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Das russische Staatslcben.
derung vom russischen Reiche zugestand. Preußen mußte also eine ähnliche rela-tive Selbständigkeit für Posen gewähren, wenn dieses nicht ein fortwährend thätigerNevolutionövulkan bleiben sollte, mußte also gerade an den strategisch offenen Eren-jen seine politische Staat-einheit lockern. Galizien aber, den West- und südslawischenEinflüssen zugänglich, gleichsam der östreichische Observationspunkt gegen die kra-kauer Republik, wurde voraussichtlich zum Tummelplatz der polnischen National-Propaganda. Die Folgezeit hat bewiesen, wie richtig Rußland berechnete; Posenzeigte sich als eine wunde Stelle Preußens, Galizien als die Östreichs. Selbstdie Zutheilung Krakaus an Östreich (1846) mußte unter den allgemein europäi-ichen und polnisch, slawischen Verhältnissen als Danaergeschenk betrachtet werden,welches auf den Plan einer zukünftigen Gewinnung ganz Polens für Rußlandhinarbeitete. Im Jahre 1848 waren sogar Rußlands Aufstellungen an der pol-"ischen Grenze so zweifelhafter Natur, daß auch der feinste Politiker nicht §u er-kennen vermochte, ob sie eine Lvsreißung Polens von Preußen und Ostreich begün-stige» oder wirklich nur einen Cordon gegen das Übergreifen des Ncvolutionsfeuers"ach Nussisch-Polen ziehen sollten. Dies wird noch zweifelhafter, wenn man sichdes damaligen Verhaltens des Petersburger Cabinets gegen die slawische Revolutionüberhaupt erinnert. Mag nun dasselbe auch seitdem durch den Charakter der slawi-schen Bewegung einigermaßen von panslawischen Gelüsten abgekühlt worden sein —daß an ein Begnügen mit dem jetzigen polnischen Territorium gedacht werde, dafürist selbst die gegenwärtige Verwandelung Polens in ein russisches Gouvernement durch-aus kein Beweis. Alle Schriften, welche von Zeit zu Zeit in russischem Interesseins Publicum geschleudert werden, bezeugen vielmehr das Gegentheil. Und bekannt-lich ist die heutige Stimmung der Polen einer nationalen Vereinigung ganz PolenSunter dem Scepter einer russischen Secundogenitur außerordentlich günstig. In dieserWeise wird Rußland allerdings schwerlich auf ihre Wünsche eingehen. Aber jeden-falls hat der Pentarchist vollkommen wahr gesprochen, wenn er sagt: „Rußlandzeigte, nachdem 20 Jahre hindurch alle politischen Verhältnisse durcheinandergewirrt,zerrissen, unnatürlich wieder verbunden und ganz Europa durch Krieg verheert wor-den war, auf dem Wiener Congreß, daß es sein wahres Interesse in den polnischenZuständen noch ebenso wol erkenne als in früherer Zeit, daß jene Berechnung (beider dritten Theilung: Eintausch von Länderbreitcn für die militärische Oderlinie undden Karpatenwall) seiner Hähern Politik nie genügt und es nunmehr seine Ausgabestt, eine Aufgabe, welche auch einen neuen Kampf mit seinen bisherigen Alliirtennicht scheuen dürfe, Polens Theilungen „zu revindiciren."
Die Bedrohung und Gefährdung Östreichs wie Preußens in und durch Polenwar so alt als ihr polnischer Besitz. Die falsche Politik beider Staaten hatte Ruß-land an dieser Stelle fortwährend freies Spiel lassen und sogar dessen Politik zujener Zeit begünstigen müssen, als Polen eine französische Statthalterschaft wurde,vornehmlich dadurch sahen sich beide auch fortwährend in die Unmöglichkeit versetzt,den russischen Bewegungen auf jenem, Terrain zu begegnen, welches von den Vcr-ya missen in Polen abhängig war. Östreich hatte gar nicht daran denken können,Preulleu"m^^r diplomatisch um die Vorgänge in der Türkei zu kümmern,
den und genöthigt gewesen, die diplomatischen Einflüsse auf Schwe-
als unirucktbäre '"'d Rußland zu überlassen. Die ebenso unmotivirte
Dän mwk womit England zu Anfange des Jahrhunderts gegen
verfahren war, hatte den russischen Einflüssen m Kopenhagen um sorel«,^? gegeben. Die dänisch« Politik ward von da an, bis aus wenige ir-scklieen^> eine unbedingte Dienerin Petersburgs. Begegneten sich auch
» englischen und russische» Interessen feindlich in Bezug auf die Positionib.° Halbinsel zum europäischen Staatensystcm, so fanden sich doch
De 77 "^""ftspunkte ohne große Mühe. Denn die Arrangements ließen sich aufeulichiands Kosten treffen. England gewann die gewünschte Vergrößerung derDi-Gegenwart. VII. 2V