Das russische Staatölebeil.
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Während nun Europa ausschließlich mit sich selbst beschäftigt blieb, forderte Rußlandbesonders die innere Zerrüttung der Türkei. Es ließ allerdings die Besiegung derWahabiten geschehen, aber auch die der Pforte noch weit gefährlichere Unabhängig-seitserklärung ihres Überwindcrs, des Pascha von Ägypten. Gleichzeitig erhob beinaheim Herzen der europäischen Türkei der Pascha von Janina, sowie sein Sohn aufMorea die Fahne des Aufruhrs, Beide an die von Rußland begünstigte Hetäristen-bewegung angelehnt. Andererseits empörte sich das Alttürkenthum gegen den NizamDschedid, empörten sich die Rajah gegen die Hospvdare, wie früher gegen die Spahis.Und überall waren russische Hände im Spiel, russische Einflüsse bethciligt; sogar beider gleichzeitige» Kriegserklärung Persicns. . . . . .
Im Jahre 1815 schien der günstigste Moment, um diese Vortheile durch einenentscheidende» Schlag auszubeuten. Allein zu derselben Zeit ließ sich England in Pre-ssen irreführn, und so wäre es unklug gewesen, gerade jetzt dessen Aufmerksamkeit ausKonstantinopel zu richten. Auch bot die gewonnene Stellung Rußlands in Europanoch nicht jene volle Sicherheit, als wenige Jahre nachher. Die unübertrefflicheKunst des Petersburger Cabinets im Zuwarten bewährte sich auch hier. Denn aufdem Congreß von Verona gewann es, obgleich gegen Englands Einspruch und gegendas Princip der Heiligen Allianz, den Beschluß der europäischen Mächte zu absoluterNeutralität in der griechisch-türkischen Angelegenheit. Sowie dieser Beschluß errungenwar, trat Rußland dem Divan gleichsam als Mandatträger und Neprastntant dereuropäischen Kraft gegenüber; sein Botschafter gewann ebenso viel an Bedeutungin Konstantinopel, als die übrigen diplomatischen Agenten verloren. Auch war Stro-ganow der Einzige, dessen Worten eine militärische Grcnzaufstellung den gehörige»Nachdruck verlieh. Die Niedermetzelung der 50000 Griechen, die Hinrichtung desPatriarchen, die Verwüstungen Serbiens, die Beleidigungen gegen Stroganow schic-nen in der That eine europäische Kriegserklärung herauszufodern, der persisch-türkischeKrieg dagegen und die innern Unruhen einen leichten Sieg zu verheißen. Trotzdemzögerte Rußland mit der Kriegserklärung und erließ ein Ultimatum, eine Art vonVcrmittelungsvorschlag. Russische Schuhrcdner haben diese Mäßigung über die Ma-ßen gepriesen. Aber was war ihr Grund? Wies die Pforte das Ultimatum ab,so erklärte Rußland als Mandatar der Heiligen Allianz den Krieg und konnte unterdiesem Schilde ungehindert bis Konstantinopel vordringen. Nahm die Pforte dieVermittelungsvorschläge an, so erkannte sie factisch Rußlands Recht auf ein Protec-torat über ihre christlichen Unterthanen, auf eine Nichterstellung zwischen ihr unddiesen an.,, Man weiß, daß die Pforte das Ultimatum annahm. Seitdem stand dierussische Übermacht in der Türkei fest, so viele Metamorphosen auch die orientalischeFrage durchlief. Und England und Frankreich mochten nun erwägen, warum Ruß-land die pyrenäische Frage ihrer Zeit so eifrig geschürt hatte. Sie war eben auchnur eines der vielen Mittel gewesen, womit die Blicke Westeuropas vom eigentlichenJnterestcnpunkte Rußlands abgelenkt worden waren.
Die Zeit des CongresseS von Verona bezeichnet den Culminativuspunkt derrussischen Allgewalt in Europa. Die Principien der Heiligen Allianz grünten nochin frischer Kraft mit allen Cvnseauenzen des Aachener Kongresses; die Völker warenvx>, »er heißen Arbeit, an deren Erfolgen sie sich nicht erfreuen konnten,w waren in jeder Hinsicht zu der conkrercvol.uionaren Politik
Rußlands genöthigt, weil sie Rücksicht der unerfüllten Erwartungen der Volkerfürchteten, daß die Revolution allenthalben fortglühc und jeder Ausbruch derselbenvon einem allgemeinen Kriege gefolgt sein müsse. In ihren Besitzungen am Rheinund in Italien auf Wache gestellt, mußten sie, und nicht minder die Bourboncnrc-gierung st, Frankreich, jede leiseste Regung des National- und Oppositionsgeistes brechen.Es galt als Dogma, daß das romanische Princip mit dem Geiste der alten Revolutionidentisch sei. Diese Unsicherheit Mitteleuropas, weit mehr eine Einbildung, als eineberechtigte Wahrheit, gab Rußland so leichtes Spiel aus dem Congreß von Verona.
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