Band 
Siebenter Band.
Seite
431
JPEG-Download
 

Die Chemie.

431

Wenn man Wasser zum Sieden erhitzt, so verwandelt sich dasselbe in Dampf,der beim Erkalten sich wieder zu Wasser verdichtet. Allein ein ganz anderer Erfolgtritt ein, wenn der Wasscrdampf über ein glühendes Metall geleitet wird, etwa nachdem folgenden Verfahren.

Ein Loth reinen Wassers wird in ein passendes Glasgcfäß, etwa in ein kleinesNelörtchen gebracht, das luftdicht mit ciiier Glasröhre verbunden ist, »belche wage-recht in einem Ofen liegt, sodaß sie erhitzt werden kann. Diese Glasrohre enthälteine vor dem Versuche genau gewogene Menge von reinem Eisen, z. B. gewunde-nen Klavierdraht. Nachdem man die Glasröhre sammt dem Eisendrahte zu schwa-chem Nothglühen erhitzt hat, bringt man das in der Netorte befindliche Wasser zumSieden, sodaß die entstehenden Dämpfe ihren Weg durch die Glasröhre und überdas glühende Eisen nehmen müssen. Es wird alSvann kein Wasscrdampf aus derRöhre entweichen, sondern ein lnftförmigcr Körper, der, in einer geeigneten Vorrich-l"»g aufgefangen, gemessen und gewogen werden kann. Aus einem Lothe des zurAnalyse verwendeten Wassers erhält man ein Neuntel Loth dieses luftförmigen Kör-pers, welchem der Name WasscrstoffgaS ertheilt worden ist. Dieses Gas hat sehrcharakteristische Eigenschaften, indem es 14 mal leichter als gewöhnliche Luft, da-bei färb- und geruchlos ist, sich entzünden läßt und mit einer schwach leuchtende»,aber sehr heißen Flamme vollständig verbrennt. Wenn nach dem Erkalten dcS Ap-parats das Eisen aus der Glasröhre genommen und gewogen wird, so hat seinGewicht um acht Neuntel Loth zugenommen.

Wir schließen aus diesem Versuche, daß das Wasser kein einfacher Körper ist,baß in Berührung mit glühendem Eisen die Bestandtheile desselben sich trennen,daß einer dieser letzter», der ein Neuntel vom Gewichte des Wassers ausmacht, einleichtes, brennbares Gas ist, und daß endlich die Gewichtszunahme des Eisens ge-rade die übrigen acht Neuntel deS in Untersuchung genommenen Wassers beträgt.Mit dem Eise» muß sich daher Etwas vereinigt haben, was Bestandtheil des Was-sers war und acht Neuntel seines Gewichts ausmachte. Das Experiment läßt esjedoch unentschieden, ob das Eisen nur einen Stoff oder mehre Stoffe aufgenommenha. Die weitere Untersuchung muß sich jetzt auf das Wasserstoffgas und auf dieErgrundung des mit dem Eisen Vereinigten erstrecken.

.. wollen nur das erstere weiter verfolgen, und dabei als bereits festgestellt

mc Thatsache annehmen, daß die atmosphärische Luft ein Gemenge von zwei Luft-arten ist, welche Stickstoffgas und Sauerstoffgas genannt worden sind. Wenn nunbas nach oben beschriebener Weise durch Zerlegung des Wassers erhaltene Wasser-stoffgaS in vollkommen wasserfreier Luft angezündet und über die Flamme ein Trink-glas gehalten wird, so schlägt sich Wasser an dessen Wänden nieder. Gleichzeitignimmt während des Brennens die Menge des in der Luft enthaltenen Sauerstoff-wttwährend ab. Es läßt sich dieses Experiment so einrichten, daß alles dabei zumErschein kommende Wasser genau angesammelt und gewogen werden kann, und cSm'det sich alsdann, daß ein Neuntel Loth WasserstoffgaS, wenn cS verbrannt wird,daß^" wieder ei» Loth Wasser liefert. Wir haben nun allen Grund zu schließen,aus ^ie übrigen acht Neuntel von dem in Untersuchung genommenen Loth Wasserluftförmigen Körper, nämlich aus Saucrstoffgas bestehen.

S n fortgesetzte Untersuchungen haben dann gezeigt, daß WasscrstoffgaS und>->? "stoffgas einfache Stoffe sind, aus welchen keine weiter» Bestandtheile abgc-'cyleden werden können. Es ist also nach dem Vorhergehenden die Zusammengc-zerles," ^ Wassers nicht allein dadurch bewiesen, daß dasselbe in seine Bestandtheileherstellte""^' sondern auch, indem man es aus eben diesen Bestandtheilen wieder

Synthese.

theile M"hodc der Synthese, d. h. die Wiedervereinigung getrennter Bestand-^ - Swt nun dem von der Analyse erhaltenen Resultate die vollste und überzeu-