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Preußen seit 1849 bis Ende 1859.
Welche Vermengung der verschiedenartigsten Projccte und Ideen! Bedingte An-nahme der Kaiscrwürde, wobei Preußen sich weigert, auch nur unter Voraussetzungder nachträglichen Zustimmung anzunehmen, weil es ein indirecter Zwang sei. Wirwerden bald sehen, wie dieser Scrupel sich als ein rother Faden durch die späternEreignisse zieht. Übernahme der provisorischen Centralgewalt über ganz Deutschlandund Bildung eines Bundesstaats, wobei schon auf dessen Stellung außerhalb derfrankfurter Beschlüsse deutlich hingezielt wird: der Kern der in den Noten vow >23. Jan. und 16. Febr. hingeworfenen Bundesstaatsidec. Alles das zusammen gab ^das Ministerium für eine bedingte Annahme der frankfurter Beschlüsse aus. Beider Debatte in der zweiten Kammer am 5. April sprachen sich die Minister in die-sem Sinne aus. Herr von der Heydt erklärte, das Ministerium habe nicht die Ab-lehnung angerathen, im Gegentheil dem Könige gerathen, den Ruf anzunehmen, so-weit er dazu berechtigt sei. Was die Oberhauptsfrage betreffe, so habe sich derKönig zur Übernahme der Krone bereit erklärt. Über die Verfassung werde die Er-klärung folgen. Herr von Manteuffel sagte, man habe nur soweit acceptirt, als mandie frankfurter Versammlung für berechtigt gehalten.
Solche Erklärungen versetzte» in Erstaunen! Was hatte man denn acceptirt?Die Verfassung nicht, darüber hatte man sich die Erklärung vorbehalten. Die Kroneauch nicht, obschon Herr von der Heydt das Gegentheil versicherte; vielmehr hatte derKönig erklärt, sie nur mit Zustimmung aller Fürsten annehmen zu wollen. In derCirculardcpesche war ja sogar die bedingte Annahme geleugnet. In der That aberscheint es, daß die Antwort der Krone von der vom Ministerium entworfenen insofernabwich, als das Ministerium die Annahme der Krone, jedoch ohne die Verfassung,welche letztere modificirt werden sollte, angerathen haben mochte. Die CirculardepcscheVom 3. April deutete darauf hin, und die ohnehin schon sich widersprechenden Aus-lassungen der Minister in der Kammer hätten ohne jene Vermuthung gar keinenSinn gehabt. Freilich aber war dieser Ansicht die frankfurter Deputation verwah-rend entgegengetreten. Die Annahme der Krone, so erklärte sie in einem an dasMinisterium gerichteten Schreiben, sei unzertrennlich von der Annahme der Ver-fassung; auf Grundlage letzterer ausdrücklich sei die Krone angeboten. Mit Rechtmachte die Deputation daraus aufmerksam, daß die königliche Antwort sogar hinter deram 2. April vom Ministerpräsidenten abgegebenen Erklärung zurückblicke, dcmzusolgtdie Verfassung für die zustimmenden Staaten als verbindlich erklärt wurde. So wakalso der Conflict zwischen Frankfurt und Berlin officiell constatirt.
Die zweite Kammer gelangte zu keinem Resultate. Nach zweitägiger Debatte,die an Leidenschaft und Hitze das im Jahre 1848 Erlebte weit hinter sich ließ, wu"den sämmtliche Anträge verworfen. Vincke selbst begnügte sich damit, den Minister"derbe Wahrheiten, ungerechtfertigt freilich im Munde des frankfurter Vereinbarung^'manns, zu sagen. Seinen Adreßentwurf zog er aus dem Grunde zurück, weilMinisterium durch die Depesche vom 3. April internationale Verpflichtungen cingf'gangen sei, und man nun zuvörderst das Resultat der Verhandlungen abwarten mE'Die Hoffnung auf Herstellung des Gagern'schen Bundesstaats war noch nicht amgegeben. Die frankfurter Versammlung, verstoßen und verlassen, hoffte vonberliner Freunden Unterstützung, und Vincke's Partei stimmte für neues Abwar""'
Stellung der Kleinstaaten zur preußischen Politik; Rodbertus' Antrag wegen Anerkenn""^der frankfurter Verfassung; ausweichende Politik des Ministerium«.
Dieser Gewinn an Zeit war Alles, was die im Grunde doch besorgterung verlangte. Rings um sie herum in Berlin, im ganzen Lande, in Deutschtkochte und gährte es bedrohlicher als vor einem Jahre. Wie leicht konnte esschehen, daß, nach allen bisherigen Siegen und Thaten, man schließlich über/" ^deutsche Frage stolperte und einen herben Fall that! Aber von der franksu*Verfassung wollte man nun einmal nichts wissen. Des frankfurter Parlaments w"man ledig sein, da man, obwvl öffentlich von Verständigung u. s. w. viel gesp*"^