie die militärische Räumung Preußens. Aberselbst russische Lobrcdner sehen darin „lediglich nur Rüstungen Rußlands zu einemKriege gegen Frankreich; Rußland deckte sich seine Flanke» in Erfurt und gewannPreußen in der Fronte frei". Während aber Preußen auf solche Weise zum Bor-lande des kommenden Kriegs prädestinirt ward, verhieß Alexander den, französischenKaiser gleichzeitig seine Hülfe, wie gegen England, so gegen Östreich. Und trotz-dem äußerte der Zar Alexander auf demselben Erfurter Congressc, er habe diesAlles gethan, weil „die Zeit noch nicht reif zu offenem, erfolgreichem Widerstände,und nur eine scheinbare Nachgiebigkeit in der Gegenwart den Weg zu einer zahlen-den Zukunft bahnen könne". Diese Zukunft kam mit dem Kricge"von 1800.Östreich begann ihn und mußte ihn nach allem Bisherigen mit der Voraussetzungbeginnen, daß Rußland sich mindestens neutral verhalten werde. Dies schien auchwirklich zu geschehen. Doch als Regensburg gestürmt, die östreichische Hauptarmesnach Böhmen zurückgeworfen war, während Napoleon vor den Thoren Wiens stand,als es sich sonach nur noch um die Theilung der Beute handeln konnte, da plötzlicherklärte Rußland den Krieg. Allerdings waren die Bewegungen der russischen Trup-pen so schlecht, daß Napoleon deren Befehlshaber in Petersburg anklagte. Allei"das Verfahren Rußlands, welches später dahin gedeutet wurde, daß,Rußland „nichtals Freund und Allürter, sondern nur als nomineller Gegner für Östreich nützlich"habe sei,, können, war vornehmlich dadurch bedingt, daß Napoleon dem PolenPoniatowrki die Eroberung Galiziens, den Russen die Diversion durch die Karpatt"gegen Pesth zugetheilt hatte. Sie waren also von dem Kriegsschauplätze wcggs'drängt, an dessen dauernder Gewinnung dem Petersburger Cabinet gelegenmußte. Die Wirksamkeit dieser Ursache zeigte sich am deutlichsten bei den scho"'brunner Friedensvcrhandlungen. Denn als Östreich hier zur Erhaltung seiner deut-schen Provinzen auf die polnischen Besitzungen verzichten wollte, da widersprach