Die Chemie. 437
Auch durch diese im Körper vorgehende Oxydation wird eine gewisse Menge von Wärmeentwickelt, und das Athmen ist in Beziehung auf unsern Körper ein Erwärmungs-proceß. Luft, die keinen Sauerstoff enthält, kann das Athmen nicht unterhalten,daher in solcher bald der als Erstickung bezeichnete Tod eintritt.
Wasserstoff.
Der Wasserstoff, von dem bereits mehrfach die Rede war, ist seit 1766 ge-nauer bekannt geworden. Wir wissen, daß er ein färb- und geruchloses Gas, undganz besonders durch sein geringes specifisches Gewicht ausgezeichnet ist, da er 14mal weniger wiegt als ein gleiches Maß atmosphärischer Luft. Er ist in der Thatder leichteste aller bekannten Stoffe. Dieses Gas ist brennbar, und indem es dabeimit Sauerstoff sich verbindet, entsteht Wasser, als dessen Bestandtheil der Wasser-stoff seinen Namen erhielt. Wir haben hier ein weiteres Beispiel eines wenig ent-sprechend gewählten Namens für einen einfachen Stoff. Denn der Sauerstoff würdeauf diesen Grund hin weit passender die Bezeichnung „Wasserstoff" erhalten können,da er acht Neuntel vorn Wasser ausmacht. Der Name „Leichtstoff" wäre z. B.U>cl bezeichnender für den Wasserstoff gewesen. Allein man hütet sich möglichst, inds» Erfahrungswisscnschaften neue Namen einzuführen, selbst wenn sie an sich Vor-ige haben, weil sonst leicht eine heillose Verwirrung entstehen würde. Wegen seinergroßen Leichtigkeit wurde das Wasscrstoffgas früher zum Füllen der Luftbälle ange-Wendet, wozu man jetzt daS Steinkohlciigas wohlfeiler und bequemer zu Gebote hat.Über die Verbindungen des Wasserstoffs mit andern Stoffen ist zu bemerken, daßeine Reihe derselben saure Eigenschaften hat, daß seine Verbindungen mit dem Koh-lenstoff theils brennbare Gase, theils flüchtige Öle bilden, und daß er nur mit cini-gcn wenigen der Metalle sich verbindet. *
Stickstoff.
Der Stickstoff, den man seit 1772 kennt, theilt mit den vorhergehende» dieEigenschaften des gasförmigen Zustandes, der Färb- und Geruchlosigkeit. Auchstimmen diese drei Gase darin übcrcin, daß sie auf keine Weise in den flüssigen Zu-stand übergeführt werden können, was bei den übrigen gasförmigen Stoffen durchstarkes Zusammendrücken und Erkalten derselben zu bewirken gelungen ist. Manhat daher den Sauerstoff, Wasserstoff und Stickstoff als die Gruppe der beständigelastischen Gase bezeichnet.
Wie früher erwähnt wurde, ist die Atmosphäre ein Gemenge von vier FünftelnStickstoffgas mit einem Fünftel Sauerstoff. Wenn man deshalb aus Luft, die in einerFlasche oder Glasglocke abgesperrt sich befindet, den Sauerstoff entfernt, indem manein Stückchen Phosphor darin verbrennt, so bleibt Stickstoff übrig. Es erhielt seinenName», weil in diesem Gase weder ein Thier athmen, noch ein Feuer brennen kann.An sich hat der Stickstoff sonst keine ausgezeichneten Eigenschaften und auch keineAnwendung. Dennoch erscheint er als ein Element von großer Bedeutung, den»" ist ein Bestandtheil der Salpetersäure, des Ammoniaks, der Blausäure, des Ber-"wrblau, sodann mchrer wcrthvollcr Arzneimittel, wie des Chinins und Morphins,wwie endlich aller derjenigen Nahrungsmittel, von welchen wir annehmen, daß sieM die„c,i, in Fleisch und Blut überzugehen, und die wir daher für die nahrhaf-tsten halten. AuS diesem Grunde ist der Gehalt einer Speise an Stickstoff eine^ache von großer ökonomischer Bedeutung. Eiweiß, Muskelfaser, Käse sind solcheü'ckstoffrciche Nährstoffe. Ähnlich wie beim Wasserstoff, kennt man kaum nennens-">mhe, dirccte Verbindungen des Stickstoffs mit den Metallen.
Chlor.
Jakw^8yn^°* wurde »war schon 1774 dargestellt, allein eS währte bis um dasaufaen^«.. ^s es in die Reihe der einfachen Stoffe einmüthig von den Chemikernw nommen wurde. Die Entscheidung de- Streits über die Natur dieses Stoffs