Preußen seit 1849 bis Ende 1850. 491
Thatsachen. Die deutsche Nationalversammlung war von der Nation gewählt worden,das Verfassungswerk zu schaffen.' Ihren Willen zu vollstrecken, darin bestand Preu-ßens deutscher Beruf. Nicht aber hatte Preußen den Beruf, nachdem es die Anträgedes Parlaments abgelehnt, eigenmächtig eine deutsche Verfassung zu verleihen. JedeAndere Regierung hatte von jenem Augenblicke an moralisch dieselbe Berechtigung,gestand also wirklich ein Gegensatz zwischen den Stammesinteressen und den deutschenl-inheitsbestrebungen, so war es natürlich, daß erstere sich um so nachdrücklicher gel-"ad zu machen suchten, nachdem letztere ihr allein rechtmäßiges Organ und Binde-mittel verloren hatten. Und so geschah es denn auch. Gleich die ersten Unterhand-lungen über den engern Bundesstaat liefern den Beweis davon.
Die Circularnote vom 23. Ja», und spätere auf Grund derselben gewechselteNoten stellten als Hauptpunkte des preußischen Plans auf: den engern,. Bundcsstaatunter Preußens Leitung, und den weiter» Bund zwischen diesem und Ostreich, dasla erklärt hatte, es könne sich an einem Bundesstaate nicht betheiligen. „ Statt nunzunächst den engern Bund zu Stande zu bringen und hinterher mit Ostreich über°en weiter» zu verhandeln, schlug man in Berlin den umgekehrten Weg ein. AmlO. Mai wurde der vormä'rzliche Minister der auswärtigen Angelegenheiten, GeneralCanih, eine in Wien von früher sehr angenehme Persönlichkeit, als besonderer^evollmächtigter dorthin gesandt. Gleichzeitig wurde dem östreichischen Cabinet eineDenkschrift überreicht, worin die preußischen Vorschlage über Union und Bundcsstaatu> ihren Grundzügen formulirt waren. Von dem wiener Cabinet wurde verlangt,°aß es die Union mit dem Bundesstaate abschließe, daß es offenkundig erkläre, wiees der Bildung des Bundesstaats mit Preußen an der Spitze nicht entgegen sei, undendlich, daß es seine Zustimmung dazu gebe, daß bis zum Abschlüsse der Bundes-staatsverfassung Preußen die Provisorische Centralgewalt übernehme.
Hatte es nicht im Interesse der östreichischen Hauspolitik gelegen, einem Bun-desstaate beizutrcten, dessen Grundlage ein volksthümliches Parlament bildete, so konntees dieser nicht besser behagen, wenn der Bundcsstaat mit Ausschließung Ostreichs^ Leitung ihres Nebenbuhlers Preußen gebildet wurde. Die Ablehnung derpreußischen Vorschläge in Wien konnte daher um so weniger zweifelhaft sein, nach-em preußijcherseits dem wiener Cabinet die Antwort so leicht,gemacht worden. Lch-eres erklärte sich am 16. Mai dahin: daß es sich über eine Übereinkunft mit einem-oundesstaale, der noch ^ar nicht existire, nicht aussprcchcn könne. Über den Bun-bssstaat selbst werde es sich bei den berliner Confercnzcn/zu denen es ja ebenfalls^»geladen worden, äußern. Was die Provisorische Centralgewalt anlange, so be-anspruche es ebenso wenig für sich die ausschließliche Leitung derselben, als es die-selbe einem andern Staate zugestehen könne, sondern halte für das Zweckmäßigste,-nß die Centralgewalt von Ostreich, Preußen und einem dritten durch die übrigenRegierungen gewählten Mitglicde gemeinschaftlich gehandhabt werde. Bei dieser Ant-wort blieb man in Wien stehen. Die lätägigen Unterhandlungen des Generals vonblieben erfolglos. Preußen rief am 25. Mai seinen Unterhändler ab, indemgeben daß es bereit sei, mit Östreich auf die alte Bundesverfassung zurückzu-vollkomn*"" XI auch die Bildung eines engern Bundes innerhalb des Bundesv>sorisck?n"krs^^ttige.. Ein früheres Verlangen in Betreff der Übernahme der Pro-willia -,,»! '"Gewalt interprctirte Preußen dahin, daß letztere nur für die frei-Um» Regierungen gelten solle.
durch - "dn hatten die berliner Confercnzcn ihren Anfang genommen. Nur dieund Bewegungen mehr oder weniger bedrohten Königreiche Baiern, Sachsen
unterbrock?^ betheiligtcn sich an den Berathungen, die vom 17.-26. Mai un-General v^ '""geführt wurden. Den Vorsitz führte der preußische Bevollmächtigtedurch sein»« A"bowitz, der Urheber und Leiter des ganzen Projects. Baiern warnen Mim»-» .^"dten in Berlin, den Grafen von Lerchenfeld, Sachsen durch sei-von frük! k Auswärtigen, von Brust, Hannover durch den Minister Stüve,yer her durch stme antipreußische Gesinnung bekannt, vertreten. Die übrigen