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Die Chemie.
Richtungen, hat sie endlich ihre Selbständigkeit errungen; und mit dem vollen Be-wußtsein, sich selbst Zweck zu sein, ihre Fesseln zerbrechend, ist die Chemie plötzlichmit aller Glorie und Macht ausgetreten, welche eine jede wahre Wissenschaft erhe-bend und belebend um sich verbreitet.
Der Übergang aus dem Dienste zur Freiheit, aus der Dunkelheit verworrenerBegriffe und unvollkommen beobachteter Thatsachen zur sichern Methode, zum klarenund festbegründeten Gesetze — ist durch einige große Schritte im Verlaufe des jüng-sten halben Jahrhunderts so rasch und erfolgreich geschehen, daß die neuere Chemie,gleich einer Minerva, gewappnet dem Haupte Jupiter's entsprungen erscheint.
Dieses Hervortreten der neuen „Wissenschaft in die Reihe der längstbercchtigtenhatte selbst für Diejenigen etwas Überraschendes, die an dem Gcstaltungsprocessederselben sich betheiligten, oder mit der Chemie und den näher verwandten Wissen-schaften sich beschäftigten. Unverkennbar mußten die vereinigten Arbeiten am Endedes vorigen und zu Anfange dieses Jahrhunderts auf ein großes Ziel hinführen,dessen Nähe von den Zeitgenossen wol geahnt und vorausgesehen werden konnte, dasin seiner ganzen Bedeutung jedoch erst in späterer Zeit sich offenbarte, sodaß wirdie wissenschaftliche Chemie als ein Attribut der Gegenwart bezeichnen dürfen.
Fragen wir nur, um dies bestätigt zu finden, Diejenige», die vor 40 — 50,ja vor 25 — 50 Jahren dem Studium der Chemie sich widmeten, und vernehmenwir ihr Urtheil über die damals herrschenden theoretischen Ansichten und die daraufbegründete Unterrichtsmethode, namentlich in den wissenschaftlichen Lehrbüchern! Mitwelch bangem Gefühle ging damals der Lernende an diese Quellen der Chemie, diezwar von einem überwältigenden Neichthume unschätzbarer Thatsachen übersprudelten,durch deren verworrene Windungen jedoch vergeblich der leitende Faden gesuchtwurde. Ist nicht Jedem, der diese Periode durchlebte, Schuppe auf Schuppe vonden Augen gefallen durch den Glanz rasch aufeinanderfolgender Entdeckungen unddurch die Feststellung der großen Gesetze der Chemie, welche eine wunderbare Einheitpnd Nothwendigkeit in die buntgcwürfelte Mannichfaltigkcit des bisherigen chemischenWissens brachte»! Von solcher Wirkung ist aber das magische Band des Natur«gesetzes, daß, trotz einer ungeheuren Vermehrung der chemischen Thatsachen durch diezahllosen Arbeiten der neuern Zeit, dennoch leichter ei» klarer Überblick über dasvorhandene Material sich gewinnen und behaupten läßt, als dies damals möglich w«r-
Wenn nun schon für Diejenigen, die während dieser Zeit mit dem Studie»"der Chemie sich befaßt haben, eine ganz neue Ära aufgegangen ist, wenn sie siehim Verlaufe dieser Entwickelungsperiode der Wissenschaft mehrfach an eine ga"iveränderte Anschauungsweise der Erscheinungen, ja an eine neue Sprache und Aus'druckswcise gewöhnen mußten, so ist es begreiflich, daß für das ganze übrige Publ>'cum, welches außerhalb dieser Sphäre stand, das Hervortreten der Chemie in ihr^jetzigen Bedeutung das höchste Erstaunen hervorrufen mußte.
Es ist eben in der ganzen Einrichtung unserer gelehrten Schulen, in weichtdie gebildeten Stände unterrichtet werden, begründet, daß die Vermittelung der ^turwisscnschasten an das große Publicnm mit außerordentlichen Schwierigkeitenkämpfen hat. Wenn in jenen Schulen das Organ geweckt und gebildet wird,das ganze Bereich der historischen und philosophischen Wissenschaften zugänglich s»nachen, so wird dagegen, mit sehr geringen Ausnahmen, nirgends der Sinn a"Wschlössen für das Reich der Natur; und daher kommt es, daß der Naturforscher »alle Diejenigen, die nicht von selbst auf seinem Gebiete ihn aufsuchen, eine fte»'^unverständliche Sprache redet, daß ihm fast jeder Anknüpfungspunkt fehlt, daß
delt die feinte als Wissenschaft an sich, und entwickelt ihre wichtigsten Erscheinungen ^«Gesetze. Die zweite Abtheilung wird die Chemie in ihrem Verhältnisse zu den übrigen Mschaftcn erscheinen lassen, und ihren Einfluß nicht allein auf die Erfahrungswissenschaften,Medicin und Psychologie, auf Mineralogie und Geologie, Physik und Meteorologie, wauch auf die philosophischen Wissenschaften nachweisen. Die dritte Abtheilung endlich WBedeutung der Chemie für Kunst, Gewerbe und Ackerbau gewidmet sein.