Das russische Staatslebcn.
Rußland, wenigstens für den Augenblick, die Sympathien, welche unter den Magya-ren noch für Ostreich vorhanden waren. . .
Dieser Gang der russischen Politik hatte mehr einer Macht- als einer Princl-piensrage bis zu dem Momente gegolten, da die Aufhebung der Märzverfassung alsBedingung der russischen Hülfe gesodert wurde. Daß aber selbst diese Bedingungimmer wieder auf die Machtfrage hinausläuft, versteht sich von selbst. Dies gehörtindessen nicht in den Kreis unserer Betrachtung. Wir- habe» zunächst die Thatsache^stzuhalten, daß Rußland, nachdem die Benutzung der westlichen Wirren zum Vor-schreiten in Konstantinopel vereitelt war, durch die ungarische Intervention ^Ue frü-hern Bortheile seiner Position zum Osten Deutschlands, die Beemstussung Ostreichs,sowie die Möglichkeit der unmittelbaren Einmischung in die deutschen Lebensfragenwieder eroberte.
Aus dem Vorhergehenden erhellt zur Genüge, wie Rußlands Absichten nachdem Ausbruchc der europäischen Revolution ursprünglich und zunächst keineswegsauf eine Vergewaltigung Deutschlands gerichtet waren. Sie galten vielmehr Polenund der Türkei; es nahm die Vortheile über Ostreich gewissermaßen kaute cks m.euxund on attenäant. Aber freilich ist auch die deutsche Verfassungsfrage weit mehreine als eine Freiheitsfrage. Die Freiheit, welche die deutsche Erhebung
soderte, die Wahrheit eines constitutioncll-monarchischen Princips, würde Rußlandschwerlich große Sorgen machen, wenn sie nicht seit 1848 so ganz unlösbar nnt derNationalitätsfrage zusammenhinge. Solange jedoch der Widerstreit zwischen Ostreichund Preußen nicht gelöst ist, kann an eine Lösung der Nationalitätsfrage nicht ge-dacht werden; Südwestdeutschland ist die Klippe, woran die östreichisch-preußischeAuseinandersetzung scheitert. In dieser Beziehung mußte jedoch Preußen für Nuß-land »och weit bedenklicher sein als Östreich. Östreichs Revolutionen thaten unwi-derleglich kund, daß zwischen ihnen und den deutschen Bewegungen in der That nichtder leiseste organische Zusammenhang stattfand. Ebenso vag,,, wie der Begriff„schwarz-gelb", war auch die schwarz-roth-goldcne Begeisterung Ostreichs. Dies er-wies sich in der Volkspolitik ebenso gut als im Reichstage zu Wien und Krem-sier, als im allgemeinen Verhalten der Östreicher zu Frankfurt. Dagegen hatte diepreußische Revolution einen entschieden nationalen Charakter, und Deutschland jubeltePreußen als Kernpunkt der deutschen Zuknnftsmacht entgegen. Solange noch dieSturm- und Drangperiode währte, welche mit den Planen zur WiedereroberuugLothringens, Burgunds, des Elsaß, Hollands und der Ostseeprovinzc» dcbutirte —solange war selbst dieser nationale Aufschwung dem Petersburger Cabinet sehr unbe-denklich. Ebenso blieb es ihm stets die „großdcntsche" Begeisterung, selbst noch ehe sieVerhüllung ganz anderer Plane diente. Aber bedenklich im höchsten Grade erschienvon, ersten Augenblicke an jene unmittelbar nm Preußen geschart« Richtung, welcheden Spottnamen „kleindeutsch" erhielt, weil sie ein Deutschland ohne slawische undromanische Grenzbreiten wollte, ein außeröstrcichisches Deutschland. Gelang der"kühne Griff", so war ein unangreifbares Deutschland da, eine deutsche Macht.
"""" Rußland die Mittel und Wege verschlossen, mit welchen es bisher dieaufs hL^erhältniffe influirt hatte, und seine Stellung zu und in Dänemark war
be,'n^? ?""^'dä"i'sche Kampf war unmittelbar durch die kopenhagener Revollitiond A ^7' Bnndeskriegsverfassung, die einzige brauchbare Hmterlassmschaftsä h,^"'dEagsd°utschla„d, war -ine Schöpfung Preußens und bewahrte sich that-alle Ä« Dänemark dnrck Deutschland zur Nachgiebigkeit gezwungen, so hattengeleaentt^ Alands zur Erhaltung des dänischen G-sammtstaats cm Ende; an di-u genrucye Erwerbung des Sundes konnte dann nicht mehr, sonnt ebenso wenig
emc gänzliche Vchcrrschuua der Ostsee gedacht werden. Es kam also darauf an,tralitä>^ lmtcrstühcn, doch zunächst auf eine Weise, daß Rußlands Neu-
Au; bewahrt zu werden schien und trotzdem auch das Project einer skandinavischen
anz nicht zu Stand käme. Dänemark wendete sich nun um Hülfe an Rußland.