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Siebenter Band.
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Preußen seit 1849 bis Ende 185«. ^ 503

Wenn somit nach dieser Seite hin die preußische Politik sich eines gewissen Er-folgs rühmen durfte, so hatte sie auf anderer Seite Anfechtungen der schlimmstenArt zu erleiden. Östreich, das zur Unterdrückung seiner innern Unruhen der russi-schen Truppen bedurfte, hatte zum Widerstände gegen den berliner Bund deutscherBundesgenossen nöthig. Den einflußreichsten fand es in Baier», dessen Regie-rung nach zwei Dingen strebte: nämlich „einerseits die preußische Suprematie, anderer-seits die gemeinschaftliche Suprematie Ostreichs und Preußens zu verhindern. InMünchen hoffte man nichts Geringeres, als Baiecn zur dritten deutschen Großmachtzu erheben. In Übereinstimmung mit diesen Bestrebungen suchte Baiern die Rolledes Vermittlers zwischen dem wiener und dem berliner Cabinet zu übernehmen. Derbairische Ministerpräsident, Herr von der Pfordten, begab sich behufs jener Vermitte-lungsversuche Anfangs Juni nach Wien und von da nach Berlin. . Eine so weniguneigennützige Vermittelung konnte indessen keinen Erfolg haben. Überdies war eineVerständigung zwischen den beiden Großmächten nur möglich, wenn eine von beidenihre Politik aufgab: zu Letzterm fehlte aber die zwingende Nothwendigkeit. Ostreichwollte zum Bundestage zurückkehren, der allein seinen alten Einfluß in Deutschlandwiederherstellen konnte. Solange Preußen aber an dem Maivcrtrage festhielt, durftees zur Wiederherstellung der östreichischen Hegemonie im Bunde nicht die Hand bieten,weshalb es denn auch, nach dem Sturze des Parlaments, den Rücktritt des ReichS-verwesers verlangte, und schließlich sogar den diplomatischen Verkehr mit Letzterm ab-brach. Je weniger nun Ostreich in der Lage war, den Reichsverweser gegen denWillen Preußens zu halten, um so mehr mußte es bedacht sein, eine neue Bundes-behörde zu errichten und sich dadurch seinen Stützpunkt gegen den preußischen Bun-desstaat zu sichern. DaS wiener Cabinet verlangte demgemäß, daß Preußen in dieAussetzung einer neuen Centralbehörde willige. Ja, die Durchführung dieser Ideeerschien ihm so wichtig, daß es sogar sich damit einverstanden erklärte, daß die Bun-desgewalt durch Östreich und Preußen gemeinschaftlich gehandhabt werde. In Berlinerkannte man die Gefahr, welche dem Bundesstaake hierdurch erwachsen würde. Herrvon Nadowitz machte deshalb das Eingehen auf den östreichischen Vorschlag davonanhängig, daß Ostreich seinen Protest gegen den Maivertrag zurücknehme und denBundesstaat als mit dem Art. 11 der Bundesacte in Übereinstimmung stehendanerkenne.

An dem Conflicte dieser verschiedenen Interessen scheuerten Herrn v . -

Bemühungen, und Letzterer macht- nunmehr den Versuch, für den Beitritt BaiernSzum Maibündniß Concessionen zu Gunsten der bairischen Großmachtsplane zu erlan-ge». Herr von der Pfordten verlangte außer dem Rechte, besondere Gesandtschaftena» den fremden Höfen zu halten, unter Andcrm, daß die Reichsgewalt nicht durchden Reichsvorstand, sondern durch das Fürstencollegium unter dem Vorsitze Preußensund der Vicepräsidentschaft Baierns ausgeübt werde. Das Fürstencollegium wärehiernach nichts Anderes als eine andere Form des alten Bundestags geworden: dieIdee eines einheitlichen Vundesstaats war damit beseitigt. In Berlin ging man ausdiese Vorschläge nicht ein. Herr von der Pfordten kehrte »»verrichteter Sache na«,München zurück, und erließ nun eine Circularnote (vom 12. Juli), worin er Preu-ßen beschuldigte, den Bruch mit Östreich zu provociren, lediglich im Interesse seinesEhrgeizes. Der bairische Minister ging sogar so weit, die Absicht zu erkennen zugeben, nothigenfalls eine europäische Intervention gegen Preußen anzurufen.

Herr von der Pfordten erhielt für sein Manifest die verdiente Zurechtweisungin der preußischen Gegennote vom 30. Juli. Es schien einige Energie in die Lei-tung der auswärtigen Politik Preußens gekommen zu sein. Am 29. Juli wurde,nämlich der Baron von Schlemitz, bisher Gesandter in Hannover, zum Minister deSAuswärtigen ernannt. Herr von Schicnsitz war ein erklärter Anhänger des Herrnvon Radowih; somit schien also diese Ernennung den Zweck zu haben, die bundes-staatliche Idee zu noch ofsiciellerm Ausdrucke zu bringen. In der Note vom 30. Juli,°em ersten Werke, zu dem der neue Minister den Namen lieh, wurden die Präten-