Die Chemie.
417
Die gegenwärtigen Verhältnisse Europas sind unter solchen Einflüssen an einemPunkte angekommen, wo jeder Schritt vorwärts ein Gcwaltschritt sein muß. Vor-nehmlich befindet sich Mitteleuropa in dieser Lage. Um einen solchen Gewalt-schritt ju verhindern, steht Europa gewaffnet, Gewehr im Arm. Denn jedeThat würde sich mit dem revolutionären oder mit dein nationalen Elemente verhütt-den müssen, um siegen zu können. Wer eine Waffencnkscheidnng herbeiführenmochte, würde eine Macht wecken, die er selbst nicht mehr bewältigen könnte. Ostreichuud Preußen hatten bereits ihre Heere gegeneinander gestellt, um die deutsche Herr-schaftssrage zu entscheiden. Aber i» jener Erkenntniß zogen sie dieselben wieder zu-rück. Dennoch konnten sie nicht entwaffnen. Zu gleicher Lage ist Nußland. Eskann keinen Krieg wollen, welcher jedenfalls das Nationalitätsprincip aus den Kampf-platz führe» würde. Es ist ebenfalls dazu vcrnrthcilt, Wache haltend dazustehen.Arm an Erfindungsgabe, dennoch einer Rechtfertigung für diesen auösaugenden Frie-den bedürftig, ward das alte Gespenst der revolutionären Propaganda von neuemcmporgezanbcrt. Aber dieser Verwand ist bereits seil 2st Jahren abgenützt undlauscht Niemanden, am wenigsten Jene, die ihn glauben machen möchten. EuropasVölker und Regierungen können jedoch den bewaffneten Frieden auf die Länge nichtaushalten, und die friedliche Waffenrüstung kann trotzdem nicht aufhören, solangeder mitteleuropäische Kern keine feste Gestalt gewann. Die deutsche Verfassungs-fragc ist eine allgemein europäische, mit welcher die polnische, ungarische, südsla-wische, italienische, ja gewissermaßen sogar die orientalische zusammenhängt. Bildetsich in Deutschland ein Kern, fest genug, Rußlands Einmischungen sich zu Wider-sehen, dann wird Englands Stellung eine andere: eö braucht Rußland und dessenmöglichen Dündner, Frankreich, nicht mehr so ängstlich, mit so ungeheure» Kostenzu überwachen. Eine kcrnhaftc Vereinigung Deutschlands macht dem unnatürlichenZustande des bewaffneten Friedens allmälig und sicher ein Ende. Sie ist aber un-möglich, wenn die polnische, ungarische, südslawische und italienische Frage von vorn-herein in den Constituirungsproceß gezogen wird. Der Eintritt Gesammtöstreichsin den Dentschen Bund würde den Bund zu einem europäischen Bundcslande machen, dessen Schicksale von Rechts wegen der Entscheidung europäischer Cvugresseanheimfielen. Dagegen ist Rußlands Stellung zu Europa nicht zu halten, sobaldein nationales Deutschland sich um einen kerndeutschen Mittelpunkt gruppirt. Undwenn die äußere Politik Rußlands unmöglich wird, werden es auch die bestehendenStaatscinrichtungen. Sie müssen andere Formen annehmen, sie müssen das despo-tische Sclbstherrscherthum von sich werfen.
Die Chemie auf ihrem gegenwärtigen Standpunkte.
Erste Abtheilung.*)
Die Chemie als Wissenschaft an sich.
So beruht die neuere Chemie hauptsächlich darauf, Das z»trennen, was die Natur vereinigt hatte, wir hoben die Syn-these dcrRatur auf, um sie in getrennten Elementen kennenZF zu lernen." Goethe.
schä°ftia^".?"sch'edenc„ Wissenschaften, deren Cultus den menschlichen Geist be-der Geaen^ ^ Chemie vorzugsweise der Pflegling, der Stolz und die Hoffnung- "cgenwar t. Jahrhunderte lang als Aushelfenn mr Dienste der verschiedensten
G°sichttvumU° ^"rst-llung über die Fortschritte der Chemie in unserer Zeit wird, nach dreiDa. _ 7 """cn, ,n drej Abtheilungen zerfallen. D»e erste hier vorliegende Abtheilung behan-
Gegenwart. Vll. " ° 27