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Das russische Staatsleben.
panslawischen Sinne wirkte. Doch hütete man sich sehr wol, hier eine ebenso un-mittelbare Agitation wie bei den südslawischen und slaworomanischen Stämmen spie-len zu lassen. Man scheute die Nnzung Östreichs und Preußens, und hielt sie nichtfür nöthig, Denn kamen jene Stämme irgendwo und irgendwie zu einer Bewe-gung, so mußten die Westslawcn ganz von selbst der Ccntripetalkraft folgen, welchenach dem slawischen Macht- und Mittelpunkte, nach Rußland hindrängte.
Solche Agitationen, wie wir sie seit dem Beginne der dreißiger Jahre theilsdirect von Rußland ausgehen, theils unter seiner Guthcißung betreiben sahen, wür-den nicht unwahrscheinlich von nachhaltigerm Erfolge geworden sein, wenn nichtEngland mit gleichem Eifer und gleicher Konsequenz, nur minder gewissenlos, ihnennamentlich in den Cabineten begegnet wäre. Bald ließ sich auch eine wesentlicheErkältung der östreichischen und preußischen Cabincte gegen das Petersburger nichtverkennen, obgleich ebenso bekannt ist, wie in dem Negierungssystcme beider Staatendas streng absolutistische Princip um so' mehr an Kraft gewann, je mehr sich inDeutschland die geistigen Konsequenzen der materiellen Jnteressenveriinigung durchden Zollverein, der gegenseitigen Annäherungen der deutsche» Stämme durch dieallmälig sich immer weiter ausdehnende» Eisenbahnen offenbarten. Und trotz Preu-ßens reactionärer Politik regte sich von neuem der Drang und Zug nach der Con-centration um diesen Mittelpunkt. Unter solchen Umständen nun gab Rußland denlang gehegten Groll gegen die neue Dynastie auf dem französischen Throne auf. Esbegann gleichzeitig die pyrenäischen Wirren im angeblich legitimistischen Sinne zu unter-stützen, es suchte nach neuen engern Verbindungen mit Ostreich, es regte in Kopen-hagen die Erbfolgesrage von neuem an. Gegen Preußen aber erhob sich jene Agi-tation des Ultralibcralismus Südwestdeutschlands und jene Feindseligkeit des Katho-licismus unter Ostreichs und Baierns Principat. Die Erklärung dafür liegt, wennauch nicht vollkommen, doch zum großen Theile darin, daß Preußen schon unter 'Friedrich Wilhelm III. durch die Vereinigung der lutherischen und calvinistischen Kirchedem Katholicismus eine wesentlich germanische Einheitskirche entgegenstellte, und daßdann Friedrich Wilhelm IV. den nationalen Einigungsgcdanken in der That zum Ban-ner Preußens machen zu wollen schien. Daß dieses Ziel (vor 1848),, nicht weitergefördert werden konnte, als es geschah, lag lediglich im Widerstreben Östreichs undBaierns. Russische Einflüsse an beiden Höfen mochten mitwirken, hauptsächlich be- !dingend waren sie indessen nicht. Rußland benutzte nur die günstige,, Verhältnisse, .welche in den falschen Positionen beider Staaten bereits vorlagen. Östreich mußte >nämlich bei jeder nationalen und politischen Erstarkung Deutschlands fürchten, daß ^ssin bisheriges Schaukelsystem nicht mehr zu erhalten sei. Baiern dagegen sah seineAufgabe überhaupt in einem Auseinanderhalten beider Großmächte: es dachte an dassüdwestdeutsche Principat, sowie an den erledigten Posten eines Schirmherr» des I
Katholicismus in Deutschland. j
Desto eifriger suchte dagegen Rußland, sich des Westens zu vergewissern. Jemehr Ludwig Philipp nach den Bahnen der bourbonischen Traditionen einlenkte, je ' ,mehr er im Inner» Frankreichs das constitutionelle Princip zur Illusion zu mache» !strebte, je mehr er durch Verbindungen mit dem belgischen und spanischen Königs' 1.Hause sich aus den Standpunkt des dynastischen Interesse stellte, desto lebhafter k
^wurden, trotz der syrischen Differenzen, die Petersburger Anregungen zur Erneuungder russisch-französischen Allianz. Allerdings war dieselbe zunächst gegen Englandgerichtet; aber sie mußte nothwendig auch auf Deutschland zurückwirken. Jedenfallsmußte sie wieder Mitteleuropa mit sich selbst beschäftigen und Rußlands SpielOrient freiern Raum verschaffen. Die bekannte Julideclaration von 1848 zähltezwar unter Rußlands Freundschaftsbezeigungen für Deutschland auch die Hülfbcreit-schaft zur Abwehr des französischen Nhcingclüstes von 1840 auf. Allein Rußlanddachte damals gar nichi an Rüstungen, sondern begegnete den ThicrS'schen Demon-strationen nur darum mik einigen Noten, weil eine deutsche Nationalerhebung drohte- ^Dagegen hatte eine Annäherung an Frankreich nach 1840 sehr viel für sich. Durch'