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Die Chemie.
die Bedeutung deS Gegenstandes nothwendig, und es leitet unö dieses auf eine Be-trachtung der Naturwissenschaften überhaupt und auf das gegenseitige Verhältnißderselben.
Es gibt nur eine Naturwissenschaft. Ihre Aufgabe ist das ganze Bereich dessinnlich Wahrnehmbaren, ihr Ziel die Aufsuchung des sich durch dasselbe offenbaren-den göttlichen Gedankens. Daß eine Annäherung an dieses erhabene Ziel möglichist, dafür sprechen manche von dem strebsamen Geiste bereits errungene Erfolge.Vergleichbar dem Thema, das durch alle Theile eines großen Tonwcrks hindurchzieht,sind Naturgesetze erkannt worden, die in der ganzen Mannichfaltigkeit der Naturer-scheinungen als maßgebend und bestimmend sich wiederfinden. Alle Einthcilung derNaturwissenschaft hat daher keinen andern Sinn und Zweck, als vorläufige Theilungder Arbeit. Es würde dem Einzelnen unmöglich sein, alle die bunt durcheinander-laufenden Fäden, aus welchen bas reiche Bild der Natur gewirkt ist, gleichzeitig zuverfolgen. Geht man aber um so sorgfältiger dem Einzelnen »ach, so trifft manfrüher oder später mit Denjenigen wieder zusammen, die eine ganz andere Richtungeingeschlagen hatten, und die jetzt gemeinschaftlich der Einheit des Ziels bei verschie-denen Wegen sich staunend erfreuen.
Dies hat ein Zweig der Naturwissenschaft, dessen Cultur ebenfalls vorzugs-weise der Gegenwart angehört, die Geologie, auf das überraschendste gezeigt, indemder Physiker, Chemiker, Zoolog und Botaniker dem Mineralogen freundschaftlich dieHand reichten und zur endlichen Lösung seiner Aufgabe, welche da ist die Gcstal-tungsgeschichte des Erdballs, erfolgreich mitwirkten. Ja, gerade von dieser Periodedes Zusammentreffens an erhielt erst die Geologie die volle Sicherheit und dieGrundlage, von der aus sie sich zur abschließenden allgemeinen Betrachtung crhe--1den konnte.
Die Theilung der Arbeit im Bereiche der Nakurwissenschaft geschieht, wie beiallen größer» Unternehmungen, nach dem Grundsätze, daß alles Gleichartige möglichstals ein besonderes Gebiet angebaut werde. Nur von diesem Gesichtspunkte der Ein-heit und des nothwendigen Zusammenhangs ausgehend, wird es leicht fallen, eineEintheilung und Begrenzung der Naturwissenschaften vorzunehmen. Jeder Versuchdagegen, dieses Ganze gleich einer Mosaik in scharf eingegrenzte Quadrate zerlegen z"wollen, würde bei allem Aufwande von Logik und Konsequenz eben doch nur bedeu-tungsloses Stückwerk liefern.
Der geschichtliche Verlauf zeigt auch, daß die Hauptzweige dieser Wissenschaftsich auf eine natürliche, der strengen Absonderung ganz unbewußte Weise gebildethaben. Die einfache Betrachtung der mannichfachen Gegenstände, die uns umgeben,ließ dieselben bald in leblose und belebte, und die letzter» wieder in solche unterschei-den, die freiwillige Bewegung haben oder derselben entbehre», und somit war derInhalt der Mineralogie, Zoologie und Botanik gegeben. Die Betrachtungsweisedieser Wissenschaften war so lange nur eine äußerliche, lediglich auf die Form ge-richtete, bis diese Richtung erschöpft war, und ein tieferes Eingehen den Gegenstandnach einer neuen- Seite verfolgte. Von diesem Augenblicke an beginnen auch nc>uWissenschaften aus den genannten sich zu entwickeln. Die Zergliederung der Thiereund Pflanzen, die Anatomie, mag noch der blos formalen Richtung zuzurech"^'sein; allein die Frage nach den Lcbenserscheinungen, nach dem wunderbaren Stoff-wechsel im Thier- und Pflanzenkörpcr läßt sich durch Messer und Lupe nicht >»elftbeantworten. Hier sammelte sich nun eine Fülle von Thatsachen als Inhalt einerneuen Wissenschaft, der Physiologie. , .
Auch der Mineralog hatte sich allmälig in der äußern Betrachtung seinesgenstandes erschöpft. Nachdem er die Krystallform, Härte und Dichte seines M>n^rals hinreichend kennen gelernt hatte, suchte er demselben neue Seiten des Char^,ters abzugewinnen — ^ prüfte sei» Verhalten gegen andere Stoffe. Allein stg^,zeigte es sich, daß hiermit die Mineralogie eine Grenze erreicht hatte, denn der ^genstand ihrer Untersuchung, dar Mineral verschwand unter den Händen des