Das russische Staatsleben. 393
Rußland auf das lebhafteste. „Denn es blieb in den polnischen Verhältnissen daseigene russische Interesse zu wahren, und wie früher im Erwerbe des bialystokerKreises ein russischer Vorposten gegen (das Hcrzogthum) Warschau, mußte nun ebenein solcher durch den Erwerb des tarnopoler Kreises gegen Lembcrg vorgeschobenwerden" — erläutert das „ Centrale FöderativsystcmIndessen kennt man auchnoch einen Privatbrief Alexander's an Kutusow auS jener Zeit, welcher ganz offensagt: „l'oulos Iv8 olnmsre3 tle8 provi»L08 polon»i868, (Iölr,cküo8 üo uotrs ompiro,^i8paea>586nt; korüre 0k8 elio868 aotuel leur inet 6v8 Iioeno8 pour l'avonir erau lieu 6'une perle, la Ku88ie ätond 6e es edle 8on terriloire."
Nach solcher Behandlung durch Rußland mußte Ostreich endlich erkennen, daßFrankreich keineswegs sein ausschließlicher Fciud sei, vielmehr Rußlalid nicht minder.Preußen war noch eingerüstet, erst seit etwa einem Jahre von den französischen Bc-sahungen befreit; es lag waffenlos zwischen dem offenen Feinde und dem vielleichtnoch gefährlichern Freunde, welcher ihm die Entwickelung seiner innern Kräfte seitdem Tilsiter Frieden wie eine Herausfoderung deutete. Man mag sich darum auchnicht verwundern, daß daS Petersburger Cabinet die von Berlin empfangenen ver-traulichen Mittheilungen über Preußens Vorbereitungen zum Kampfe gegen Napo-leon wie absichtliche Täuschungen behandelte, obgleich es selbst auf dem Punkte stand,d>e bisherige Freundschaftspolilik gegen Napoleon in einen offenen Krieg zu verwan-deln. Der Grund jenes absichtlichen Mistraucns lag offenbar darin, daß Rußlandbesorgte, Preußen könnte nun nicht mehr mit vollster Rücksichtslosigkeit als Blach-feld einer russisch-französischen Kriegs benutzt werden, während Ostreich, an Napo-leon angelehnt, ebenfalls geschont werden müßte. Schon im Mai 18tl machtetrotzdem Preußen auf die Unmöglichkeit seiner Neutralität beim Ausbrcchen einesfranzösisch-russischen Kriegs aufmerksam. Die doppeldeutige Petersburger Antwortlautete: Alexander werde nur von einem Angriffe zum Kriege gebracht werden, dannaber könnten ihn die etwaigen Maßregeln anderer Staaten nicht an der Vertheidigungseines Rechts hindern. Im Jahre 1800 hatte bekanntlich Alexander dem Königebei,,jedem" Kriege gegen Preußen seine Hülfe angeboten, hatte sogargeschrwben: zwischen ihm und Friedrich Wilhelm III. könne „von Unterhandlungen
Dienend'e Rede" sein, es stehe russischcrseits „Alles" zu. ^ Rußlands „eigenes Interesse die Beschränkung der Übermacht Napo-
eon S federe", Alexander stelle dem Könige seine „ganze Armee, wie Geld zur Ver-jüng, wenn es nöthig sei". Dennoch hatte Rußland damals dem VerderbenPreußens Gewehr im Arm zugesehen und seine Unthätigkeic spater damit entschul-digt, daß der König nicht formell und zur rechten Zeit die Hülfsanträge angenom-men habe. Um nun ein abermaliges derartiges „Misvcrständniß" und einen aber-malige,, Tilsiter Frieden unmöglich zu machen, erklärte bereits im Juli 181t Herrdvn Knesebeck den Anschluß Preußens an Rußland. Der Kaiser gab jetzt die Ge-Lenversicherung: „Auf die erste Auffoderung des Königs werde er mit dem gan-Nan,"" vorgehen." Abermals solchen Worten vertrauend gab Preußen aufkategorische Alternative (Eintritt in den Rheinbund oder Schutz- undge„ j "dniß mit Frankreich) die ebenso entschiedene Antwort: Lieber mit dem De-kläruim ^ Hand sterben, als mit Unehrcn erliegen. Allein sowie diese KricgScr-eine Rwar, verstummte wiederum Rußlands hülfbcrcite Sprache, mahnteab ppersönlicher Zuschriften Alexander's den König von einer Schilderhebungnrr rtc endlich sogar der russische Gesandte zu Berlin: das Petersburger Cabi-persLnli^ Borwurf meiden, das Kriegsfeuer entzündet zu haben; ja selbst dieDie Erk i.V'"e Friedrich Wilhelm'« um eine Allianz bei Alexander blieb fruchtlos,ßens Lb-'t des Tilsiter Friedens und die Betheiligung Rußlands an Preu-tcn Pol, durch die „Erwerbung" des bialystoker Kreises im Jahre 1807 muß-sen m * Amaligcs Schicksal als die eigene unvermeidliche Zukunft erkennen las-bisherw °"den wiederum allein den Krieg begann. Die Forterbaltung seiner
»r» Neutralität war nicht mehr möglich, eine Vereinigung mit Ostreich noch