424 Die Chemie.
läge ausübt und den wir das Gewicht dieses Körpers nennen — alle diese tagtäg-lichcu Erscheinungen sind Offenbarungen der Schwerkraft. Dieselbe ist hierdurchein wichtiges Mittel zur Beurtheilung der Masse eines Körpers und jeder an der-selben etwa stattfindenden Zu- oder Abnahme. Die Wage ist das Instrument,durch welches wir diese Bestimmung der Quantität vornehmen; und als eins derersten und wichtigsten Grundgesetze ist hier auszusprechc», daß ein und derselbeKörper, unter übrigens gleichen Umständen, unabänderlich ein bestimmtes Gewichthat. So z. B. wiegt ein Kubikccntimeter Wasser, bei 4" gewogen, stets genauein Gramm.
Wenn man die Gewichte eines gleichen Naunünhalts verschiedener Körper ver-gleicht, so erhalt man höchst auffallende Unterschiede. Es ergibt sich, daß ein Kubik-ccntlmeter Schwefel 2 Gramm wiegt, und daß ebenso große Würfel Eisen 7 Gramm,von Blei ll Gramm, von Gold 19 Gramm wiegen, während andcrcrerseits einKubikcentimeter von Weingeist nur s/,» Gramm und von Lust gar uur /-7» Grammwiegt. Man schließt aus diesem verschiedenen eigenthümlichen oder specifischen Ge-wichte der Körper, daß ein und derselbe Raum durch sehr ungleiche Massen vonMaterie erfüllt sei» kann, daß es Körper von großer und geringer Dichte gibt.
Für den Chemiker ist die Berücksichtigung des Gewichts der Körper insofernvon größter Wichtigkeit, als eine jede chemische Erscheinung von Veränderungen imGewichte der dabei betheiligteu Körper begleitet ist.
Wenn ein Loth Eisen, der feuchten Luft ausgesetzt, nach einiger Zeit "durch unddurch als eine Masse von Nost erscheint, so beträgt deren Gewicht jetzt 1/- Loth.Wir schließen, daß im Verlauf dieser Erscheinung irgend eine Materie zu der deSEisens hinzugekommen sein muß. Wird dagegen, wie schon früher beschrieben wurde,ein Loth Kreide heftig geglüht, so wiegt das »ach dem Erkalten Bleibende nur nochetwas über ein halbes Loth. Es scheint hier also eine Materie entfernt worden zusein, und daß deren Abwesenheit zugleich der Grund der jetzt so gänzlich verändertenEigenschaften des gebrannten Kalks ist. Indem wir ein Loth Kohle verbrennen, wirdeine eigenthümliche Luftart, die Kohlensäure erhalten, deren Gewicht über drei Lothbeträgt.
Man sieht, daß hier sogleich Fragen von großer Bedeutung angeregt werden,nämlich bei Gewichtszunahmen des in Betrachtung genommen Stoffs drängt es unszu wissen, was ist das Hinzugetrctene, und woher kommt es? Bei Abnahme desGewichts verfolgen wir daS Ausgeschiedene, wir suchen zu erfahren, was es ist undwas aus demselben wird.
Die chemischen Erscheinungen sind nicht von jeher mit Bezugnahme auf dasGewicht der betheiligteu Körper beobachtet worden. Man wußte schon lange, daßEisen an der Luft in Nost übergeht, und daß man wieder Eisen erhält, wenn Nostmit Kohle zusammengeschmolzen wird. Allein daß im ersten Falle eine Zunahmeund im letzter» eine Gewichtsabnahme stattfindet, war lange gänzlich unberücksichtigtgeblieben. Erst von dem Augenblicke an, als diese Vorgänge mit der Wage beglei-tet, und hierdurch die Fragen über das Woher und Wohn, angeregt und erörtertwurden, näherte man sich der richtigen Erkenntniß dieser chemischen Erscheinungen.
Die Einführung der Wage war einer der oben erwähnten bedeutungsvolle»Schritte für die Entwickelung der wissenschaftlichen Chemie, und dieselbe ist seitdemdie höchste und wichtigste Instanz in den chemischen Untersuchungen geworden: derAusspruch ihrer Zunge gibt den Ausschlag in allen Processen. Von dem Au-genblicke an, wo die Chemie im Verfolge ihrer Laufbahn in das Zeichen der Wagtgetreten war, hatte sie den sichern Boden festbegründctcr Thatsachen erreicht, aufwelchem unbewußt eine Stimme aus dem Innern ihr zurufen mußte: „ ln >>oa8i8»o vinceg!"
So sehen wir Raumerfüllung, Undurchdringlichkeit und Schwere als allgemenwEigenschaft der Materie durch das ganze Weltall verbreitet. Fragen wir jedoch »achder nähern Beschaffenheit, nach der Qualität der Materie, aus welcher die Myria-