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Siebenter Band.
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Preußen seit 1849 bis Ende 185V. 473

In der zweiten Kammer fehlte keine von den Notabilitäten der aufgelöstenNationalversammlung, denen sich überdies noch hervorragende Mitglieder des frank-furter Parlaments zugesellten. So erschienen namentlich von Vincke und GrafSchwerin, welche mit Recht den Schwerpunkt der bevorstehenden Entwickelung inBerlin suchten. Außer den Genannten wurde die Rechte durch bekannte Namendes alten Bereinigten Landtags verstärkt; so traten z. B. Graf Arnim-Boitzcnburg,von Kleist-Netzow, von Bismark-Schönhauscn, der vormärzliche Minister von Bodcl-fchwingh in die Kammer ein. Aber auch die Linke hatte von Frankfurt gewichti-gen Zuwachs erhalten. Kinkel aus Bonn, Heinrich Simon aus Breslau, LudwigSimon aus Trier, Wesendonck hatten ihre Sitze in der Paulskirche verlassen, umden Kampf auf einem realcrn Boden als deni des frankfurter Parlaments auf-zunehmen.

Die erste Kammer hatte, im Gegensatz zu dieser Partcimischung, einen gleich-förmiger», nämlich vorzugsweise bureaukratischcn Charakter. Hier waren fast sämmt-liche Oberpräsidentcn, Regierungspräsidenten, die vormärzliche» pensionirtcn Ministerund Diplomaten vereinigt. Vor Allen sind hier auch die Führer der Hof- und soge-nannten Junkerpartei, der Obcrlandesgerichtspra'sidcnt von Gcrlach und der Professor^tahl zu nennen, die während des Jahres 1848, fern vom öffentlichen Schauplätzedor Politik, im Stillen die Novembcractc hatten vorbereiten helfen und jetzt bereitschienen, der augenblicklich daniedergchaltcncn Bewegung ein für allemal das Grabzu bereiten. Auch der Chef des Märzministcriums, Camphausen, hatte seinen Platzunter diesen Männern gewählt. Ihnen gegenüber, theils im rechten und linken Cen-trum, theils auf der Linken, saßen die Märzminister Hanscmann, Rudolf von Auers-l"uld, Mlldx, Giercke, endlich einige polnische Abgeordnete.

. Die Thronrede war im Allgemeinen sehr gemessen gehalten. Der Auflösunger Nationalversammlung wurde nur als Thatsache Erwähnung gethan. Man legteuuch Gewicht darauf, daß durch den Inhalt der octroyirtcn Berfassung die März-erheißungen getreulich erfüllt seien. Ebenso vorsichtig, freilich nicht zur Befriedi-gung der dcuisch. einheitliche,, Partei, lautete der Passus In Betreff der deutschenMage. Die „innigere" Vereinigung der deutschen Staaten zu einem Bundesstaate^ Gegenstand der lebhaftesten Wünsche bezeichnet; doch lautete derachfah bedenklich: daß der Weg zur Verständigung aller deutschen Fürsten (deroiomg betonte scharf das Wort „aller") mit der deutsche» Nationalversammlung

angebahnt sei.

Die Rechte unter Vincke war indessen voll Vertrauen zum Ministerium, so ver-trauensvoll, daß es eigentlich nur eine große Phalanx gab, welche der Linken, demfrühern berliner Rumpfparlament, entgegengesetzt wurde. Die äußerste Rechte, 40oder 50 Mitglieder stark, ließ sich einstweilen diese Gemeinschaft wol gefallen; isolirthatte sie ohnehin nichts auszurichten vermocht. Die Linke, ihrem Principe getreu,stellte Unruh als Candidaten zur Präsidentschaft auf. Noch hatte man sich nichtgezahlt, und man ahnte nur, daß die Parteien sich ziemlich die Wage halten würdenmir s"r die Rechte, ihre Kräfte nicht zu zersplittern. So wurde Grabow

fast aleick^^M^" ö""* Präsidenten gewählt. Unruh hatte nur 158 erhalten; mitdeuten aewäbst Alfred von Aucrswald und Lcnsing zu Viccpräsi-

lieb m ns- vac v 2valdeck und Phillips in der Minorität blieben. In ahn-aus äiier wurden'. "^""'°"ellem Sinne fielen die Wahlen in der ersten KammerH>er wurden^der ehemalige Ministerpräsident Rudolf von Aucrswald, Baum-st ck und von Wittgenstem (von Köln) zu Präsidenten und Vicepräsidenten gewählt.Die Trage, mit der sich die Kammern beschäftigten, war die Adrcßfrage.

A ess ,. a°^' Zar ke.ne Adresse. Ihre Gründe dafür waren folgende. In der

Wust? dte man sich über die einseitige Octroyirung vom 5. Dec. aussprechcn,die L nk-°R-^°^" Verfassung anerkennen oder ablehnen. Letzteres zu thun mußteaba-,..'. ^°"'ken tragen, da die Volksstunmung einem solchen extremen SchritteS "e>gt war. Ihre Absicht ging deshalb dahin, die misliebigcn Paragraphen im