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Das russische Staatsleben.
einen Bündner gewonnen. Diese Stellungen blieben unverändert, mochte Östreichseine Macht über Ungaru gut oder übel behaupten. In Wie» dagegen irrte mansich indessen über das Sachverhältniß, indem man meinte: ein Nationalitatcnkricg i»Ungarn werde kein ungarisch-östreichischec Krieg sein. Die ganze Art der Verhand-lungen mit dem ungarischen Ministerium zeugt für diesen Irrthum und für denGlauben: die antimagyarische Bewegung der Südostslawen sei eine östreichische, die derWestslawen sogar eine habsburg-lothringische. Die russischen Agenten in den sla-wischen Landen hatten aber das Petersburger Cabjnct von, wahren Sachverhalteganz richtig unterrichtet, und dieses konnte folglich den gefährlichen Blickaustauschmit der sarmatischen Revolution ganz ruhig wagen, ehe noch die Dinge in Ungarnaufs äußerste kamen und ehe »och England in Konstantinopel gegnerisch auftrat.Überdies arbeitete Östreich den russischen Planen selbst in die Hände. Eben weiles sich über den Charakter der ungarischen Wirren täuschte, glaubte cS hier durchSteigerung seines magyarisch-slawischen Schaukelsystems die Bewegungen ausgleichenzu können, und gab sich daneben um so unbedingter der alten Ansicht hin, eineBeherrschung der Nationalitätsbestrebungen durch militärische Strenge sei der katego-rische Imperativ seiner Staatsexistenz. Rußland bestärkte es in dieser Ansicht; den»im Verfolg derselben ward Östreich im Osten waffenlos und Ungarn in jedem.Falleder russischen (bereitstehenden) Waffengewalt anheimgestellt. Da brach der ungarischeKrieg aus. Die räthselhafte Stellung der Serben und Kroaten im Beginne desselbenist bekannt; ebenso die Stellung der polnischen Emigration zu dem wiener Octobcr-aufstande. *) Wie weit dabei russische Einflüsse im Spiele waren, läßt sich aller-dings nicht nachweisen; aber der Gedanke an ihre Mitwirkung liegt gewiß nicht fcr>nRußland hatte in diesem Augenblicke keinen strategisch festen Punkt in de»Donaufürstenthümern. Es ließ Östreich ununterstützt, und nöthigte dasselbe sogarzur osficiellen Desavouirung des Hülfsgesuchs zur Intervention in Siebenbürgen,durch dessen Gewähr Rußland eben jene strategische Position erlangte. Rußlandschien in der That den Plan konsequent verfolgen zu wollen, wonach der ungarischerings cernirte Kamps Östreichs und Ungarns äußerste Erschöpfung herbeiführen sollkc-Doch unterdessen hatte England in Konstantinopel den Gcgenkampf begonnen, reg"sich Weiß- und Südrußland, begann in Frankfurt die Ansicht Übergewicht zu g^'winnen, daß eine sofortige Unterstützung Östreichs gegen die Magyaren der erst^Bestätigungsact jenes staatsrechtlichen Verhältnisses werden müsse, welches da§Deutsche Reich dem östreichischen Gesammtstaate (auf Grund des Programms vo»Kleinster) geboten halte. In jenem Programm, wie in dieser Wendung der öffe'll'liehen Meinung Deutschlands lag eine gleich große Gefahr für Rußland, welch^jetzt durch England seine türkischen Plane vereitelt sah. Östreich schwankte, woss^es sich entscheiden sollte. Die diplomatischen Agenten des Zaren boten indessen "Olmütz die russische Hülfe unter der (seitdem bekannt gewordenen) Bedingung, tÖstreich die Märzverfassung wieder aufhebe. Die Schwarzenberg'sche Politik, zu>'^
in ihrer Stellung zu jener Märzverfassung, ging die Bedingung ein, und nahm
russische Hülfsanerbieten an. So „wurde an dieser Stelle für Rußland zunächst ^ungeheure Vortheil errungen, daß Östreich wieder in die frühere russische Beeinflusstseines Ostens verfiel. Ehe noch ein russischer Kanonenschuß fiel, war die Schwäch»!!,des östreichischen Ansehens in Konstantinopel, sowie bei den dakoromanischen und ssslawischen Völkern ersiegt. Die Aufregung der gesummten europäischen WeltÖstreich, weil es den europäischen Erbfeind sich zum Genossen im eigenengab, mußte nur um so mehr jede Auseinandersetzung dess deutsch-östreichischenrenzen hindern. Das Verhalten der russischen Offiziere gegen die Ungarn ge"^
*) Interessante Aufschlüsse darüber gibt das Werk „Bem in Wien" (St..Gallendie um so beherzigeniwerther, als sie dem Bewunderer Bem's gewissermaßen wideraus der Feder geflossen ^ sein scheinen. Die östreichische Demokratie mußte damals fürfür daS Slawenthum kämpfen, während sie unter dem schwarz-roth-goldenen Banner zken meinte!