456 Die Chemie. !
fels, äußern eine gegenseitige Anziehung zueinander, die sich jedoch nur auf eine !Sphäre von äußerst geringer Ausdehnung erstreckt. Wenn dieselben daher einander ^hinlänglich nahe kommen, sodaß sie in das Bereich ihrer Cohäsionskraft eintreten, sohängen sie in Folge dieser mit einer gewissen Stärke aneinander, und leisten einenentsprechenden Widerstand, wenn es versucht wird, sie wieder zu trennen.
Die Cohäsionskraft verschiedener Atome ist sehr ungleich. Die des Eisens und ^deS Diamants z. B. hängen mit größerer Stärke aneinander als die des Schwefelsund der Kohle, während die Atome des Wassers und des Quecksilbers noch gerin- ^gern Zusammenhang zeigen, und endlich die Atome gasförmiger Körper soweit von- ^einander entfernt erscheinen, daß die Wirksamkeit ihrer Cohäsion gar nicht sich äußert, ^daher sie keinen Zusammenhang haben. Preßt man jedoch die Gase sehr stark zusam-men, so werden ihre Atome einander so nahe gerückt, daß sie sich anziehen könnenund als flüssige oder feste Körper erscheinen.
Es ist möglich und wahrscheinlich, daß im Welträume sich Massen von Ma-terie befinden, deren Atome nicht den geringsten Zusammenhang besitzen, waS derFall sein kann bei dem Lichtdunste, welcher die Schweife der Kometen bildet.
Krystallbildung.
Wenn Atome einander hinreichend nahe kommen, um Zusammenhang zu er-halten, so ballen , sie sich nicht regellos in- einen Klumpen von zufälliger Gestalt,sondern sie ordnen sich nach bestimmten Gesehen in regelmäßige Formen, in welche»jene wunderbare Symmetrie herrscht, die uns in Erstaunen setzt, wenn wir einenSchneeflocken auf einer dunkeln Unterlage auffangen und sehen, wie er als Sternsich ausbreitet, der aus einzelnen kleinen Eisnadeln zierlich zusammengefügt ist. Düregelmäßigen Gestaltungen der Unorganischen Materie werden Krystalle genannt, und jwenn wir auch Tausende verschiedener Formen kennen, in welchen dieselben erschei'nen, so gilt doch unwandelbar als Gesetz, daß einerlei Atome stets in derselben Krh'stallforni sich einigen. Das Kochsalz z. B. wird man überall in Form von kleine»Würfeln krystallisirt finden, die treppenförmig aneinander gereiht sind.
Wenn gleichwol die Materie unserer Umgebung nicht durchgängig in krystallhscher Form auftritt, so ist dies mehrfachen Ursachen zuzuschreiben. Erstlich geho^zur Bildung regelmäßiger Krystalle eine gewisse Zeit, welche die Atome bedürfen, u>»sich dem Gesetze gemäß zu ordnen, und dann werden viele vorhandene Krystallgebild*durch den Einfluß anderer Kräfte wieder zerstört. So besitzen die Pflanzen u»dThiere eine organisch bildende Kraft, vermöge welcher sie die Atome nach ganzden, Gesehen ordnen, als di.es im Bereiche der unorganischen Materie der Fall Aund während die Krystalle regelmäßige Gestalten, von ebenen Flächen, geradlinig^Kanten und von Ecken begrenzt sind, herrschen in den organischen Gebilden durch'gehcnds die runden Formen. .
Wir sehen daher die Materie in Hinsicht ihrer Form in dreierlei Weise ^darstellen, nämlich krystallisirt, organisirt und gestaltlos oder amorph. Das Letz"^ist der Fall bei der Ackererde, dem Sande, dem Wasser und der Luft.
Chemische Verwandtschaft. ^
Wenn jedoch Atome verschiedener Art miteinander in Berührung komme», ^äußern auch diese eine gegenseitige Anziehung, welche chemische Anziehung oderwandischast heißt. Das Eigenthümliche dabei ist der Umstand, daß Atome, s»^,sie der chemischen Anziehung gefolgt sind, ihre Eigenschaften durchaus nicht mehr 'kennen lasse». Wenn z. B. Atome von Quecksilber mit solchen von Schwefel is>geeignete Berührung kommen, so ziehen sie sich chemisch an, und in dem Augenv»wo diese verschiedenen Atome zusammentreten, sind sie als solche nicht mehr wnehmbar, indem an ihrer Stelle ein Körper mit ganz andern Eigenschaftennämlich der Zinnober. Man nennt ein solches Zusammentreten verschiedener Aeine chemische Verbindung, und ist der Ansicht, daß diese Atome keineswegs amv