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Siebenter Band.
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455
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Die Chemie. 455

Das Platin hat in dem höchst fein vertheilten Zustande als Platinschwammdie höchst merkwürdige Eigenschaft, gasförmige Körper zu verdichten und dadurchdie chemische Verbindung von Gasen zu bewirken/ Hierauf beruht seine Anwendungiu den Zündmaschincn, bei welchen ein kleiner Strom von Wasscrstoffgäs, auf einSlatinschwämmchen geleitet, sich entzündet.

Theorie der Chemie.

Wenn nun der vorstehende flüchtige Abriß der wichtigern einfachen Stoffe undihrer Verbindungen beiweitem unzureichend ist, eine genaue Bekanntschaft mit den-selben zu vermitteln, so reicht er doch hin, um den Leser einigermaßen über den Um-saug des Stoffs der Chemie zu unterrichten. Man wird einsehen, daß eine möglichst^ilstandige Beschreibung aller Elemente und ihrer Verbindungen in Hinsicht ihres^orkommens, ihrer Darstellung oder Bereitung, ihrer physikalischen und chemischenEigenschaften, ihrer technischen und physiologischen Bedeutung den Inhalt bändcrei-cher Werke ausmacht.

An den Chemiker von Fach wird aber die Foderung gestellt, den wichtigsten^heil dieser zahlreichen chemischen Thatsachen nicht nur aus Büchern, sondern auchaus eigener Anschauung zu kennen. Der Chemiker muß im beständigen Umgangund Verkehr mit den Elementen im Stande sein, jedes derselben vor seine Untersu-chung zu laden und durch alle seine Verbindungen zu verfolgen, damit endlich auSber Fülle der mannichfaltigsten Thatsachen und Erscheinungen das Geseh und die3dee derselben sich entwickeln lasse.

Auf diese Weise hat sich in der That die chemische Theorie gebildet, das ist,°>e Ansicht über die Ursachen, welche den chemischen Erscheinungen zu Grunde liegen,und der Schluß dieser Abhandlung ist dazu bestimmt, das Wesentlichste aus demhäretischen Theile der Chemie aufzunehmen.

Atomenlehrc.

Die Grundlage der physikalischen und chemischen Anschauung des Wesens derMaterie ist nun in Folgendem ausgesprochen.

Die Materie besteht aus kleinsten Theilen, welche Atome genannt werden. DieAtome sind kugelförmig und von gleicher Größe, dagegen können sie verschieden seinin Gewicht, Farbe und sonstigen Eigenschaften. Jedes Atom ist mit gewissen Kräf-ten ausgestattet, von welchen für unsere Betrachtung die Zusammenhangs- oder Co-häsionskraft und die chemische Anziehungskraft, auch Verwandtschaft oder Affinitätgenannt, die wichtigern sind. Die Atome sind sehr klein, und das Einzelne ist selbstbei der stärksten Vergrößerung durch ein Mikroskop dem Auge nicht sichtbar. EinAtom kann weder durch ein mechanisches Mittel, noch durch irgend eine physikalischeoder chemische Einwirkung getheilt werden: es ist eine untheilbare Masse.

Wenn ich. also irgend einen Körper in die Hand nehme, so habe ich eine Zu-sammenhäufung von außerordentlich vielen Atomen, die zusammen diesen Körper Kil-ben, und die Eigenschaften desselben, seine Form, Farbe u. s. w. hängen von den'genschaftc,, jener Atome und der Art ihrer gegenseitigen Gruppirung ab.

— ^ gibt Stoffe, die durchaus nur aus einerlei Atomen bestehen, und solcheKörper werden einfache Stoffe oder chemische Elemente genannt. Ein Stuck Schwe-t-l 'st die Zusammenhänsung von lauter kleinen Schwefelatomen. Eme gewisse Menge°n Quecksilber besteht aus Quecksilbecatomen.

. Die Masse anderer Körper wird von Atomen verschiedener Art gebildet, undA nennen sie chemische Verbindungen oder Gemenge von chemischen Verbindungen.

chemische Analyse hat uns gezeigt, daß in dem Wasser Atome von Sauerstoffund Wasserstoff angetroffen werden, und daß der Zinnober aus Quecksilber- undschwefelatomen besteht.

Als erste Grundkraft der Atome ist die Zusammenhangskraft oder Cohasion einer""lern Betrachtung zu unterwerfen. Atome derselben Art, z. B. die des Schwe-