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Die Chemie.
gleich diese Bestimmung etwas Schwankendes hat, da nicht wenige chemische Ver-bindungen m beide Reihen passen, wie z. B. die Kohlensaure, das Ammoniak u. s. w-,so bittet die Trennung des chemischen Materials in diese zwei Hauptgcbiete fürdie Übersicht desselben doch großen Vortheil und wird wol auch immer beibehal-ten werden. Denn es liegen den unorganischen und organischen Stoffen neben diesemäußerlichen Unterschiede ihrer Abstammung doch auch tiefer in ihrer chemischen Kon-stitution beruhende Verschiedenheiten zu Grunde.
Im Allgemeinen sind zur Bildung einer unorganischen Verbindung eine gerin-gere Anzahl von Atomen crfodcrlich, als das bei einer organischen Verbindung inder Regel der Fall ist.
Wir wollen die Zusammenstellung der Atome, welche eine chemische Verbindungbilden, die Atomgruppe dieser Verbindung nennen, und einige unorganische und or-ganische Körper miteinander vergleichen. Die Atomgruppe des Wassers besteht auszwei Atomen, nämlich aus einem Sauerstoff- und aus einem Wafferstoffatom; ebensosind der Zinnober, das Kali, das Kochsalz aus je zwei einzelnen Atomen gruppirteVerbindungen. Dagegen haben wir uns das kleinste Zuckcrtheilchen vorzustellen alsaus einer Gruppirung von 16 Atomen bestehend, nämlich auS 6 Kohlenstoff-, 5Wasserstoff- und aus 5 Sauerstoffatomen. In der Citronensäure sind 28, in demWeiugeiste 8 Atome-zu einer Gruppe zusammengetreten.
Über die Zusammensetzung der unorganischen Verbindungen war man wegen ih-rer einfachern Konstitution früher und vollständiger aufgeklärt als über die der orga-nischen. Das Gebiet der unorganischen Chemie läßt sich nach den umfassenden undclassischen Arbeiten von Berzelius als in seinen Hauptrichtungen erschöpft ansehen.Es erklärt sich hieraus, daß die Hauptkraft der chemischen Forschung seitdem auf dasBereich des Organischen sich geworfen hat.
Wenn die Verbindungen nur aus wenigen Atomen bestehen, so scheint es, alsob diese alsdann mit ganzer und eingetheilter Stärke einander gegenseitig anziehenund dadurch eine Verbindung von größerer Beständigkeit zu bilden vermögen, alsdies der Fall ist, wenn viele Atome zu einer Gruppe chemisch vereinigt sind. ImAllgemeinen bestätigt auch die Erfahrung, daß die unorganischen Verbindungen we-niger leicht zcrsctzbar sind als die organischen. Wenn man sich in der That vorstellt,daß das kleinste Theilchen von Zucker aus sechs Atomen Kohlenstoff, fünf Ato-men Wasserstoff und fünf Atomen Sauerstoff zusammengefügt ist, so liegt der Ge-danke nahe, daß es erstlich nicht ohne Schwierigkeit sein muß, eine so complicirtcGruppirung zu bewerkstelligen; daß es aber leicht sein dürfte^ aus diesem künstlichenAtomgcbäudc ein oder das andere Atom abzulösen, sodaß die übrigen auf eineneue Weise sich anordnen oder in mehre kleinere Gruppen getrennt auscinai)derfallen müssen.
In der That ist nran nur selten im Stande, eine organische Verbindung unmit-telbar aus ihren Elementen zusammenzusetzen. Es ist zwar ei» Leichtes, die obengenannten Bestandtheile des Zuckers in solchem Gewichtsvcrhältnisse zusammenzubrin-gen, wie sie in dem Zucker enthalten sind; allein keineswegs ist es gelungen, dieangeführte Zahl von Atomen i» eine solche Gruppe treten zu lassen, daß sie Zuckerbilden. Bis jetzt erscheint uns durchgchends die Vereinigung so vieler Atome zueiner chemischen Verbindung au die Mitwirkung der organischen Thätigkeit geknüpftzu sein.
Dagegen fällt es dem Chemiker nicht schwer, eine gegebene organische Verbin-dung als Material zur Darstellung einer ganzen Reihe von andern organischen Ver-bindungen zu benutzen, entweder indem er veranlaßt, daß ihre Atome sich auf andereWeise gruppiren, oder indem gewisse Atome derselben entzogen oder andern hinzuge-fügt werden. »
Solche Metastasen und Metamorphosen organischer Verbindungen lassen sichan einem ziemlich populären Beispiele verfolgen. Das gegebene Material sei dasStärkemehl, so läßt sich dieses leicht in Zucker, der Zucker in Weingeist und dieser in