444 Die Chemie.
durch andere, von der Wahrheit entferntere Vermuthungen über die Bestandtheileder Alkalien verdrängt wurde. Mittlerweile hatte in der Physik die Lehre von derBerührungselektricität oder dem Galvanismus eine beträchtliche Erweiterung erhalte».Es waren elektrische Apparate von großer Mächtigkeit aufgestellt und ihre Wirkun-gen nach allen Richtungen verfolgt worden. Alsbald ergab es sich, daß der elek-trische Strom ein mächtiges Trennungsmittcl chemischer Verbindungen sei. Wird inder That ein Körper, der aus zwei Elementen besteht, zwischen die beiden Drähtegebracht, welche die Pole einer galvanischen Kette bilden, und ein starker Stromdurch denselben geleitet, so trennen sich seine Bestandtheile voneinander, indem dereine von dem positiven Pole und der andere von dem negativen Pole angezogen
wird. Der Gedanke, diese zersetzende Wirkung der Elektricität auf die jedem andernMittel widerstehenden Alkalien anzuwenden, wurde von dem überraschendsten Erfolgegekrönt. Als ein Stück ätzenden Kalis auf diese Weise behandelt wurde, so kamenan dem negativen Poldrahte kleine, silberglänzende Kügclchcn zum Vorschein, undes war der metallische Bestandtheil der Pottasche entdeckt) nämlich das Kalium.
Nachdem dieses Metall einmal bekannt, wendete sich das Bestreben der Chemi-ker nach einer ergiebigen Darstellungsmethode desselben. Die jetzt übliche Methode
besteht darin, daß ein Gemisch von Pottasche und Kohle in einem eisernen Gefäße
der Weißglühhitze ausgesetzt wird. Bei dieser Temperatur verflüchtigt sich das Ka-lium in Form eines grünen Dampfes, der in einer geeigneten Vorrichtung j"
erbsengroßen Metallkugcln sich verdichtet.
Die Eigenschaften des Kaliums, als eines metallischen Körpers, sind in hohemGrade merkwürdig. Man ist gewöhnt, bei dem Worte Metall an eine» glänzende»,zugleich aber schweren, dichten und harten Körper zu denken, an ein im Allgemein""höchst dauerhaftes Material. Von diesen charakteristischen Merkmalen der Metalshat das Kalium allein den schönen Silberglanz; dagegen ist es so leicht, daß es a»IWasser schwimmt, und so weich, daß cS sich kneten und mit einem Messer zerschnei-den läßt. Allein nicht gering war anfänglich die Verlegenheit hinsichtlich der A»>-bcwahrung dieses Metalls; denn das Kalium verbindet sich so außerordentlich leiä>'mit Sauerstoff, daß es an der Luft liegend denselben schnell aus dieser aufni»»»^und in weißes Kaliumoxyd übergeht. Man pflegt daher das Kalium in Stein"aufzubewahren, einer Flüssigkeit, die aus Kohlenstoff und Wasserstoff besteht und k">'nen Sauerstoff enthält. Beiweitem die auffallendste Erscheinung tritt jedochwenn ein Stückchen Kalium auf Wasser geworfen wird. Augenblicklich entzün^sich dasselbe und fährt zischend, mit violetter Flamme auf dem Wasser umher.wissen von früherher, daß das Wasser eine Verbindung von Sauerstoff mit dc>"brennbaren Wasserstoff ist. Die nähere Erklärung jenes Vorgangs ist nun folgen^'Das Kalium verbindet sich mit dem Sauerstoff des Wassers so energisch, daßhierdurch entstehende Erhitzung den freiwcrdenden Wasserstoff entzündet, dessen Fla»»"durch etwas verdampfendes Kalium violett gefärbt wird.
Es erschien angemessen, die Geschichte dieses Metalls mit einiger Ausführlich^zu geben, cinestheils wegen der interessanten Eigenschaften desselben an sich, andc>"theils, weil das hier Gesagte bis auf geringe Abweichungen auch für das folg""^Metall, das Natrium, gilt, und weil an die Entdeckung des Kaliums sich alsf"die Darstellung der Metalle reihte, welche in der Kalkerde, Barytcrde, Stro»^erde, Bittercrde und in der Thonerde enthalten sind. Man erhält die in diesenenthaltenen Metalle, indem man auf deren Verbindungen mit Sauerstoff oder ^ .das Kalium einwirken läßt. Diese Metalle der Erden, welche Calcium, Dar" ^Strontium und Magnesium genannt worden sind, haben wie das Kalium Silbefsund geringe Härte. Sie sind jedoch etwas schwerer als Wasser, mit dessen ^stoff sie sich verbinden ohne Entzündung des freiwerdenden Wasserstoffs. ^c-
Das Kalium als Metall hat außer der eben angeführten Anwendung i"mischen Zersetzungen keine weitere von technischer Wichtigkeit. Um so bedculfist dagegen der Gebrauch vieler seiner Verbindungen. Charakteristisch für die ^