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Siebenter Band.
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460 Die Chemie.

äußerst energischer Verwandtschaftskraft bezeichnet wurden. Warum dies der Fallist, weshalb z. B. das Chlor alle Metalle ohne Ausnahme angreift und der Stick-stoff kein einziges derselben, darüber sind wir ganz außer Stande eine Erklärungzu geben.

Die Hauptaufgabe des praktischen Chemikers ist es aber, sich in den Besih aller ^Erfahrungen über die Verwandtschaftsäußerungen zu sehen; alsdann wird er aller- 'dings mit großer Sicherheit voraussagen, können, welche Erscheinungen aus der ge- i

gcnseitigen Einwirkung verschiedener Stoffe erfolgen werden. So ist es z. B. einnicht schwer festzuhaltender Erfahrungssatz, daß, wenn die Verbindung eines Me-talls mit Sauerstoff in höherer Temperatur mit Kohlenstoff in Berührung gebrachtwird, sich die beiden letztgenannten Stoffe vereinigen und das Metall abgeschiedenwird. Man wird sich erinnern, daß auf dieser Ungleichheit in der chemischen

Verwandtschaft die Darstellung des Kaliums und des Eisens beruht, sowie überhauptdie Mehrzahl der chemischen Zersetzungen.

Man hat den bildlichen Ausdruck der Wahlverwandtschaft eingeführt, um dieeigenthümliche Erscheinung hervorzuheben, daß gewisse Stoffe vorzugsweise eine starkegegenseitige Anziehung zeigen, als ob sie fähig seien, einer bestimmten Neigung fol-gend, eine Auswahl zu treffen. Allein bei der unorganischen Materie kann voneiner Wahl keine Rede sein; mit unabänderlicher Nothwendigkeit folgt sie der ihreinwohnenden Kraft. Wenn Goethe den Conflict dieser Kräfte in seinen „Wahl-verwandtschaften" mit einer dunkeln und räthselhasten Macht in Berührung bringt,die in den menschlichen Geschicken als waltend und bestimmend auftritt, so geschiehtdies doch nur in bildlichem Sinne. Das aus dem Conflicte verschiedener aufeinan-der einwirkender Materien Hervorgehende kann zwar überraschen und in Erstaunensetzen, allein immer werden wir es doch nur natürlich finden, während dqS Ringen >geistiger Naturen mit dem Schicksale in seiner tragischen Entwickelung uns rührt underschüttert.

Einthcilung der chemischen Verbindungen.

Um nun einen Überblick über die zahlreichen chemischen Verbindungen zu er-halten, so lassen sich dieselben nach verschiedenen Gesichtspunkten in mehre Gruppe"vertheilen, nämlich nach ihrer Zusammensetzung, nach ihren chemischen Eigenschaft^und endlich nach ihrem Ursprünge.

Hinsichtlich ihrer Zusammensetzung unterscheidet man vorerst die Verbindungen'je nachdem sie'aus zwei, drei, vier, fünf oder mehr verschiedenen Atomen bestehe"'und nennt sie hiernach entsprechend: binäre, ternäre, quaternäre, quinternäre Verbi"'düngen u. s. w. So z. B. gehören das Wasser, der Zinnober, das Eisenoxyd j"den binären Verbindungen. Der bereits erwähnte Alaun ist eine quaternärebindung, da er viererlei verschiedene Atome enthält.

Wenn eine chemische Verbindung sich mit einer andern vereinigt, so wird d"Produkt eine Verbindung zweiter Ordnung genannt; aus der Vereinigung zw^Verbindungen zweiter Ordnung gehen die der dritten Ordnung hervor. Eine höhs^Ordnung als diese letzte, die schon ziemlich erweitert erscheint, kennt man »><"'' ,Schwefelsäure und Eisenoxyd»! sind Verbindungen erster Ordnung; miteina"^verbunden stellen sie ein grünes Salz dar, das schwefelsaure Eisenoxydul, das ^Verbindung zweiter Ordnung ist. Der Alaun, der aus zwei Salzen besteht,eine Verbindung dritter Ordnung.

Säuren, Basen; Salze.

Hinsichtlich ihrer Eigenschaften bieten die chemischen Verbindungen unzäh^Unterschiede dar, sodaß unter den Tausenden derselben nicht zwei aufzufindendie in Farbe, Form, Dichte, Löslichkeit u. s. w. ganz übereinstimmen. Dagegen »es doch drei große Gruppen, m welche sich alle chemischen Verbindungen nach^.wissen übereinstimmenden Merkmalen bringen lasse». Diese letztern sind der