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Siebenter Band.
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Preußen seit 184S bis Ende 185«. 515

temberg statt. Es verlautete, daß eine Übereinkunft getroffen worden, wonach diedrei Staaten sich zur Ausrechthaltung des Bundestags und zum Einschreiten in Kur-heffen verpflichteten; zu diesem Behufe sollte Ostreich 150000, Baiern 30000 undWürtemberg 20000 Mann aufstellen. Ferner, jedoch mit weniger Bestimmtheit,wurde von Theilungsprojecten zu Gunsten der beiden Königreiche erzählt, die in Be-ziehung auf preußenfreundliche Staaten, namentlich Baden, zur Sprache gekom-men wären.

In Berlin sah man Dem ruhig zu. Wie in Zeiten des tiefsten Friedens wur-den am 1. Oct. die ausgedienten Mannschaften, ein Drittheil der Armee, entlassen,die ausrangirten Cavalericpferde wurden verkauft. Das Ministerium rechtfertigtediese Maßregel durch die „etwas lichter gewordenen politischen Verhältnisse". Erstals die in Begrenz beschlossene Aufstellung von 200000 Mann bekannt wurde, zogder Kriegsminister wieder einige- unvollzählige Brigaden bei Paderborn und Erfurtzusammen. Mit dieser Schwäche vertrug sich wenig die fortdauernd drohende Sprachedes auswärtigen Ministeriums, an dessen Spitze seit dem 26. Sept. Herr von Ra-dowih selbst getreten war. Zm Publicum glaubte man, daß die officielle Leitung derauswärtigen Angelegenheiten durch den Urheber der Union den Entschluß der Regie-rung andeute, Östreich thatsächlichen Widerstand zu leisten. Man wußte noch nicht,daß H^r von Manteuffel und Herr von Stockhausen entschlossen waren, die Mittelhierzu nicht zu gewähret, sowie daß Herr von Radowih seinen persönlichen Einflußüberschätzte. Übrigens hatte Letzterer schon längst seine Wünsche aus ein kleines Maßreducirt. Um die Ausführung des ursprünglichen Unionsplans, um die Bildungeines Kerns für den großen deutschen Bundesstaat handelte es sich nicht mehr. Herrr°n,Radowih war im Juli zu Concessionen an Östreich bereit, wenn man ihm nurDuldung für ein engeres Bündniß innerhalb des Bundes versprechen wollte. Öst-reich wollte sich indessen auf keine Verhandlungen einlassen, ehe nicht Preußen zuvorme Union suspcndirt hatte. Dies wurde bewilligt. Das zweite Provisorium derUnion lief am 15. Oct. ab, und das Fürstencollegium mußte sich mit der Frage be-schäftigen, was weiter geschehen sollte. Zwar getraute sich Preußen noch nicht, dzeSuspension in nackten Worten auszusprechen. Thatsächlich aber liefen seine Vor-schlage darauf hinaus. Es versprach die Wahrung, nicht der Union, sondern deSUnwnsrechts. Die Ausführung der Unionsverfassung sei aufzuschieben, bis der DeutscheBund definitiv wieder reorganisirt sei. Ein Schutz- und Trutzbündniß, gemeinschaft-liches Handeln bei der Neugestaltung des weitcrn Bundes, Vereinbarung über dieEonstituirung der Union auf Grund der erfoderlichcn Modifikationen der Maiver-fassung-. so lauteten die preußischen Vorschläge, die am 8. Oct. vom Fürstencollegiumgenehmigt wurden. Nachträglich aber ertheilten Nassau und die Hansestädte nurihre bedingte Zustimmung, indem sie den Grundcharakter der Union für wesentlichalterirt erklärten.

Hatte Herr von Radowih gehofft, für diese Concessionen zu erlangen, daß die^remtion in Hessen rückgängig gemacht würde, so sollte er sich bald enttäuscht sehen.

Mahnungen Preußens, daß der Kurfürst den Conflict auf gcsetz.stand tLan^ waren erfolglos geblieben. Der Einmarsch der Baiern

bürg traf d°r! am 28 ^"ßcn Warschau Hülfe. Graf Branden-

Mcke Kamler gleichzeitig Fürst Schwarzcnberg, sodann der rus-

und der russische Gesandt- an, berliner Hof-, Baron

Gesandte am russischen Hofe, General von Nochow.

^ A^Mung eines engern Raths von 17 Stimmen mit den Befug-östr/7/ ^^^ 77' ^ Volksvertretung beim Bunde, den Eintritt Gesammt-

' ^""live durch Östreich und Preußen, und verlangte

Gleichstellung beider Mächte im Präsidium und das freie Unirungsrechtmneryaw des Bundes auf Grund des Art. 11 der Bundesacte. Fürst Schwarzen-g lehnte die Gleichstellung ab, erklärte sich mit den übrigen Vorschlägen einver-

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