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Siebenter Band.
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Das russische Staatsleben.

nen Verheißungen ward durch die Punctationen des Aachener Congrefses unter Be-rufung auf die Heilige Allianz kurzweg zum Aufruhrversuch, zum Hochvcrrath.

Warum keiner der mächtigen Staaten dieser Doctrin entgegentrat? Wirhaben es hier nicht zu untersuchen. Was aber wollte Rußland, indem es dieKonsequenzen der Heiligen Allianz auf solche Höhe schraubte? War es sein ab-solutistisches Princip als solches, was ihm diese Handlungsweise dictirte? Wares sein Widerstreben gegen Englands gegentheilige Principien? Dies Alles nicht.Rußland fand vielmehr darin einfach ein Mittel, den Westen Europas fortwäh-rend mit sich selbst zu beschäftigen, einen Weg, um jeden Augenblick sich ein-mischen zu können oder auch, und dies vorzugsweise, Preußen und Ostreich einereactionäre Politik aufzunöthigen, sie als Wächter Frankreichs zu benutzen. Unter-dessen konnte es seine Plane gegen den skandinavischen Norden, gegen Polen unddie Türkei ungehindert verfolgen. Ja, schon in den ersten Jahren nach 1815 ge-lang es ihni, mit solcher Politik in Persien einen ungeheure» Vorsprung sogar vorEngland zu gewinnen und dasselbe seinen Planen im Orient eine Zeit lang dienst-pflichtig zu machen.

Wie wenig das absolutistische Princip als solches Rußlands leitendes Motivsei, bewies bereits die Verleihung der polnischen Cvnstitution von 1815. Damalswar allerdings der germanische Geist in Mitteleuropa noch lebhaft genug, um eineRückwirkung auf die russischen Westlande besorgen zu lassen. Dieser kam man zu-vor, wenn eine liberale Cvnstitution Polen scheinbar auf einen freiern politischenStandpunkt als alle Anlande und Nachbarstaaten stellte. Und Rußland zögerte kei-nen Augenblick mit der Anwendung dieses Mittels. Allein die seitdem bekannt ge-wordene Correspondcnz zwischen Alexander und Lord Castlereagh hat auch noch dc»genügenden Beweis dafür geführt, daß Rußland mit jener Verleihung nicht blosein Defensivmanoeuvre beabsichtigte, sondern vornehmlich die auf dem Wiener Con-greß unerreichte Gewinnung ganz Polens für spätere Zeiten vorzubereiten gedachte-Alexanders Briefe (Sept. 18l4) hüllen freilich diese Absicht in jene sentimentalpo-litischen und moralischen Phrasen, wie man sie bei ihm gewohnt war. Aber als siein diesem Tone auch von der Nothwendigkeit einer Sühnung der drei Theilungendurch Wiederherstellung eines Vaterlands für die Polen sprachen, replicirte der trockeneEngländer: „Wenn es die moralische Verpflichtung erheischt, daß die Lage der Po>len durch eine so entscheidende Maßregel, wie die Herstellung ihrer Monarchie, ver-bessert werde,-so mag dies in wirklich freisinniger Weise dadurch geschehen, daßman ihnen ihre wahrhafte Unabhängigkeit als Nation zurückgibt, anstatt daß zweiDritthcilc ihres Landes zu einer furchtbaren Waffe in der Hand einer einzige»Macht werden. Eine solche Maßregel würde von ganz Europa mit Jubel aufgc'nommcn werden, und Preußen wie Astreich, weit entfernt sich ihr zu widersetze»/würden bereitwillig darauf eingehen. Nach gewöhnlichem Staatscalcul wäre die§freilich für Rußland ein Opfer. Aber wenn auch Se. kaiserliche Majestät geneigtist, dieses Opfer Ihrem moralischen Gefühle auf Kosten des Reichs zu bringen, sthat sie doch kein moralisches Recht, dergleichen Versuche auf Kosten Ihrer Alliirtt»und Nachbarn anzustellen/' Später widerrieth Castlereagh sogar die Verleihungeiner Cvnstitution für das Königreich; sicherlich nicht ohne den Nebengedanken <»'die daraus hervorgehenden Nöthigungen für Östreich und Preußen, wenn er a»stnur auf „die politische Gährung" hindeutete, welche daraus möglicherweise in R»k'land entstehen könnte. Allein gerade desto eifriger betrieb man in Petersburg d»Werk. Der erhäschte Besitz Finnlands und die Gewinnung des Königreichs Po^'hielten Preußen bereits strategisch offen gegen Rußland, während Östreichs Lstliw^Vertheidigungslinir in die gefährliche Position zwischen die kirchlich von Nußla,'^abhängigen Südslaweu und die militärisch zur Verfügung stehenden Ostslawen "»'geklemmt ward. Krakau, die Gräberstadt der Piastcn, mußte als Republik e",natürlicher Mittelpunkt der nationalen Resurrectionsprojccte bleiben. Diese gcw»"nen neue Hoffnungen, als Rußland dem Königreiche eine constitutionellc Abft»