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Der Sociülismns in Deutschland.
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zufällig, daß es nirgends in der Welt so viele individuelle Überzeugungen, so vielindividuelles Leben gibt als in Deutschland. Die einzelne Persönlichkeit ist Dache-nigc, was die Aufgabe der Geschichte fast allein zu tragen hat. Ist es ein Wun-der, daß so Viele zusammenbreche», che sie, zu schwer belastet, ihr Ziel erreichen?
Die nächste Folge dieses eigenthümlichen Charakters deutscher Zustände ist nunaber freilich, daß eben durch diese individuelle Gestalt der Bewegung zugleich auchdas Zufällige und Willkürliche im Anfange derselbe» herrschend wird. In jedemEinzelnen beginnt alsbald der allgemeine Gedanke ein einzeliws Leben; unterworfenden engen, oft rein localcn Einflüssen, gedrückt auf vielen Seiten, nicht im Gleich-gewichte gehalten durch großartige thatsächliche Verhältnisse auf andere, bildet er sichbei Jedem wie er mag und kann, und in keinem Lande der Welt spielt und spiegeltsich daher ein und derselbe Gedanke in so mannichfach verschiedenen, oft so wunder-lichen und willkürlichen Farben und Formen als in Deutschland. Der Mangel derEinheit wird zu einem Reichthum- der Gestaltungen, die kein anderes Land auszu-weisen hat, und die Besonderheit der individuellen Anschauungen, die centnfugaleVerkehrtheit subjectiver Illusionen und klügelnder Arbeiten wird um so fester gehal-tn, je mehr sie oft genug die einzige Form ist, in der der Einzelne am allgemeinenLeben theilnehmcn kann. Fremde sehen dies „mit Verwunderung an und wagen sel-ten ihren Fuß in dieses wirre Treiben und Überbieten; das denkende Deutschland istfür bk Geister des übrigen Europa noch immer, was das ursprüngliche für dierömische Macht: ein Gebiet, das nie von „fremden Eroberern bewältigt, aber auchselten für fremde Güter zugänglich ist. Über .allen diesen Thatsachen aber schwebtder Sah, daß in dieser güstigen Zersplitterung ebenso gut die endliche geistige Kraftbedroht wird als in der staatlichen die politische. .
Dem nun, dieser Gefahr entgegen hat die bessere Natur cm großes Heilmittelgegeben, das täglich und jährlich und in größer» Schwingungen seine Kraft anDeutschland erprobt, und unserm Volke den Charakter der Einheit, den es an dreEinzelnen beständig verliert, beständig wiedergibt: das ist die Wissenschaft. Allejene zerfahrenden Einzelstrebungen erkennen nämlich sich selbst als Ausdrücke einesnoch zu suchenden Grundgedankens, und es ist wol der Mühe werth, weil es eine-große historische Thatsache im Leben des menschlichen Geistes ist, zu sehen, wie Allein dem Bewußtsein arbeiten, daß sie für diese „Wissenschaft" wirken, und sich ihranschließen und unterordnen, wenn sie gefunden oder ausgesprochen wird. Nichtstrenger sind in Frankreich die Individuen, in England die Theile der geselsschaftli-ehcn Classen der leitenden Gewalt Unterthan, als die Gedanken und Schriftsteller inDeutschland der Wissenschaft. Sie haben alle das unmittelbare Gefühl, daß nur inihr die Einheit des Ganzen lebt; sie fodern daher von ihr die Kraft, welche dieEinheit allein auch dem Stärksten gibt; und wie deshalb jene Zersplitterung antausend und tausend Einzclelemente die erste Form jeder großen geistigen Bewegungin Deutschland ist, so ist die Rückkehr zur Unter- und Einordnung in die Wissen-schaft die zweite Form oder Epoche, gleichviel wie man es nennt, die jener erstenunbedingt folgt. Und nun wollen wir hinzusehen, damit wir leichter verstanden"achdem diese Aufnahme in die Wissenschaft geschehen ist, derbas praktische Leben mit Ernst und Nachdruck bereitet werden kann.Dieser Durchgang durch die Wissenschaft für Alles, was Arbeit und That heißt,bildet den wahren Charakter des ganzen deutschen Lebens. Daß wir das nicht wis-sen, wie wir eS wissen sollten, daß wir es nicht sehen auf jedem Punkte, in jeder»e»t, in jeder großen Thatsache unsers FortschreitcnS, ist ei» Beweis dafür, daß wiru.n« selbst nicht kennen. Das Volk aber wird am höchsten stehen, das sich als eineeigenthümliche Gestalt deS Gesammtlebens des Geistes selbst zu begreifen weiß.
Und was ist nun diese Wissenschaft, deren Namen und Gewalt wir so oft inDeutschland- uns entgegentreten sehen? Es ist nicht überflüssig, auch an diesemwe^ daran zu erinnern; denn die sociale Bewegung hat sich bereits, wie wir sehen
rden, dem Gesetze unterworfen, nach welchem jene Wissenschaft der Durchgang«-