436 Die Chemie.
eben Gesagte, denn sie haben bis jetzt keinen erheblichen Ei'nflnß selbst auf die theo-retische Chemie geäußert. Auch haben wir nach Humboldt's wohlbcgründeter unddurch die Erfahrung vielfach bestätigter Ansicht von der Gleichmäßigkeit in der Con-struckion der Erdrinde nicht zu erwarten, daß Plötzlich irgendwo ein Gebirge odereine Grube aufgeschlossen werde, mit einer Fülle ganz neuer und ungeahnter Stoffe.Die Entdeckung des ungeheuren ContinentS von Amerika hat uns bis jetzt mit kei-nem einzigen Elemente bereichert, das nicht auch in der Alten Welt aufzufinden wäre.
Beschreibung der einfachen Stoffe.
Nachdem wir so über die chemischen Elemente einen allgemeinen Überblick ge-wonnen haben, wollen wir die wichtigsten derselben auch im Einzelnen etwas näherkennen lernen. Dabei wird dieselbe Reihenfolge und Abtheilung beibehalten, dieoben bei Aufzählung ihrer Namen gebraucht wurde, und da wir hier kein Lehrbuchder Chemie zu geben haben, so muß uns die geeignete Beschränkung gestattet sein-In der Regel wird die Jahreszahl angegeben, wann der in der Rede stehende ein-fache Stoff entdeckt oder als solcher erkannt worden ist, was jedoch bei denjenigen-sich nicht so genau angeben läßt, die, wie z. B. daS Gold und das Eisen, schon in>Alterthume bekannt waren, und deren elementare Natur sich erst später herausstellte.
Sauerstoff.
Der Sauerstoff, um das Jahr 1774 als einfacher Körper erkannt, ist einfärb- und geruchloses Gas und etwas dichter als atmosphärische Luft. Seine auf-fallendste Eigenschaft ist die ungemeine Lebhaftigkeit, mit welcher die brennbaren Kör-per in demselben verbrennen. Wird z. B. ein Holzspan, der nur ein wenig glimmt, ^in ein mit Sauerstoff gefülltes Glas gebracht, so entflammt er sich augenblicklich- !Durch das bereits erwähnte Vorkommen des Sauerstoffs in Luft, Wasser und Erdeist er der verbreitetste und zugleich der in größter Masse vorhandene aller einfache"Stoffe, und deshalb, sowie durch seine Fähigkeit, mit allen übrigen Stoffen sich äst' lmisch zu verbinden, das wichtigste Glied der ganzen Elemenkenreihe und wohlberech' ^tigt, an deren Spitze gestellt zn werden. Man pflegt in der That die einfache" !Stoffe durch ihr Verhalte» gegen den Sauerstoff zu charakterisiren und sie danach >einzutheilen. Seinen Namen erhielt er, weil mehre Verbindungen des Sauerstoffsmit den Metalloiden eine» sauren Geschmack haben und man ihn daher für ei"Säure bildendes Princip ansah. Allein es zeigte sich später, daß es auch Verbi"'düngen mit sehr sauren Eigenschaften gebe, die keinen Sauerstoff enthalten, daherdenn die Bezeichnung desselben keineswegs eine richtige ist. Sein lateinischer Nan'sOx^genium ist gleichbedeutend mit dem deutschen; oxydiren heißt daher so viel alsmit Sauerstoff vereinigen, und das Product der Verbindung eines einfachen Stoff- >mit Sauerstoff wird Oxyd genannt. Indem Eisen an der Luft rostet, verbindet r°sich mit Sauerstoff, oder wie der Chemiker sich kürzer ausdrückt: es oxydirt sich-
Der Act der chemischen Vereinigung des Sauerstoffs mit einem andern Stoß-ist stets von Wärmeentwickelung begleitet, und wenn größere Mengen eines Stoffsrasch oxydiren, so entsteht eine fühlbare Hitze: die in Verbindung begriffenen Stoffwerden glühend, kurz, es tritt diejenige Erscheinung ein, welche wir Feuer ne""s''Beim Verbrennen des Holzes verbinden sich einige Bestandtheile desselben mit bei" 'der Luft befindlichen Sauerstoff zu gasförmigen Verbindungen, daher eS den^.schein hat, als ob die Materie, die daS Holz bildete, gänzlich verschwinde.die Gegenwart von Sauerstoff ist folglich die Verbrennung unmöglich; wie r»w^auch die tägliche Erfahrung lehrt, daß ein Feuer erlischt, sobald wir den Zutrittsauerstoffhaltigen Lust abschließen. -,,e
Das Athnren der Menschen und Thiere ist ebenfalls ein Oxydationsproceß, s.Aufnahme von Sauerstoff aus der Lust. Mit jedem Athemzug wird derselbe» er'Sauerstoff entzogen, der im Körper sich mit gewissen kohlenstoffhaltigen Bestandtyedesselben verbindet, woher es kommt, daß die auSgeathmete Lust Kohlensäure en y