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Siebenter Band.
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516 Preußen seit 1849 bis Ende 1850.

standen, verlangte aber vor allem, daß Preußen die Verfassung vom 28. Mai förm-lich aufgebe und die frankfurter Versammlung als Bundestag anerkenne. Dies wardem Grafen Brandenburg denn doch zu viel. Er erklärte, ohne Zustimmung desFürstencollegiums die Verfassung nicht aufgeben zu können, und schlug die Anerken-nung des Bundestags entschieden ab. Unverrichteter Sache verließen die Unterhänd-ler Warschau.

Inzwischen aber waren die Baicrn am 1. Nov. in Hessen eingerückt, ein Be-weis, wie wenig es Östreich darum zu thun war, sich auf friedlichem Wege mit Preu-ßen zu verständigen. Preußen hatte gedroht, falls die Baiern einzurücken Mienemachten, sich dem mit Gewalt zu widersetzen. Der commandirende General der preu-ßischen Truppen hatte in diesem Sinne Instructioncn empfangen. Ein gewaltsamerZusammenstoß schien unvermeidlich. In diesem Augenblicke aber trug die Friedens-partei in Berlin einen entscheidenden Sieg davon. Es ist weiter oben schon desZwiespalts in den Ansichten des Herrn von Manteuffel und von Radowitz Erwäh-nung geschehen. Schon im Sommer hatte sich Östreich unter der Hand damit ein-verstanden erklärt, wenn etwa Preußen die Union auf ein Bündniß mit den thü-ringischen Staaten reduciren wollte; es hatte auch die Parität mit Preußen zugestan-den, unter der Bedingung, daß die alte Bundesverfassung wiederhergestellt Hürde.Gegen den Rath des Herr» von Schleinitz, der ohne Zweifel hier im Einverständnißmit Herrn von Radowitz handelte, verwarf Herr von Manteuffel diese Anerbictungen,wahrscheinlich aus dem Grunde, weil Herr von Schleinitz an die Annahme die wei-tere Folge knüpfen wollte, daß ein solcher Systemwechsel auch von einem Wechseldes Ministerium- begleitet würde. Daß die große deutsche Frage von persönlichenBeziehungen abhängig, diese Vermuthung erhielt ihre Bestätigung durch die Weige-rung, dem Widerstände gegen Östreich den nothwendigen Nachdruck zu geben. Herrvon Manteuffel schien sich die Alternative gestellt zu haben, entweder die Union ohneHerrn von Radowitz oder auch die schlreßliche Versöhnung mit Östreich nach erfolg-ten: Rücktritte des Herrn von Radowitz durchzusetzen. Nur so wird die völligePrincip- und Systemlostgkeit der preußischen Politik in dieser Periode einigermaßenverständlich.

Durch die Rücksichtsnahme für das durch innere Ausstände geschwächte Öst-reich, durch den Mangel an Vorausberechnung der Conscquenzen des Maibünd-nisses, durch die Machinationen der Partei, welche in dem Ruin der Union denUntergang des Constitutionalismus suchte, war eS endlich dahin gekommen, Preu-ßen in die Alternative eines Kriegs , oder einer politischen Niederlage zu versetzen-Denn dies war der Stand der Dinge, als Graf Brandenburg, gekränkt durchdie Behandlung, die ihm in Warschau zu Theil geworden war, am 1. Nov-zurückkehrte. Der Einmarsch in Hessen soderte einen entscheidenden Beschluß-Zm letzten Augenblicke ermannte sich Herr von Radowitz zu der lange an ih»'vermißten Entschiedenheit. Er mochte fühlen, daß Preußens Ehre und seine eigen*

auf dem Spiele standen. Der unter dem Vorsitze des Königs gehaltene Ministe*'

rath vom 2. Nov. brachte die Entscheidung. Herr von Radowitz stellte folge»'des Programm auf: Preußen erklärt sich zur gemeinsamen Lösung des hessisch*"Streits bereit, duldet aber die einseitige Occupation durch die sogenannte.Bundes'armee nicht; sobald bairische oder andere Truppen in Hessen einrücken, rücken auchdie preußischen ein, gehen die erstem über Hanau und die Umgegend hinaus, so st"der preußische Befehlshaber sie zurückdrängen; angesichts der Ansammlung bairiMund östreichischer Streitkräfte an den preußischen Grenzen wird die Mobilmach»"^der Armee angeordnet; gleichzeitig wird ein Manifest über die Sachlage an dietion erlassen und die Einberufung der Kammern verfügt. Es kann nach der b> 'herigen schwankenden Haltung des Herrn von Radowitz bezweifelt werden, daß * *falls sein Programm adopttrt wurde, daraus mehr als eine Demonstration, auf E>schüchterung der Gegner berechnet, gemacht haben würde. Herr von Manteuffel v*kämpfte das Programm mit aller Entschiedenheit. Die Ruhe Europas, die So"