Das russische Staatsleben.
Truppenaushanfungen m Polen und jene wundersanien, schon oben berührten Greuz-aufstellungen. Wahrend gleichzeitig klar wurde, daß das Ausbrechen eines unga-nsch-östreichischen Kampfes nur noch eine Frage der Zeit sein konnte, zog dieArmee über den Pruth und setzte sich an der Donau fest. Denn bei einer solchenEventualität mußte Rußland seine unter dem Namen der Hospodarc und Groß-bojaren in den Fürstcnthümern geübte Herrschaft festhalten, um für alle Falle inUngarn gerüstet zu sein. Die leichte Bezwingung des walachischen Ausstandes gabgleichzeitig die gewünschte Gelegenheit, mit dem Divan anzubinden, um unter Be-nutzung der westlichen Wirren im Osten wieder vorzuschreiten. Aber England hatteklugerweise diesen Punkt nicht unbeobachtet gelassen, und verhinderte rechtzeitig denüberraschenden Versuch Rußlands. „
Allerdings wäre ein solches Wagniß gar nicht möglich gewesen, ^iin man zuPetersburg nicht bereits im Sommer 1848 die Mäßigung der deutschen Bewegungnchtig gewürdigt hätte. Einen augenblicklichen Angriff hatte man nicht zu befürch-ten, dies war klar. Mit dem vielbesprochenen Julimanisest versicherte man demnachvollkommenste Neutralität hinsichtlich der Staatsgestaltungen Deutschlands, und schloßgewissermaßen einen formulirten Waffenstillstand gen Westen, um sich dem Osten destoungestörter widmen zu können. Was man hier beabsichtigte, ward soeben erwähnt;bie Folgen des energischen Entgegentrctens von Seite Englands sind jedoch zu wich-tig, um nicht wenigstens angedeutet zu werden. Hätte Rußland 18ä8 die beabsich-tigte Festsetzung in. Konstankinopel erreicht, so wäre seine nachherige Politik für (odereigentlich gegen) Ostreich gar nicht nöthig geworden. Vielmehr wäre mit einemAusbrennenlassen des ungarischen Kriegs in sich selbst dem Zaren ein doppelter Vor-theil ohne Schwertstreich in die Hände gegeben gewesen: die Schwächung Östreichsund Ungarns. Eine ganz bedingungslose Bewältigung der Magyaren wäre nämlichvoraussichtlich ebenso wenig erfolgt als deren vollständiger Sieg, welcher für Rußlandallerdings sehr gefahrdrohend sein mußte, weil seine Rückwirkung aus Polen, dasLand bis zum Dnjepr und die dakoromanischcn Völker im Norden, sowie auf dieslawischen nn Süden der Donau nicht hätte ausbleiben können. Ein so vollstän-diger Sieg Ungarns war indessen keineswegs zu erwarten, möglich schien dagegenein Kampf bis zur beiderseitigen Erschöpfung, welcher zu einem Friedensschlüsse nö-thigen konnte, wodurch die Slawen dem Magyarismus abermals überliefert würden.Abermals in drückende Fesseln geschlagen, würde» diese nunmehr immer entschiedenerin Rußland ihre einzige Hoffnung gesehen haben. Die slawischen wie russischen Blät-ter erörterten auch bereits vielfach die Frage, was dann werden solle, wenn Ostreichseine Herrschaft in Ungarn nicht zu behaupten vermöge? Es wurde die allerdingssehr richtige Ansicht ausgesprochen, daß in Ungarn die südslawische und türkischeFrage zusammentreffen; es wurde ausgesprochen, daß jeder wirkliche Herrscher derTürkei naturnothwendig, zu seinem eigenen Schutze, nach dem Besitze Ungarns stre-ben müsse. Denn ohne diesen sind die Provinzen südwärts der Donau, fast bis andie Thore Konstantinopels, gar nicht zu halten. Hätte also Rußland Kvnstanlinvpelbesetzen und festhalten können, hätten sich Östreich und Ungarn durch einen längerew"«?^°sc»en Krieg erschöpft, so blieb UngarnS Erwerb zu russischem Besitze... einer von, Norden und Süden darauf drücken konnte) nur bis
scke ^rovim^er ^S«"h°it hinausgeschoben. Würde jedoch Ungarn jemals russi-sche Provinz oder selbst nur ein russisches Schutzland wie die Donaufurstenthumer,dann waren auch alle deutsche» Aussichieu auf Donauhandel und Verkehr mit Klein-asten für alle Zeiten gründlichst vernicht
wir diese Berechnungen fest' so erklären sie uns das Verhalten derrunden Politik gegen Ostreich Schrie sijr Schritt. Lange vor den» AusbrucheÖn ^ waren die Agitationen Englands in Ungarn so weit gediehen, daß
Östreich in, Falle eines russisch-englischen Conflicts in der Türkei nicht neutral blei-w"',w"^rn zu seiner eigenen Sicherung nur eine Offeiisidpolitik befolge» konnte;ußland dagegen hatte sich in den ungarischen Slawen für solche Eventualitäten