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Siebenter Band.
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552 Der Socialismus in Deutschland.

dererseits viel weniger gründlich gebildet. Er greift wie Dieser nicht etwa blos dasEigenthum und die Gesellschaft, das Recht und den Staat an, sondern er negirtmit ebenso großer Schärfe und Rücksichtslosigkeit auch den Liberalismus, den Socia-lismus, den Communismus und sogar den Humanismus. Er ist in dieser Kritikschlagend und geistreich; aber weil er sie durchaus nur von seinem eigenen Stand-punkte aus erhebt, so konnte diese Kritik am Ende auch nur für ihn Gültigkeit ha-ben, während Proudhon's Einfluß hauptsächlich eben daraus beruht, daß er sich aufden Standpunkt seiner Gegner selbst hinstellt. Es ist kein Zweifel, daß Stirner,wenn er es über seine halb frivole, halb selbstgefällige Neigung, etwas Ungewöhnli-ches zu sagen, hätte gewinnen, und wirkliche Studien und Arbeiten statt grellerSchlaglichter geben können, Bedeutendes geleistet hätte. Allein freilich hätte er dannauch ebenso gut als Proudhon seinen einseitigen Standpunkt aufgeben müssen; denndieser Standpunkt ist im Grunde nichts als die Anerkennung des „absoluten Ich",dieses allein souveränen Herrschers, der, als Mittelpunkt alles Daseienden betrachtet,sowol principiell wie thatsächlich alle Dinge rein auf sich bezieht, an sich abmißt,nur für sich gelten läßt. Es ist keineswegs das erste mal, daß dieser Begriff aufge-stellt wird. Schon Spinoza'- Rechtsphilosophie, schon Hobbes haben durchaus keinenandern Ausgangspunkt, und die Kinder der neuern Philosophie würden Stirner ge-zeigt haben, daß auch Fichte genau dasselbe Princip in allen seinen Deduktionenvertreten hat. Nur zu dieser Kritik kamen sie nicht. Und zwar darum nicht, weileinfach jene Thatsache des „Einzelnen Ich" eben gar nicht die einzige Thatsache ist,welche selbst diese Philosophie anerkennen kann, und deshalb auch durchaus unfähigist, ein System zu entwickeln, welches diese Thatsache als die absolut einzige oderauch nur herrschende betrachtet. Im Gegentheil ist die Gemeinschaft der Menscheneine nicht blos ebenso gewisse, sondern eine noch viel gewissere, weil dauerndere undmächtigere Thatsache, abgesehen von der Logik, welche diese Thatsache nun wieder vondiesem oder jenem Standpunkte aus sich „entwickeln" mag. Die Erbauung einesSystems auf jener Thatsache des absoluten einzelnen Ich ist daher nothwendig nich-tig; und das zeigt sich denn auch bei Stirner's Werk. Es ist möglich, bei jenerstehen zu bleiben; allein eben weil man mit ihr nicht das Wirkliche umfaßt, ist esunmöglich, damit einen Einfluß zu gewinnen. Überdies war dem deutschen Geisteeine solche absolute Negation aller einmal angenommenen Grundgedanken keineswegsso fremd, wie dem französischen, als Proudhon auftrat. Man besaß schon lange dieNaivetät nicht mehr, auf welche allein ein solches Auftreten Eindruck macht; undso ging dieses, jedenfalls keineswegs unbedeutende Werk fast ohne Nachhall vorüber.

Das dritte der obigen Werke: „Das Eigenthum und die Vielkinderei", vonF. Baltisch (Hegewisch in Kiel), hat im Grunde viel weniger Beachtung gesunden,als es wol verdiente. Es steht durchaus aus dem Standpunkte der Malthus'-schen Theorie; die Gesammtsumme seines Inhalts kann zusammengefaßt werden indem Sahe, daß der Grund aller Gefährdung des Eigenthums, sowol der factischenals der rechtlichen, in der durch die Vielkinderei entstehenden Übervölkerung liegt.An sich ist die Sache nicht neu, und schon Malthus hat bekanntlich in den Theilenseiner Arbeit, die am lesenswerthesten sind und die man am wenigsten liest, diesenSah in seiner Weise durchgeführt. Hegewisch behandelt nun noch einmal denselben ge-genüber der socialen Frage, freilich in etwas aphoristischer Form, aber praktisch undgründlich, fast in der Weise englischer Schriftsteller, die eine systematische Ordnungum so mehr verschmähen, je fester sie von den einzelnen Sätzen überzeugt sind. E§ist aber gewiß in hohem Grade wünschenswert!», daß die Betrachtung der socialenBewegung eben dieses Gebiet der Bcvölkerungsverhältnisse fest ins Auge fasse. Merk'würdig Sewiffer Weise freilich leicht erklärlich — ist die schweigsame Sche"cmit der Publicistir und Wissenschaft von jeher das Gebiet der „ Vielkinderei"umgehen pflegen, obwol Niemand an seiner ungemeinen Wichtigkeit zweifelt. Destomehr muß man auf die Wenigen hinweisen, die hier mit Bestimmtheit auftre-ten; und Hegewisch ist unsers Wissens der Eimige, der diese so wichtige Sc'w