Band 
Siebenter Band.
Seite
423
JPEG-Download
 

Die Chemie. 423

endlich am Zjxlc angekommen, würde der Faden verloren sein, der zum Ausgangs-punkte zurückführen soll.

Es ist eben ein Glück für Lehrer und Lernende jeder Art, daß der Schüler,wie wenig entwickelt er immer sei, doch bereits eine gewisse Anzahl von Vorstellun-gen und Begriffen mitbringt; und das Geschick des Lehrers hat sich darin zu zeigen,daß es die rechten Anknüpfungspunkte aufzufinden und zu benutzen weiß.

Wir werden im Verlaufe unserer Darstellung die beiden Methoden anwenden,wie es gerade für die Behandlung der einzelnen Theile am zweckmäßigsten erscheint,und verlangen dabei insofern Vertrauen in die Autorität des Vortragenden, daß ernur solche Gesetze und Grundsätze aufstellen werde, die durch die mühevollste» undgewissenhaftesten Forscher wiederholt dazu erhoben worden sind.

Einleitung.

Wir beginnen damit, zu zeigen, wie aus der allgemeinen Naturbetrachtung dieChemie als Wissenschaft hervorgehen mußte.

Materie wird das Naumerfüllendc, Undurchdringliche genannt, ohne Rücksichtaus Ausdehnung und weitere Eigenschaften. Ein Mohnkorn erfüllt einen gewissenRaum, es ist ein Theil der Materie. Die Erdkugel, die einen größer» Raum ein-nimmt, ist ein größerer Theil der Materie. Die Materie des Mondes nimmt einenfünfzig mal kleiner» Raum ein als die der Erde, während die Materie der Sonneausreichen würde zur Anfertigung von nahezu anderthalb Millionen von Erdbällen.

Irgend ein beliebiger Theil der Materie wird ein Körper oder ein Gegenstandgenannt. So sind die Himmelskörper einzelne Massen der Materie, die frei im^taume schweben, und wie außerordentlich die Größe derselbe» auch erscheinen magim unendlichen Weltraum sind sie gleich den wirbelnden Ständchen im Sonnen-strahle eines Zimmers.

Eine Grundcigcnschaft der Materie ist die von ihr ausgehende Anziehungskraft,welche Schwerkraft oder Gravitation genannt wird. Zwischen verschiedenen Massenvon Materie findet daher ein Verhältniß gegenseitiger Anziehung stakt. Die Erde

Mrkt in dieser Weise auf den Mond und nimmt ihn mit als Begleiter auf ihrem

ege um die Sonne, und der Mond seinerseits übt eine Anzichuug gegen die Erde,um die Wogen des Meeres zu gewissen Zeiten als Flut zu erheben.L»ese Gegenseitigkeit der von allen im Welträume zerstreuten Himmelskörper ausge-henden Anziehung ist der Grund, weshalb wir kein Zusammenballen aller Materiein Masse erwarten dürfen, denn wenn ein Körper von mehren Kräften nach ver-schiedenen Richtungen angezogen wird, so kann der Fall eintreten, daß die Wirkungdieser Kräfte sich gegenseitig aufhebt, und es folgt daher ein Zustand des Glcichgc-Wichts, der keinem Weltkörper gestattet, aus der ihm angewiesenen Bahn zu weichen.

Die von einem Körper ausgeübte Anziehung ist um so größer, je bedeutenderdir Masse desselben ist. Denken wir uns z. B. einen Gegenstand in der Mitte der

Entfernung von der Erde zum Monde zwischen beiden befindlich, so wirkt auf ihn

AEschzeitig die Anziehung dieser zwei Körper. Jener Gegenstand wird jedoch der«ine Kraft der Erde folgen, da diese als ein fünfzig mal größerer Körper

aenll viel mal stärkere Anziehung ausübt. Befände sich jedoch derselbe Ge-An-'*^ nur einen Erdhalbmesser weit von dem Monde entfernt, so würde dessenbet 2 überwiegen, weil in dieser größer» Entfernung die Schwerkraft der Erdekun geringer ist. Indem man sich von einer Masse entfernt, nimmt die Wir-

"'sie ab" 'hr ausgehenden Anziehungskraft in einem rasch steigenden Verhält-

hu«« ^"/Bewohner Erde sind durch die von ihrer Masse ausgehenden Anzie-Vers'b wst in ihr Bereich gebannt, daß gar keine Möglichkeit vorliegt, irgend einenfänd- '^"stellen, der nicht unter dem ganzen Einflüsse der Schwerkraft statt-kunw.'is '^„Fallen der nicht unterstützten Körper, die nach dem Erdmittelpunkte>t«be Richtig des Bleiloths, der Druck, den ein Körper auf seine Unter-