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Siebenter Band.
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422 Die Chemie.

Millionen Centnern von Holz und Kohle, die wir Jahr aus Jahr ein dem Herdeund Ofen übergeben? Sie werden von der Flamme verzehrt, und ein kleines Häuf-lein Asche ist Alles, was uns von dem kostbaren Material übrig bleibt.

Sehen wir blankes Eisen und Kupfer der Luft und der Feuchtigkeit auS, soüberdeckt alsbald ein brauner Nost das erste und ein grüner Überzug das zweite die-ser Metalle. So oft wir diese farbigen Schichten von den Metallen Hinwegnehmen,so oft bilden sie sich von neuem, bis endlich keine Spur von Eisen und Kupfermehr sichtbar ist.

Die Kreide, deren Eigenschaften wir als bekannt voraussetzen dürfen., wird alsMineral aus Brüchen gewonnen, wo sie seit Jahrtausenden unverändert gelagert seinmochte. Glühen wir ein Stückchen Kreide einige Zeit lang in lebhaftem Feuer, sohat es, nachdem es erkaltet ist, Eigenschaften angenommen, die eS als Kreide garnicht mehr erkennen lassen. Denn mit einigen Tropfen Wassers benetzt, bläht essich zischend auf, erhitzt sich und zerfällt augenblicklich zu einem weißen, mehlartigenPulver. Wir nennen dieses gelöschten oder ätzenden Kalk, denn es hat jetzt einenbeißenden Geschmack und zerstört Haut, Wolle und Farbe. Rührt man jedoch dengebrannten Kalk mit etwas Wasser zu Brei an und-seht diesen einige Tage der Luftaus, so erhärtet diese Masse und verliert zugleich ihre ätzende Eigenschaft vollständig,eine Erfahrung, die am Mörtel unserer Maurer leicht gemacht werden kann.

Wir könnten noch Hunderte von Beispielen anführen, wenn die gegebenen nichtbereits genügten, uni auf eine Reihe von Naturerscheinungen hinzuweisen, deren ge-meinschaftlicher Charakter die wesentliche Veränderung der Materie ist.

Wir bedienen uns des Ausdrucks „wesentliche Veränderung", um sie als che-mischen Proceß von manchen Erscheinungen zu trennen, bei welchen allerdings aucheine gewisse Veränderung an der Materie wahrzunehmen ist. Ein und' derselbe Zucker-syrup kann durch verschiedene Behandlungsweise sowol in der Form von Candis alsauch in der von Melis erhalten werden. Metalle werden beim Erhitzen rothglühendund weißglühend; Wasser wird durch Aufnahme von Wärme in einen luftförmi-gen Körper, nämlich in Dampf, und durch Wärmeentzichung in einen festen Kör-per, in EiS übergeführt. Sobald jedoch in den genannten Fälle» die ursprünglicheTemperatur wieder hergestellt wird, so erscheinen diese Gegenstände wieder unverän-dert mit ihren ursprünglichen Eigenschaften. Es wird hier nur vorübergehend derZustand der Materie geändert, nicht das Wesentliche derselben.

Fassen wir nun das im Vorhergehenden Entwickelte in den kürzesten Ausdruckzusammen, so erscheint die Chemie als die Wissenschaft derjenigen Naturerscheinun-gen, bei welchen eine wesentliche Veränderung der Gegenstände stattfindet, an de-nen die Erscheinungen wahrgenommen werden oder die zur Hervorbringung dersel-ben dienen.

Methode der Darstellung.

Indem wir er versuchen, die Chemie in ihren Grundjügen und wichtigsten Er-scheinungen darzustellen, entsteht die Frage, welche Methode hierfür als die zweckm»'ßigste sich bietet.

Die Naturwissenschaften sind ganz insbesondere auf die induktive Methode hi»'gewiesen, die beobachtend von Thatsache zu Thatsache fortschreitet, und so von selb"aus der Nothwendigkeit der Erscheinung das Gesetz und die Theorie entwickelt. ^dogmatische Methode dagegen gibt dem Lernenden sogleich den allgemeinen Ausdr»»der bereits festgestellten Erscheinungen, als Gesetz oder Theorie, und weist hinterherdie Begründung an den erfoderlichen Beispielen nach.

Wollten wir hier mit vollster Consequenz den Weg der Jnduction verfolge-stets vom Bekannten zum Unbekannten fortschreitend, so würden wir nur auf S*ßem Umwege den, Ziele näher kommen. Bei aller Sorgfalt würden doch so,.'Eselten Ausdrücke gebraucht werde», für welche der skeptische Schüler eine Erklär»verlangen dürste, sodaß Erklärungen in Erklärungen sich schachteln müßten, ^