454 Die Chemie. !
verbreitet. Zu letztem eignet es sich vorzüglich durch seine weiße Farbe und seinenaußerordentlich lebhaften Glanz. Dieses Metall, das 10 mal dichter ist als Wasser, !
schmilzt in nicht allzu großer Hitze, und ist so weich und dehnbar, daß es in äußerst !
dünne Blättchcn geschlagen und in sehr feinen Draht ausgezogen werden kann.Wegen dieser Weichheit würde das dem Verkehre unterworfene Silber sehr rasch sichabnutzen, daher es einen Zusatz von Kupfer erhält, der ihm größere Härte vcr- '
leiht. Die groben Münzen haben einen Theil Kupfer auf neun Theile Silber.
Die Verbindungen des Silbers mit Chlor, Brom und Jod zeigen eine außcr?ordentlich große Empfindlichkeit gegen das Licht, indem dieses eine Zersetzung dersel-ben verursacht. Daguerre gründete hierauf seine interessante Entdeckung der Licht-bilder, die auf Silberplatten erzeugt werden, welche einen dünnen Überzug von Jod-silber erhalten haben. Das salpetersaure Silberoxyd ist ein giftiges, ätzendes Salz,welches unter dem Ngmen Höllenstein in der Chirurgie angewendet,wird.
Alle seither genannten Metalle werden mehr oder weniger von den starkenSäuren, wie Salzsäure, Salpetersäure und Schwefelsäure, und allmälig auch vonden Pflanzensäuren und Fettsäuren angegriffen und aufgelöst. Auf die folgendenzeigen diese Säuren keine Einwirkung, und Gold und Platin sind nur in solchenFlüssigkeiten löslich, die freies Chlor enthalten, was bei einem Gemische von Salz-säure und Salpetersäure der Fall ist, welches daher Goldschcidewasser heißt.
Gold.
- Das Gold behauptet hinsichtlich seiner Kostbarkeit den ersten Rang unter allenMetallen. Es findet sich fast nur gediegen in größer» Massen und Körnchen, sowiein ganz feinen Blättchcn und Stäubchen. Dabei hat es eine ziemlich allgemeineVerbreitung, indem der Sand der meisten Flüsse etwas Gold führt. So bedeutend ^die Rolle dieses prachtvollen Metalls im Leben ist, so untergeordnet ist sie in derChemie, wovon einestheils der hohe Preis dieses Materials die Schuld tragen mag-
Das Gold ist 19 mal dichter als Wasser, weich und ungemein dehnbar undbei 900 ° k. schmelzbar. Zu Münzen erhält es einen kleinen Kupferzusatz, und zuSchmucksachen wird es entweder mit Kupfer oder mit Silber legirk, wodurch eS einedunkelere oder hellere gelbe Farbe erhält.
Platin.
Das Platin ist erst seit der Entdeckung Amerikas bekannt geworden, wo Bra'silien und Columbien die einzigen Fundorte desselben waren, bis es in neuerer Zeitauch am Ural aufgefunden wurde. Wir haben hier das schwerste aller Metalle voruns, dessen Dichte 21 mal größer ist als die des Wassers. Da Platin gleich den'Golde von den Säuren nicht angegriffen wird und selbst in der Weißglühhitzeschmelzbar ist, so ist es dem Chemiker ein unschätzbares Material zu vielen Gerächt"'
Ja, es findet trotz seines hohen Preises, der die Mitte von Gold und Silber ha^selbst in chemischen Fabriken in größerm Maßstabe Anwendung, und es werden -usConcentrirung der Schwefelsäure Apparate aus Platin verwendet, die einen Werk»von 10—16000 Thalern haben.
Die genannten Eigenschaften waren übrigens Ursache, daß erst in neuererdie Anwendung des Platins allgemeiner geworden ist; denn wie sollte der Met"^arbeitet ein so »»fügsames Material behandeln?
Erst auf chemischem Umwege ist es gelungen, das Platin in einen schmiedbareZustand zu bringen. Man kann nämlich eine Doppelverbindung von Chlorplaümit Salmiak darstellen, die ein gelbliches Pulver bildet und Platinsalmiak genan"wird. Schwach geglüht, zersetzt sich dieselbe und hinterläßt metallisches Platin >Form einer grauen, porösen Masse, als sogenannten, Platinschwamm. Indem nradiesen stark preßt und nachher der Weißglühhitze ausseht, erhalten die TheilchenPlatins den erfoderlichen Zusammenhang, sodaß es jetzt in dünne Bleche gesckmneund selbst zu sehr feinem Drahte ausgezogen werden kann. ^