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Siebenter Band.
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Der Socialismus in Deutschland.

ihm sofort eine praktische Gestalt, und -darum macht kein Land die Geschichtschreibungund Darstellung so leicht als eben dieses Frankreich.

In England dagegen sehen wir diese Gemeinsamkeit des Lebens in andererWeise auftreten; darum freilich nicht minder stark. Hier herrscht kein geoplastischerMittelpunkt; di^ großen Hauptkörper des politischen Lebens liegen zerstreut, und jedeStadt, jede Grafschaft, ja fast jede Dorfschaft ist äußerlich für sich ein Ganzes.Allein durch dieses Agglomerat selbständiger Körper geht als das Gemeinschaftlicheeine gleichartige, feste und bisher allmächtige gesellschaftliche Ordnung hin. DieselbenStände, dieselben Classen, ja dieselben Gegensätze finden sich auf allen Punkten wie-der; die Menschen aber und Zustande, welche diesen socialen Organismus bilden, tref-fen zusammen in dem höchsten Organe des Parlaments, dessen unangreifbare Machtnicht, wie so Viele gesagt und gemeint haben, auf dem geschriebenen Rechte beruht,sondern darauf, daß es eben lebendig aus der gegebenen gesellschaftlichen Ordnunghervorgeht, ihr freiester, allgemeinster und thätigster Mittelpunkt ist, und wie keinanderer Zustand den ersten aller Grundsätze der Staatskunst bestätigt, daß eine Ver-fassung nicht die Grundlage, sondern nur die Consequenz der gesellschaftlichen Zu-stände sein kann. Eben darum aber macht eine jede Bewegung hier auch einenandern Gang durch als in Frankreich. 'Es fällt ihr gar nicht ein, sich mit oderohne Gewalt zuerst an das Haupt des Staats zu wenden und sich durch dieses alsVollendete Thatsache den öffentlichen Zuständen auszulegen. In England weiß Jeder-mann, daß auf diesem Wege nichts zu erreichen ist. Das Gcsammtgcfnhl dieserNation, lebendig in jedem Einzelnen, zwingt ihn fast unbewußt, sich an die gesell-schaftlichen Classen selbst zu wenden/ Hier muß er Überzeugungen, Theilnahme undUnterstützung gewinnen; er muß durch das Volk für das Volk thätig sein; er mußdeshalb Versammlungen berufen, reisen, reden, Associationen gründen, und erst, indcwer auf diese Weise die gesellschaftlichen Elemente in den verschiedenen Theilen desganzen Landes für sich gewinnt, allmälig eine Macht auch in dem höchsten Organe,dem Parlamente selbst bilden. Damit wird er weit langsamer fortschreiten, aberjeder Schritt wird etwas Dauerndes hinterlassen; Tausende werden nachdenken, waser angeregt hat, und seine Sache zu der ihrigen machen; und oft wird es sich er-eignen, daß ein Gedanke durch diesen tausendfältig wiederholten Stoß und Gegenstoßin Rede und praktischem Versuch am Ende ein ganz anderer sein wird als im An-fange, nicht zum Schaden der Sache. So verhalten sich Frankreich und Englandwie die Bewegung von oben herab zu der von unten hinauf; und diesen Charakterhaben beide auch in den socialen Kämpfen deutlich genug gezeigt.

Wie ganz anders ist es dagegen in Deutschland. Hier ist keine Hauptstadtkein Hauptland, kein Element des äußern oder innern Mittelpunktes. Die gcsch'schaftlichen Zustände sind zum Theil ungemcin verschieden in den verschiedenen Th^len des Landes, wie die Verhältnisse des Adels und Bauernstandes zeigen, zum Th^aber auch noch in hohem Grade unfertig, wie die Scheidung der Arbeit und d^Capitals; allenthalben aber haben sie, wenn man sie mit äußerm Maße mißt, ei>^Charakter an sich — das ist der der Kleinheit, der Enge in jeder Beziehung.Bewegung daher, die hierher gelangt, wird sofort zersplittert. Ihre Trümmer fall^oft fast wie vom Zufall allein geleitet, hierhin und dorthin, und das Gleiche in denun einmal Ungleichen wollend, bringen sie zuerst statt des bestimmten WollenS u>'des gehofften Fortschritts Unklarheit und Unordnung hervor. Was nützt es, an ^letzten Jahre zu erinnern, und einzelne Beispiele zu suchen, wo der Gesammtzusta"Deutschlands nur ein großes Beispiel ist!

Aber bei alledem ist weder die Empfänglichkeit noch die Kraft Deutschla"eine geringere als die der beiden andern Länder. Die Macht einer neuen geist'g „Thatsache ist deshalb hier nicht verloren, wenn sie auch weder einen festorgamsuStaat noch eine festgegliederte Gesellschaft trifft. Nur daß sie eben dadurch gezw»gen wird, sich dem dritten und letzten Elemente des thätigen Lebens, das da emcten muß, wo jene fehlen, zuzuwenden: das ist das Individuum! Es ist kcinesw