514 Preußen seit 1849 bis Ende 1859.
Badenser den Marsch nach Preußen antraten, erklärte der östreichische Commandantin Mainz, nachdem zwei badischc Bataillone vorbeipassirt waren, daß er jede weitereVorbeifahrt mit Gewalt hindern werde. Hannover verweigerte den beiden erwähntenBataillonen den Durchmarsch, sodaß dieselben auf Umwegen den Marsch fortsetzenmußten. Die frankfurter Versammlung beschloß am 7. Aug. 1850 die Rcactivirung desalten Bundestags, und Östreich erließ am 14. Aug. Einladungsschreiben dazu. 3"Berlin antwortete man mit neuen Protesten. Wiederholte Mobilisirungsanträge derHerttn von Radowitz und von Schlcinih wurden verworfen, und der Kriegsminister be>gnügte sich, zwei Brigaden bei Frankfurt und Wchlar zusammenzuziehen. Herr vo«Schleinitz, der sich für größere Nachgiebigkeit gegen Östreich oder für energische Macht'entfaltung erklärt hatte, zog sich zurück, als keins von beiden geschah. Unbegreiflichwar nur Herrn von Nadowih's Verbleiben in seiner Stellung.
Das Provisorium der Union, das am 15. Juli 1850 ablief, wurde auf drei Monateverlängert. Die ganze Institution führte nur noch ein kümmerliches Dasein. Sach'sen, Strelitz, Schaumburg-Lippe und die beiden Hessen hatten inzwischen factisch oderrechtlich ihre weitere Betheiligung am Bündnisse versagt. Die Continuität des UnioN^'territoriums war unterbrochen; Preußen tagte in Berlin nur noch mit Regierungen/die ihm wenig Hülfe gewähren konnten. Nichtsdestoweniger hoffte Herr von Nad°'Witz noch auf die Attractionskraft eines Bündnisses, dessen rechtliche Wirkungen i>"äußerste» Falle mit Gewalt geltend zu machen das Cabiuet sich weigerte.
Feindseliges Auftrete» des Bundestags gegen Preußen, Aufhebung der Verfassung des Bunde?'staats, der Cpnflict in Kurheffen, warschauer Confercnzen, Zusammenstoß der BaiernPreußen in Hessen, kriegerisches Programm des Herrn von Radowitz; Ministcrrath am 2. NovaRücktritt des Herrn von Radowitz.
Am 2. Sept. constituirten sich Östreich, die vier Köpigreiche, die beiden Hesse"'Dänemark für Holstein, Luxemburg, Mecklenburg-Strelitz, Liechtenstein, Schaumburg'Lippe und Hessen-Homburg als Bundestag. Preußen und die Unionsstaaten pr"'testirten von neuem, natürlich ohne Erfolg, und jedenfalls blieb die Thatsache ö?' !stehen, daß dem preußischen Fürstencollegium in Berlin gegenüber ein östreichisch^Fürstencollegium in Frankfurt tagte. Beide stritten um Hie Macht, allerdingsdem Unterschiede, daß die frankfurter Versammlung die Macht für ganz Dcutschla"beanspruchte, während die berliner nur für ihren speciellen Kreis Geltung verlang^Die Gelegenheit, den Streit thatsächlich auszuscchten, bot sich alsbald. SeitFrühjahr ivar in Kurheffen Hassenpflug, der intime Freund des Herrn vonlach, nachdem die preußische Regierung ihm die verlangte Entlassung aus dem Staa^dienste gegeben, an die Spitze der Geschäfte getreten. Der bisher Begünstig",^preußischen Hofs begann damit, Hessen der Union zu entfremden und die östrc>§sehe Politik zu unterstützen. Wie hieraus die Conflicte mit den hessischen Sta»",entstanden, wie die Verfassung des Landes umgestoßen wurde, dies ist hier nicht sentwickeln. Wir haben nur zu berichten, wie der hessische Conflict von Östreich *griffen wurde, um die politische Niederlage Preußens und der Union herbeizufüh^Die kurhessische Regierung wandte sich nämlich nach Frankfurt um Hülfe gege" ^ ^Stände, und jene Versammlung beeilte sich, die Hülse zu gewähren. Baiern !beauftragt, ein Executionsheer in Hessen einrücken zu lassen; ein Commissarius n !„im Namen des Bundes" die Execution leiten.
Ein bairisches Heer in Kurhessen, der Verbindungsstraße zwischen den >großen Hälften des preußischen Territoriums, mußte unter den obwaltenden S^„k> 'Nissen als eine Kriegserklärung gegen Preußen erscheinen, um so mehr- als die si" ^furter Versammlung gleichzeitig den Beschluß gefaßt hatte, den mit Dänemark a ^schlossenen Friedensvertrag ebenfalls. durch Exccutionsvollstreckung in Ausführungbringen. Preußens Macht war somit auch im Norden bedroht. Noch ändere v iseligkeitcn gegen Preußen bereiteten sich vor. Am 11. Oct. fand zu Brcgenz^.Zusammenkunft des Kaisers von Östreich mit den Königen von Baiern und