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Siebenter Band.
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Die Chemie. 4lS

einen großen Aufwand nöthig hat, um nur die allgemeinsten Begriffe, Vorstellungenund Thatsachen zur Anschauung und Auffassung zu bringen.

Wenn diese Kluft zwischen den Pflegern der Naturwissenschaften und den Zeit-genossen einigermaßen sich ebnet, so verdanken wir dies keinem geringern Umstände,daß die ersten Genien der Wissenschaft mit plastischem Griffel in klaren undsrsten Umrissen die Grundlinien der Naturwissenschaft und die großen aus ihr gebo-renen Ideen dargelegt haben. Und nach der Regel, daß, „wenn die Könige bauen,so haben die Kärrner zu thun", stellten sich alsbald ganze Reihen von rüstigen Ar-bessern ein, welche bemüht waren, die von den großen Meistern zu Tage gefördertenGoldklumpen eifrig in die Scheidemünze des täglichen Verkehrs auszuprägen. Sehenwir auch in dieser Richtung manches Verfehlte zum Vorschein kommen, und entstehtauch mitunter die Besorgniß, in einer Flut von naturvermittelnden Werken begra-b°n zu werden: so haben diese Erzeugnisse doch ihre Berechtigung in dem Eifergefunden, mit welchem das Publicum nach denselben greift; und wenn diese Werkeauch in den Augen des Fachgelehrten eine untergeordnete Bedeutung haben, so be-friedigt Letztem doch das tröstende Dichterwerk: „Der Lernende wird immer dank-bar sein!"

Begriff der Chemie.

Es ist nach dem Vorhergehenden begreiflich, daß bei Denjenigen, die mit demStudium der Chemie selbst sich niche befaßten, nur sehr ungenaue Vorstellungenüber die Bedeutung der Begriffe Chemie und Chemiker herrschen mögen, und es seiuns erlaubt, in dieser Beziehung zwei Anekdoten anzuführen. Es wird erzählt, daßder Famulus des großen Schweden Berzelius, gefragt, was denn eigentlich die Che-mie wäre, die seinem Herrn so großen Ruhm erwerbe, die folgende Aufklärung gab:„Zuerst muß ich allerlei Materialien in großen Flaschen holen — dann werde» siein kleinere Gesäße gefüllt und aus diesen wieder in ganz kleine Gläser gegossen, dieendlich alle in einen Kübel geschüttet werden, den ich täglich hinaustrage und aus-leere — das ist die Chemie!" Liebig, als Knabe von einem Lehrer gefragt, waser einst werden wolle, antwortete: „Ein Chemiker." „Dummer Junge", fuhrihn Jener an, „das ist ja gar nichts!"

Dürfen wir auch bei unsern Lesern eine bessere Orientirung über die Bedeu-tung der Chemie voraussetzen, als sie in diesen Anekdoten sich kundgibt, so herrschtdoch in den Augen des PublicumS über kein naturwissenschaftliches Gebiet mehr Un-sicherheit als über Inhalt und Begrenzung des chemischen. Die Mehrheit kann denChemiker nicht von seinem alten Brotherrn, dem Apotheker, trennen, sodaß er mehroder weniger einen gewissen officincllcn Beigeschmack erhält. Andere stellen sich dieChemie nur in ihren technischen Beziehungen vor, und denken bei ihrem Namen so-gleich an hundert oder taufend erprobte Mittel und Mittclchen für und gegen alles

Mögliche. Ja, sehr vielfach verbindet sich mit der Vorstellung von, Chemiker noch

bsjS geheimnißvolle, kabbalistische Wesen der alten Goldmacherkunst, sodaß Scheide-"hstler und Schwarzkünstler in diesem Falle nahe verwandte Bezeichnungen sind.

>cht wenig trägt hierzu die Rolle bei, welche der Chemie in unserer schonen Lite-

wi^: namentlich durch Jean Paul, E. I. A. Hoffman» und neuerdings

n>^ ^ Jmmermann in seinem „Münchhansen", übertragen worden 'st, womehrfach der Chemiker in allerlei übernatürliche», geheimnißvolle» und abcnteucrsschcn-verhak,,,„„x, Umgebungen erscheint. So ein düsteres chemisches Laboratorium,"" -Usam gcstaltttn?Phi°len und Apparaten, mit seinen Dreifüßen und Schmelz-leicht durch Zusah von Salamander und Todtengebem den Anstrich°, r L'Nnküche, und ist dann ein gar vortrefflicher Schauplatz und Hintergrunk für^mische Fjg,,t. . . „ .

« -5ndcm wir nun im Begriffe sind, über die Chemie der Gegenwart mit einemgroßer,, Publicum uns zu unterhalten, erscheint vor allem eine Verständigung über