Band 
Siebenter Band.
Seite
457
JPEG-Download
 

457

Die Chemie.

ren zu existiren, solange sie miteinander verbunden sind. Man stellt sich vor, daßin jedem kleinsten Theilchen von Zinnober ein Schwefelatom an ein QuecksilberatomSereiht und durch die chemische Verwandtschaft mit diesem vereinigt ist.

Diese Annahme einer derartigen Nebeneinanderordnung von Atomen hat vieleGegner gefunden, die nicht einsehen wollten, wie hierdurch eine so gänzliche Verän-derung der Eigenschaften möglich sei, welche bei allen chemischen Verbindungen statt-findet. ES wird von dieser Seite behauptet, daß die geschiedenen Stoffe sich gegen-seitig durchdringen, wenn sie sich chemisch verbinden. Es ist aber schwer, sich vor-zustellen, wie dieselben gegenseitig ineinander schlüpfen, und wie sie wieder auseinanderkriechen sollen, sobald die chemische Verbindung getrennt wird.

Daß schon die bloße Anordnung der Atome von dem wichtigsten Einflüsse aufdie Eigenschaften der Körper sein kann, ist schon bei der Geschichte des Kohlenstoffshervorgehoben worden. Der Diamant und die Holzkohle bestehen aus einerlei Ato-men; daß beide so auffallend verschieden sind, kann daher nur darauf beruhen, daßim Diamant die Atome nach den Gesetzen der Krystallbildung geordnet, und daß siem der Kohle regellos zusammengehäust sind.

Atomgewichte-

Das Gewicht der Atome verschiedener Körper ist sehr ungleich, und von allenhat das Atom des Wasserstoffs das geringste Gewicht. Ein Kohlenstoffatom wiegt6 mal, ein Sauerstoffatom 8 mal und ein Schwcfelatvm 16 mal so viel als einWasserstoffatom. In der früher gegebenen Auszählung aller einfachen Stoffe wurdeeinem jedem der wichtigern eine Zahl hinzugefügt: der das Atomgewicht des StoffsZeichnende Wasserstoff hat die Zahl 1, Quecksilber hat 100, Chlor hat 36 u. s. w.^enn sich ein Atom Wasserstoff mit einem Atoili Sauerstoff zu Wasser verbindet,so wird daher in der dadurch entstehenden Wassermenge dem Gewichte nach achtMal so viel Sauerstoff enthalten sein als Wasserstoff. Die Atomgewichte drückendemnach die Gewicht-verhältnisse aus, in welchen die einfachen Stoffe sich mitein-ander verbinden.

Wir können freilich nicht mit den unsichtbar kleinen einzelnen Atomen operiren,londern nur mit großen Mengen derselben. Allein man sieht leicht ein, daß wennman 1000 Wasserstoffatome und 1000 Sauerstoffatome miteinander verbindet, sowird auch in diesem Falle das Gewicht des in dem erzeugten Wasser enthaltenenSauerstoffs acht mal so viel betragen als das des Wasserstoffs. Die chemischenElemente, die wir miteinander verbinden wollen, müssen daher stets in solchen Ge-wichksverhältnissen zusammengebracht werden, daß diese den Zahlen ihrer Atomge-Wichte entsprechen. Wenn Zinnober dargestellt werden soll, so muß man 16 Ge-Wichtstheile Schwefel und 100 Gewichtstheile Quecksilber verwenden. Würde manvon einem dieser Stoffe mehr als da« bemerkte Gewicht nehmen, so würde dieserÜberschuß in »«verbundenem Zustande bleiben.

Auch über die Menge des bei einer chemischen Operation zu erwartenden Pro-»cts geben die Atomgewichte der Elemente den bestimmtesten Anhaltepunkt. Aus^"stehend bezeichneten Mengen von Schwefel und Quecksilber müssen 116 Ee-hauvt Zinnober erhalten werden. Jemand, der einem Chemiker gegenüber be-116 m " wolle bei Anwendung von 100 Gewichtsthcilen Quecksilber mehr alsGewichlßtheile Zinnober darstellen, würde in dessen Augen ebenso erscheinen,da« Allen ein Rechenkünstler, der vorgibt, er könne drei und vier so addiren,^ größere Zahl herauskomme als sieben.

Wird bei einer chemischen Operation weniger an Produkt erhalten, als der«umme der Atomgewichte der in Verbindung getretenen Körper entspricht, so istva>- r » Chemiker ein Fingerzeig, daß während der Arbeit irgend ein Fehlerorgesallen, daß ein Theil seines Materials in Verlust gerathen ist, ohne sich chemischEs wird alsdann die Methode solange verbessert, bis sie möglichst» "au der theoretische« Angabe entspricht.