Band 
Siebenter Band.
Seite
421
JPEG-Download
 

Die Chemie.

421

pcri'nieiitators. Ebenso wie das Blut und der Zellsaft der zerlegten Thiere undWanzen sich der zoologischen und botanischen Diagnose entziehen, ist ein geglühtesoder in Säure aufgelöstes Mineral nicht weiter mineralogisch bestimmbar. Wirsind hier abermals am Ausgangspunkte einer neuen Wissenschaft angekommen, näm-lich an dem der Chemie.

Einen viel allgemeinern Gesichtskreis eröffnete sich der Physiker, indem er sei-nen Blich nicht lediglich auf bestimmte Formen richtete, unter welchen die Materie

Mineral, Pflanze und Thier sich darstellt, sondern indem er diejenigen Erschei-nungen verfolgte, welche an der Materie überhaupt sich darstellen.

Das Auge des Physikers blieb daher nicht allein an der Erdscholle geheftet,^ erhob sich in den sie umgebenden Raum, aus welchem Myriaden von Welten zuuns herüberfunkeln und woher uns das wunderbare Licht und die wohlthuendeMarine strahlt. Schon die große Ausdehnung, in welcher die Erscheinungen demPhysiker sich darstellen, erklärt, wie er früh auf die mathematische Bestimmunggeführt werden mußte, und in der That finden wir von jeher die großen Mathema-tiker und Physiker in einer Person vereinigt.

Mit der strengen Consequcnz der mathematischen Methode verfolgt der Physiker«ne jede Erscheinung durch das ganze seiner Beobachtung zugängliche Gebiet.<lhni entgeht die Verzögerung des Lichts beim Durchgänge der Trabanten des Ju-piter ebenso wenig, als das bunte Farbenspiel, welches es im Flügel her kleinstenMucke hervorruft. Die Gesetze jener gegenseitigen Anziehung, welche Welten un-sichtbar anemandev kettet und auseinander hält, verfolgt er im Kreislauf der Pla*netcn, in der Bewegung des der Schleuder entfliehenden Steins, in der Curve desausfließcnden Wasserstrahls und im Aussteigen der Flüssigkeiten in den Haarröhrchen.Cr berechnet die vom ungeheuren Erdkörper ausgestrahlte Wärme und bestimmt denVerlust, welchen der Körper des Menschen, ja selbst eines kleinen Insekts durchAusstrahlung verliert.

Dieser allgemein kosmische Charakter der Physik unterscheidet ihr Gebiet leichtvon den Gebieten der früher genannten naturwissenschaftlichen Zweige.

" ^nmier Verfolgung der allgemein auftretenden Naturerscheinungen läßt^ "" zweifacher Verlauf derselben nachweisen. Bei einer ganzen Reiheje cn finden wir, daß die Gegenstände, an welchen Erscheinungen sich darstellen,weder im Verlaufe noch in Folge demselben irgend eine nachweisbare VeränderungMeiden. Aus Tausenden von Fällen möge» die folgenden dienen, um dies in auf-fallender Weise zu zeigen.

Wenn wir einen Gegenstand nacheinander durch Gläser von verschiedener Ge-nalt betrachten, so nehmen wir höchst wunderbar abweichende Erscheinungen wahr.Lehmen wir zu dem Versuche zuerst ein Fensterglas mit parallelen Flächen, so stelltGegenstand sich ebenso dar, als ob er mit bloßen Augen betrachtet werde,d a^Gen uns ein linsenförmiges Glas jenen Gegenstand näher und größer;ges ^nwftes G^s sieht man ihn ferner und kleiner; und endlich ein dreikanti-pracktt^», Prisma, läßt ihn sowol von seinem Orte verrückt, als auch mitliebig .Fcirbenrändern umgeben erscheinen. Diese Erscheinungen lassen sich be-öetracktlc "verholen, ahne daß wir an den Gläsern selbst, oder an dem durch sieden, » Gegenstände die mindeste Veränderung wahrnehmen. Ebenso können wirund k Liehen und der Glasscheibe Millionen elektrischer Funken entziehen, der Glocked'rsrn G Gelpfcife unzählige Töne entlocken, ohne eine bemcrkliche Veränderung anNi^uständen wahrzunehmen.

scheinuna "'"^er allgemein im Bereiche der Natur ist jedoch eine Reihe von Er-an welck-^'gemeinsames Merkmal gerade darin besteht, daß der Gegenstand,im Verb» r auftreten, eine so wesentliche Veränderung erleidet, daß er als solcherWas Ü Erscheinung gänzlich verschwindet,jedes Jak, der ungeheuren Anzahl thierischer und pflanzlicher Gebilde, die

hervorbringt? Sie verwesen, vermodern, vergehen! Was wird aus den