Der Socialismus in Deutschland. 527
finden noch zu bezeichnen. Verwirrung der Ansichten, wildes Kämpfen und Ringennach einem Unbekannten, Verletzungen des bis dahin Hochgeachteten, Drängen undSuchen in allen Richtungen erfüllten das geistige Leben der Nation. Es war dieEpoche der „Negation"; ihr Fahnenträger waren die „Hallischen Jahrbücher". Eswar durchaus wahr, was man ihnen vorwarf, daß sie dem Glauben des Volks vielegroße Männer genommen, aber ihm keinen einzigen wiedergegeben hätten; aber eswar Das eben der Charakter dieser Zeit, in der die Trümmer des Alten gleichsam>» den Gemüthern umherlagen, zu groß, um schon einem neuen Raun, zu gestatten,und doch nicht innerlich stark genug, um selbst einen neuen Bau zu tragen. Die3ahre, welche um die Thronbesteigung des neuen preußischen Köxigs lagen, waren3ahre der Auslosung. Diese Auflösung erschien freilich hauptsächlich in der Litera-tur; allein in der Wahrheit war sie doch nur vorhanden in dem politischen Glaubender Nation. Das aufgelöste Heer politischer Überzeugungen zersprengte sich mit sei-"en Zweifeln und seinem Unmuth in alle Gebiete des Lebens; es ward zum Gäh-rungsstoffe, wohin es kam. Aber diese ganze wirre und freudelose Bewegung folgtedennoch unbewußt einem höhern Gesetze.
Dieses Gesetz hat erst später die Wissenschaft der Gesellschaft dargestellt. Wennw einem Gemeinwesen zwei gesellschaftliche Classen um die Staatsgewalt kämpfen,w wendet sich nothwendig die besiegte der dritten, bisher recht- und machtlosen zu,Erkundet sich mit ihr in hundert verschiedenen Formen, und sucht alsdann, nachdemm diese in sich ausgenommen, den Kampf mit der siegenden aufs neue zu beginnen.Die liberale Doctrin, geschlagen und jetzt machtlos, fing an zu begreifen, daß sienunmehr ein neues Element in den Kampf hineinziehen müsse. Alle Mittel der^ Einschüchterung, selbst des bestehenden Rechts hatten nicht ausgereicht,^asse der industriellen Besitzer oder des.erworbenen Besitzes zu ihrem natürlichenffentuchen Rechte zu verhelfen. Von dem Rechte des bevorrechteten Besitzes übcr-unden, ward sie dadurch zurückgeworfen auf diejenigen Elemente, welche in keinervon beiden Classen enthalten, von keiner derselben bisher beachtet waren. Zum erstenb^ann man in Deutschland von den, „Volke" zu reden; nicht von dem „VolkeSinne des Kaiserreichs deutscher Nation, von jenem fabelhaftenesch echte Hermann's des Cheruskers, sondern von jener Macht im Volke, die bisahm nur der Stoff der Geschichte gewesen, deren Bedeutung aber die Erinncrun-Zen an die Französische Revolution dunkel ahnen ließen. Der ganze Gang derDinge wendete sich; man begann zu fühlen, daß die Entwickelung in eine neue,aber noch namenlose Phase treten wolle.
Sowie nun aber von diesem Volke als einem künftigen Elemente der deutschenBewegung die Rede war, mußte eine ganze Reihe von Fragen entstehen: Wer wardenn dieses Volk? Welches waren seine Elemente, welches seine innere Bewegung,welches seine Macht? War es eine Masse, nur „im Zuschlagen respektabel"? Oderhatte es schon bestimmte Ziele und Absichten? Vor allem, wie verhält sich dieserVolk zu den Kämpfen und Principien der liberalen Partei, wie zu denen der con-Welches war seine naturgemäße Stellung in dem Kampfe für und wi-Erfabru?^!^""""'^ Herrschaft? Welches waren die Grundsätze, die aus derWie hatt? Östreichs namentlich für die Beurtheilung desselben gelten mußten?Verhalten "ach diesen Erfahrungssätzcn die Parlamentarischen zum Volke zu
aukte-t../ gewiß zu sein? Wie mußten andererseits die Conservativen
runaen n n?"' ^ Folgen einer solchen Verbindung zu paralysiren? Welche Fode-andn^ ""b nut welchen Principien einerseits, mit welchen Zugeständnissendieser ^selben zu befriedigen? Kurz, welches waren Natur und Geist
alS entsck,^ ^'csst, djx durch den Gang der Geschichte jetzt als neues, vielleichtWard« U Element in den Kampf der staatlichen Gegensätze hineingeworfenSuna M Das wußte man i» den höher» Sphären der politische» Bewe-Franks,.^ g'"wv«. Man fürchtete hier traditionell noch die letzten Trümmer dess rrer Attentats; sie wurden genau bewacht, obwol sie selbst machtlos waren