501
Preußen seit 1840 bis Ende 1850.
heit machen und dieselbe gegen ihren Urheber kehren, gegen die von Gott eingesetzt«Obrigkeit; wider Die, welche diese Urkunde gleichsam als Ersatz der göttlichen Vor-sehung, unserer Geschichte und der alten heiligen Treue betrachten möchten; alleguten Kräfte im Lande müssen sich vereinigen in Untcrthanentreue, in Ehrfurcht gegendas Königthum und den Thron, der auf den Siegen unserer Heere ruht, in Beob-achtung der Gesetze, in wahrhaftiger Erfüllung des Huldigungseidcs, sowie des neuenSchwurs «der Treue und des Gehorsams gegen den König und des gewissenhaftenHaltens der Verfassung»; mit einem Worte: seine Lebensbedingung ist die, daß mirdas Regieren mit diesem Gesetze möglich gemacht werde; denn in Preußen muß^ derKönig regieren, und ich regiere nicht, weil es also mein Wohlgefallen ist, Gott weißes; sondern weil es Gottes Ordnung ist; darum aber will ich auch regieren. Einfreies Volk unter einem freien Könige, das war meine Losung seit zehn Jahren, dasist sie heute und soll sie bleiben, solange ich athme. Ehe ich zur Handlung desTags schreite, werde ich zwei Gelöbnisse vor Ihnen erneuern. Das gebietet mir derBlick auf die zehn verflossenen Jahre meiner Regierung. Zum Ersten erneuere, wie-derhole und bestätige ich feierlich und ausdrücklich die Gelöbnisse, die ich vor Gottund Menschen bei den Huldigungen zu Königsberg und hier geleistet habe! Ja! Ja!Das will ich, so Gott mir helfe! Zum Zweiten erneuere, wiederhole und bestätigeich feierlich und ausdrücklich das heilige Gelöbniß, welches ich am 11. April 1847ausgesprochen: «Mit meinem Hause dem Herrn zu dienen.» Ja! Ja! Das willich, so Gott mir helfe! Dieses Gelöbniß steht über allen andern, es muß in einemJßden enthalten sein und alle andern Gelöbnisse, sollen sie anders Werth haben, wielauteres Lebenswasser durchströmen. Jetzt aber und indem ich die Versassungsurkundekraft königlicher Machtvollkommenheit hiermit bestätige, gelobe ich feierlich, wahrhaftigund ausdrücklich vor Gott und Menschen, die Verfassung meines Landes und Rerchsfest und unverbrüchlich zu halten, und in Übereinstimmung mit ihr und den Gesetzenzu regieren. Ja! Ja! Das will ich, so Gott mir helfe! Und nun befehle ich dasbestätigte Gesetz in die Hände des allmächtigen Gottes, dessen Walten >n der Ge-schichte Preußens handgreiflich zu erkennen ist, auf daß er aus diesem Menschen-werke ein Werkzeug des Heils machen wolle für unser theures Vaterland: nämlichder Geltendmachung seiner heiligen Rechte und Ordnungen! Also sei es!" Hieraufleisteten die Minister und die Abgeordneten der Reihe nach den vorgeschriebene» Eid.
Die Rede des Königs, nicht weniger merkwürdig als diejenige, mit welcher derVereinigte Landtag von 1847 eröffnet worden war, wäre vielleicht, dem Wunschedes KönigS gemäß, als Ausfluß seiner eigensten Anschauungen und nicht als officiellesStaatsdocument aufgefaßt worden, wenn nicht die Adelspartci sie sofort in ihremSinne ausgebeutet hätte. Man scheute sich nicht, dem königlichen Eide Vorbehalteunterzuschieben, den Eid als einen bedingungsweise geleisteten zu schildern. Der Kö-nig habe auch seinen Huldigungseid erneuert, der die Aufrechthaltung der ständischenRechte in sich schließe. Er habe die Verfassung unter der Bedingung beschworen,daß ihm das Regieren mit derselben möglich gemacht werde, nämlich daß man dieunvcrjä'hrbaren Rechte der Stände und der Krone als über der VerfassungsurkundeL"°r>r Bedingung, daß die Kammern fortführen, die Verfassung imGeiste der Botschaft vom 7. Jan. zu revidiren, denn letztere sei nur e.n „T.lsiterFriede mit der Revolution".
Schwankende Haltung der Verbündeten Preußens; Unschlüssigkeit der preußischen Regierung;Protest Ostreichs gegen daß berliner Bündniß; Zutritt der Kleinstaaten zum Bündnisse;
Baierns Politik.
Es ist schon darauf hingewiesen worden, welchen Einfluß die allgemeinen deut-schen Angelegenheiten auf die Stellung der Kammern zu der innern Politik auS-^ten, und wie selbst Gegner des Ministeriums hier und da Concessionen machten,um einen Bruch zu verhüten, der am Ende dir Unionsbestrebungen vereitelt habenwürde. Die Regierung war sich dieses Vortheils ihrer Position wol bewußt und