512 Preußen seit 1849 bis Ende 1850.
sprünglichen Wortlaute sein Bewenden haben würde. Denselben Beschluß faßte dasStaatenhaus am 17. April mit 62 gegen 29 Stimmen. Die berliner ministeriellenOrgane geriethen über diesen Beschluß in die höchste Wuth; Drohungen gegen diiMajorität wurden ausgestoßen. In Erfurt hielt man hiernach das Gerücht einerAuflösung für wahrscheinlich und schöpfte erst neuen Muth, als die „Erfurter Zei-tung", das Organ des Herrn von Manteuffel, beruhigende Versicherungen gab. Auchin Berlin beruhigte man sich nach und nach, als das Parlament nachträglich ver-schiedene, sehr wesentliche Abänderungen, besonders in Betreff der Grundrechte, a»'nahm. Dennoch wurde es nicht eben als tröstliches Zeichen betrachtet, daß sofort,nachdem die Berathungen über die Verfaffungsvorlagen beschlossen waren, mit auf'fallender Hast, am 29. April, das Parlament mit einer sehr kalt und allgemein ge>haltenen Botschaft vertagt wurde.
Zwiespalt im Schoose des Cabinets; Östreich beruft die Bundesplenarversammlung, derberliner Fürstencongreß, Sieg der östreichischen Politik, die Reactivirung des Bundestags-
das Provisorium der Union.
In der That wurde die Situation von Tag zu Tag kritischer. Die Gerücht«von dem steigenden Einflüsse Rußlands und Östreichs am berliner Hofe, von U«'cinigkeit unter den Mitgliedern des Ministeriums über den fernern Gang der Poli-tik mehrten sich. Die Gerlach-Stahl'sche Partei hatte im Schoose des Cabinets eine»Zuwachs erhalten. Am 27. Febr. war nämlich der Kriegsminister von Strotha aus'geschieden, theils, weil er mit der Beschwörung der Verfassung die Mission des No-vemberministerinms für beendet ansah, theils wol auch, weil seine entschieden gerad«und militärische Natur den baldigen Conflict mit der schwankenden Politik feinetKollegen ahnen mochte. An seine Stelle trat der General von Stockhausen, der kon-sequent gegen die Union gestimmt hatte, und sich nun an einer Regierung betheiligt»,die sich die Durchführung dieser Union zur Hauptaufgabe gesetzt. Herr von Ma»- >teuffel galt als der Hauptwidersacher des Herrn von Radowitz, eine Ansicht, die i" lRücksicht auf die Persönlichkeit beider Männer wol begründet schien. Seit Eröffnungdes Parlaments gewann der Einfluß des Erster« mehr und mehr die Oberhand. jTruppenbewegungen in Ostreich und Rußland, und die zweideutige Stellung, welch'die beiden Hessen im April und Mai einnahmen, bewogen Herrn von Radowitz, d>' ^Aufstellung einer Armee von 60900 Mann bei Erfurt zu verlangen. Seine GcS'ner verwarfen den Vorschlag als unnütze Demonstration, .und genehmigten nurArmirung der Festungen in Schlesien und Sachsen, sowie die Mobilisirung ei»^Anzahl von Batterien.
Ostreichischerseits trat man endlich deutlich mit der Absicht hervor, den alt'fBundestag wiederherzustellen. Unterm 26. April erließ das wiener Cabinet, in f"'ner Eigenschaft als Präsidialmacht, die Auffodcrung an sämmtliche Regierungen, E«'vollmächtigte zur Bildung der Bundesplenarversammlung nach Frankfurt zu send""Als Gegenstände der Berathung wurden die Errichtung einer definitiven Cenl^<behörde und die Revision der Bundesverfassung bezeichnet. Gegen diese Maß»'?protestirte Preußen am 3. Mai insofern, als es der einberufenen Versammlung le^,lich den Charakter einer frei berathenden Versammlung von Re'gicrungsbevollmäch"^ten zuerkennen wollte. Gewissermaßen als Gegendemonstration, hauptsächlich "auch, um doch nun endlich einmal zu einem Resultate hinsichtlich der Union z" ^lange», lud der König am 1. Mai die verbildeten Fürsten zu einer ConferenzBerlin ein. Außer dem Könige von Hannover, welcher nicht eingeladen worden, ",dem Könige von Sachsen, welcher ablehnte, fanden sich am 9. Mai sämmtlich» El,c-geladenen ein. Der Großherzog von Hessen-Darmstadt hatte seine Stimme demfürstcn von Hessen übertragen; der-Herzog von Nassau war durch seinen M"Ul, st.Präsidenten vertreten. Der letzte Augenblick war gekommen, wenn eS Preußen ,lich um die Erhaltung der Union zu thun war. Aber es bedurfte klitsch'»Auftretens, Geltendmachens der feierllich eingegangenen Verpflichtungen, und